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«Die Patrioten» Früherer Le-Pen-Vize gründet neue EU-feindliche Partei

  • Nach seinem Bruch mit der Rechtspopulistin Marine Le Pen bringt ihr früherer Stellvertreter Florian Philippot eine neue Anti-EU-Partei in Frankreich in Stellung.
  • Philippots Anhänger kamen nahe dem nordfranzösischen Arras zum Gründungsparteitag der «Patrioten» zusammen.
  • Sie wollen bei Wahlen auch gegen Le Pens Front National (FN) antreten.
Zwei Personen auf einer Parlamentsbank.
Legende: Florian Philippot: Selbst propagiert er den Austritt aus der EU – im Europaparlament sitzt er jedoch in der Fraktion «Europa der Freiheit und der direkten Demokratie». Reuters / Archiv

Der 36-jährige Philippot will den Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union: Wenn man im Euro und in der EU bleibe, sei es unmöglich, die Politik zu ändern, sagte er dem Sender Europe 1. Nach Philippots Angaben hat die im September initiierte Partei 6500 Mitglieder.

Philippot hatte die FN im Herbst im Streit verlassen. Er war nach den Schlappen bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen unter Druck geraten, weil die besonders von ihm vertretene Forderung nach einem Euro-Austritt bei den Wählern nicht ankam. Le Pen stellt dieses Thema inzwischen nicht mehr in den Vordergrund. Sie strebt zudem eine Änderung des Parteinamens an.

Jean-Marie Le Pen: «Parteigründung ist Verrat»

Le Pens Vater, der FN-Parteigründer Jean-Marie Le Pen, bezeichnete die geplante Aufgabe des Namens Front National als «Verrat». «Das ist unerklärlich und verdächtigt», sagte der 89 Jahre alte Rechtsextreme der Sonntagszeitung «Le Journal du Dimanche». Er will gegen den Willen der FN-Führung zum Parteitag am 10. und 11. März kommen, mit dem Marine Le Pen die Partei neu aufstellen will.

Profitiert Macron?

Ungewollt könnte Philippot dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron sogar in die Hände spielen – falls er es schafft, den Front National zu schwächen, die er einen «toten Stern» nennt. Marine Le Pen gilt seit dem Wahldebakel auch innerparteilich als angezählt.

Philippot ist wie Macron ein Geschöpf der Elitehochschulen, er hat die renommierte Pariser Wirtschaftsuni HEC und danach die Kader-Schmiede ENA absolviert. Von dort schaffte er den Sprung ins Innenministerium, bevor er 2008 der Front National beitrat. Dieser verordnete er zusammen mit Le Pen einen Kurs der «Entteufelung» und eine Abkehr von der rechtsextremen Hetze ihres Vaters Jean-Marie Le Pen.

Marine Le Pen bemüht sich seit Übernahme des Vorsitzes im Jahr 2011 um ein gemässigteres Bild der Partei. Ihr Vater wurde 2015 ausgeschlossen, nachdem er die Gaskammern der Nazis zum wiederholten Male als «Detail der Geschichte» bezeichnet hatte. Gerichtsurteile erlaubten es ihm aber, Ehrenvorsitzender zu bleiben – dieser Posten soll nun auf dem Parteitag abgeschafft werden.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Meier (Kurt3)
    Im EU - Parlament sitzen , 20-30000. € Mt. Von der EU beziehen . Eine Art trojanischen Pferd . Scheint System zu haben . Phippot scheint von seiner früheren Chefin gelernt zu haben . Die hat ja auch mit EU - Geldern die FN Parteizentrale finanziert .
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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Das könnte eine europafreundliche Partei sein, die Europa in eine EFTA 2.0 führt. Man muss sie nicht als EU feindlich, man darf sie als neue Partei vorerst beobachten und zuhören, welches Europa sie wollen.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Die "EU-Treuen", die "alten" Parteien und vorallem die Medien werden wohl kaum zuerst der neu gegründeten Partei emotionslos und nüchtern zuhören, was sie wollen oder was sie verändern möchten, Herr Muri! Weil Florian Philippot eine "patriotisch" denkende Partei gegründet hat, wird sofort "aus vollen Rohren" negativ verunglimpft und die Partei in eine rechtsextreme Ecke gestellt! Das wird uns morgen Montag jede Zeitung (nicht nur in Frankreich!) bestätigen!
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    2. Antwort von Ivo Muri (Ivo Muri)
      Stimmt Herr Bolliger. Journalisten werden wieder lernen müssen, einen Grundsatz zu beherzigen, den der Begründer des Benediktinerordens jedem Verantwortungsträger empfahl und an den sich jeder Führungsverantwortliche halten sollte: Man soll vor allem denjenigen zuhören, von denen man nichts erwartet.“
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