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International Die siegreichen Brexit-Vertreter sollen Verantwortung übernehmen

Nach dem Einzug ins Premierministeramt hat Theresa May personelle Pflöcke eingeschlagen: Die siegreichen Anhänger vom Brexit sind verantwortlich für die Aussenbeziehungen, namentlich Boris Johnson für das Aussenministerium, während im Innern eine nahezu sozialdemokratische Politik versprochen wird.

Ein Verkehrsschild mit dem Verbotszeichen steht vor der europäischen Flagge.
Legende: Die neue britische Premierministerin Theresa May nimmt die Brexit-Gegner in die Pflicht. Keystone

Die gestern Abend von der britischen Königin eingesetzte neue Premierministerin, Theresa May, ist nicht arbeitsscheu. Sie selbst hatte den Verbleib in der Europäischen Union zögerlich befürwortet, nun sollen die siegreichen Brexit-Vertreter die Verantwortung für die neue Welt übernehmen.

Die Nation stehe vor einem grossen Umbruch. Und so soll der ehemalige Londoner Bürgermeister, Boris Johnson, der gehofft hatte, Premierminister zu werden, das Aussenministerium übernehmen.

Gräben zuschütten ist Mays Motto

Ein Mitstreiter von Boris Johnson, Liam Fox, ein höflicher und erzkonservativer Politiker, wird Handelsminister, der Veteran David Davis soll ein neues Brexit-Ministerium aufbauen. Die verbleibenden hohen Staatsämter gingen an Leute, die der EU wohl gesonnen sind: Das mächtige Finanzministerium, das Innenministerium und die Verteidigung.

Gräben zuschütten, das ist derzeit Mays Motto. Zwischen den vier britischen Nationen England, Wales, Schottland und Nordirland, aber, und vor allem, zwischen der privilegierten Elite und dem Rest.

Sozialer Ausgleich, Abbau von Diskriminierung stehen hoch im Kurs. Jene, die sich gerade so knapp über Wasser halten, sollen von ihrer Steuerpolitik profitieren, sie werde die Vorteile der bereits Privilegierten nicht noch weiter zementieren.

Mays Vorgänger David Cameron verkündete gelegentlich vergleichbare egalitäre Ziele, aber es geschah nicht viel zu ihrer Umsetzung. Die Pfarrerstochter May mag aus anderem Holz geschnitzt sein.

Ihr Programm stünde auch der Labour-Partei nicht schlecht an, sie hat sich nun, mit Ausnahme des unberechenbaren Johnson, mehrheitlich mit Leuten umgeben, die aufgrund ihrer Leistung und nicht ihrer Geburt Karriere gemacht haben.

Martin Alioth

Martin Alioth

Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

12 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Eine fast schon sozialdemokratische Innenpolitik, verbunden mit Eigenständigkeit und Nationalstolz klingt schon fast nach der Realpolitik, zu der weder in Europa noch hierzulande niemand greifen will...
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Großbritannien wird seinen Weg in der Welt finden. Es verfügt über sehr viele Kontakte in alle Welt. Die Neuorientierung wird Kraft kosten und es wird auch Verlierer geben. Europa dürfte zunehmend an Einfluss verlieren und wer da nicht flexibel ist, steht irgendwann im Abseits. Hochnäsigkeit kommt vor dem Fall. Im Interesse der eigenen Bürger ist das ganz sicher nicht.
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    1. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      Europa verliert an Einfluss wegen dem zunehmenden Nationalismus. GB hat sich gerade völlig ins Abseits manövriert. Viele Firmen planen schon das Wegziehen.
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Singer, die Briten haben sich nie so richtig eine EU-Identitaet angeeignet wie es bei den Deutschen ganz offensichtlich auch vergangenheitsbedingt, bzw. geschichtlich bedingt der Fall ist. Also ich sehe da klare Erwartungsunterschiede und völlig divergierende Anschauungen.
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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    In Zeiten totaler medialer und anderer Verblödung spielt es nun wirklich keine Rolle, was für ein Geschöpf Gottes hier Aussenminister wird. Mit Junker könnte auch ein intelligenter Affe kommunizieren. Johnson wird das schon schaffen, wenn er den Pult ganz ganz tief stellt. Selbst Italien konnte über Bunga Bunga über Wasser gehalten werden.
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