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International Die US-IT-Branche leidet noch immer unter dem Snowden-Effekt

Die NSA-Affäre kommt die US-Wirtschaft teuer zu stehen. Schätzungen zufolge entgingen wegen der Veröffentlichung der Snowden-Dokumente der IT-Branche Aufträge für rund 180 Milliarden US-Dollar. Die Politik hat nun reagiert und will die Spähprogramm eindämmen. Die NSA hat daran keine Freude.

Serverraum von Facebook in Schweden.
Legende: Die Jagd nach Daten bringt die US-IT-Branche in die Zwickmühle. Keystone

Der US-Kongress nähert sich einer Reform der millionenfachen Datensammlung durch den Geheimdienst NSA. Das Abgeordnetenhaus stimmte vergangene Woche mit 338 zu 88 Stimmen für den sogenannten «USA Freedom Act», mit dem die massenhafte Spionage der NSA eingeschränkt werden soll.

Sofern der Senat bis Ende Mai zustimmt, könnte die National Security Agency NSA die Telefondaten der Amerikaner nicht mehr selbst sammeln und speichern.

Der Auslöser für die Debatte liegt rund zwei Jahre zurück. Damals informierte Ex-Spion Edward Snowden die Öffentlichkeit über den Umfang der Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA im In- wie im Ausland. Für Firmen wie Google, Apple und Facebook waren die Enthüllungen geschäftsschädigend.

Gigantischer Schaden weil Aufträge ausblieben

Die Enthüllungen wirkten sich für viele Firmen negativ auf ihre Geschäfte aus, sagt Jennifer Granick vom Zentrum für Internet und Gesellschaft der Universität Stanford.

So beendete die deutsche Regierung einen Grossvertrag mit der US-Firma Verizon für das Telefonsystem der Deutschen Bundesämter. Der Auftrag ging neu an die Deutsche Telekom. Microsoft verlor Kunden, unter anderem die Regierung Brasiliens. Infolge der NSA-Enthüllungen litt auch das China-Geschäft des Telekom- und Internet-Netzwerkunternehmens Cisco.

IBM hat seither mehr als eine Milliarde ausgegeben, um Datenzentren im Ausland zu bauen und Kundeninformationen dort zu speichern. Je nach Schätzung kosten die Snowden-Dokumente die US-Tech-Industrie bis zu 180 Milliarden Dollar.

Die Firmen reagierten auf die Bespitzelung, indem sie die Kundendaten zunehmend verschlüsseln. So habe Apple etwa die SMS seither verschlüsselt. Ebenso schützten die Konzerne den Datenverkehr zwischen Rechenzentren besser als früher, erklärt Peter Eckersley von der Electronic Fronteer Foundation.

Was dem Datenschützer noch immer zu wenig ist, ist den Geheimdiensten zu viel: Sie warnen, dass der Trend zu mehr Verschlüsselung den Kampf gegen Kriminalität und Terrorismus erschwert.

Dilemma für die IT-Branche

Die US-Geheimdienste verlangen von den US-Internetkonzernen, dass sie in ihre Systeme eine sogenannte «back door», also eine «Hintertüre» einbauen, durch die die Geheimdienste trotz Verschlüsselung eindringen können.

Die IT-Branche gerät mit dieser Forderung in eine Zwickmühle. Sie produziert nämlich nicht nur für den US-Markt, sondern auch für ausländische Kunden.

Die Konfrontation zeigt aber, in welchem Spannungsfeld sich die Internet-Konzerne bewegen: Sie müssen die Interessen ihrer internationalen Kundschaft gegenüber den Interessen der US-Geheimdienste abwägen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Es gab Zeiten, in denen Schiffe der englischen Flotte für die Königin spanische, mit Gold und anderem beladene Schiffe an der Pazifikküste Südamerikas gekapert und ausgeraubt haben. Heute läfut's nicht mehr so brachial, aber in der Sache unverändert.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Die Wirtschaftsspionage wird durch grosse Datenzentren enorm erleichtert. Wer die grössten Profiteure dieser genialen Methode ist, sollte in der Zwischenzeit jedem klar sein. Die USA hat nicht nur Zugang zu den technischen Daten der Konkurenzprodukte, sondern können gezielt die besten Köpfe auf dem Markt anwerben. Ein Schlaraffenland für Geheimdienste, die ein lukratives Finanzierungsmodell mehr haben. Die Geheimdienste sind technisch top und finanzieren sich durch diese Tätigkeit quasi selber.
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  • Kommentar von Andrea Müller, Zürich
    Server im Ausland? Es gibt US-Richter die von Microsoft verlangen, Daten, die in Irland gespeichert sind, rauszurücken, weil, "hey, USA, wir haben überal Jurisdiktion". Der schlaue Weg ist also keine Geschäfte mit den USA und mit den USA in Beziehung stehenden IT-Firmen zu machen, wenn es um sensible Daten geht (tut es fast immer).
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