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Legende: Audio Gelbwesten protestieren in Deutschland abspielen. Laufzeit 04:03 Minuten.
04:03 min, aus Rendez-vous vom 01.02.2019.
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Dieselproteste in Stuttgart Der Mann hinter den deutschen Gelbwesten

Ioannis Sakkaros mobilisiert hunderte Demonstranten – wegen des Diesel-Fahrverbots. Er hofft, dass sich die Proteste in ganz Deutschland ausweiten.

Vor einem Monat kannte ihn niemand – jetzt reissen sich Politiker und Medien um Ioannis Sakkaros. Der 26-jährige Porsche-Angestellte organisiert seit Anfang Jahr Demonstrationen gegen das Dieselfahrverbot in Stuttgart.

Seit dem 1. Januar gilt in Sakkaros' Heimatstadt ein flächendeckendes Dieselfahrverbot. Betroffen sind Dieselfahrzeuge der Euro-Abgasnorm 4 und schlechter. Derzeit gilt das Fahrverbot erst für Auswärtige, ab April werden auch die Stuttgarter davon betroffen sein.

Riesiges öffentliches Echo

Sakkaros hat vor einem halben Jahr nachts um 3:37 Uhr eine Facebook-Gruppe gegen Dieselfahrverbote in Stuttgart gegründet. Für Anfang Januar meldete er eine erste Demonstration an. Es kamen 250 Menschen. Am darauffolgenden Samstag waren es 700, letzte Woche 1500. Nun geht es am heutigen Samstag weiter. Bis April soll jeden Samstag demonstriert werden.

Bis jetzt ist der Protest zahlenmässig sehr überschaubar. Doch das öffentliche Echo ist riesig, denn die Demonstranten tragen gelbe Westen – wie die «Gilets Jaunes» in Frankreich. PR-mässig ist das perfekt. Aber was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Menschen in Gelben Westen blockieren eine Strasse.
Legende: Vor zwei Wochen kamen rund 700 Gelbwesten. Wie viele werden es diesen Samstag sein? Imago

Wut auf Autokonzerne und die Politik

Man sehe auch den deutschen Bürgern den Unmut an, sagt Sakkaros. «Sie werden nicht mal gefragt. Man nimmt ihnen einfach ungefragt den Autoschlüssel aus der Hand.» Betroffen vom Fahrverbot sind die Besitzer von älteren Dieselfahrzeugen. Das seien vor allem Menschen, die sich nicht so viel leisten könnten, so Sakkaros.

In Frankreich richten sich die Proste gegen die Regierung, in Deutschland müssten sie die betrügerischen Autokonzerne anvisieren. Sakkaros sieht zwar auch die Autokonzerne in der Pflicht, mehr noch aber die Politik. Sie habe es versäumt, eine Umfahrungsstrasse in Stuttgart zu bauen.

Popularität zu Kopf gestiegen?

Popularität zu Kopf gestiegen?

Ioannis Sakkaros geniesst die plötzliche, riesige Publizität. Er hat unzweifelhaft politisches Talent, und er kann gut reden. Aber vielleicht ist ihm das ein wenig in den Kopf gestiegen: «Ich sehe mich als eine Art Volksvertreter», sagt er. Er gebe in den diversen TV-Sendungen, in die er immer öfter eingeladen wird, «einfach nur die Meinung der Stuttgarter Bürger wider».

Zudem stellt der junge Mann Messtationen und Messewerte in Frage. Seine Forderung: Die Fahrverbote müssen aufgehoben werden. Es könne nicht Sinn der Sache sein, dass das Opfer – also der von den Autoherstellern betrogene Autofahrer – die Strafe trage.

Politik versucht Protest zu vereinnahmen

Bei Bürgerprotesten und dem Thema Auto springt auch die Politik auf und versucht sie zu instrumentalisieren. Dies umso mehr bei diesem Thema, da im Zuge des Dieselskandals tatsächlich die Autofahrer die Dummen sind.

Die AfD versuchte sich mit Glühweinständen und Plakaten an den Demos in Stuttgart. Doch Sakkaros wehrte ab. Andere halten ihm vor, er sei als Mitglied der IG Metall bloss ein Strohmann der Gewerkschaft. Doch Sakkaros betont, er handle von sich aus.

Sakkaros hofft auf Proteste in ganz Deutschland

Er will überparteilich sein und sieht seinen Protest auch grundsätzlich über das Dieselfahrverbot hinaus: «Der Unmut in der Bevölkerung wächst ständig», glaubt Sakkaros. Das betreffe auch andere Themen als bloss den Diesel.

Die Regierung müsse sich überlegen, ob sie nicht für die Bevölkerung arbeiten sollte – statt bloss für die Wirtschaft. Gewalt wie in Frankreich lehnt Sakkaros ab, aber er hofft auf eine Ausweitung der Proteste auf ganz Deutschland.

Eines ist sicher: Auto und Bürgerproteste ist eine politisch brisante Mischung in Deutschland. Auch wenn ein Erfolg noch in den Sternen steht.

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90 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Wenn ich diese Kommentare bezüglich Anschaffung eines umweltfreundlicheren Autos lese, habe ich den Verdacht, dass einige schon bei 6000 CHF einen privaten Insolvenzantrag stellen müssen. Das passt aber nicht zum Bild, welches ich täglich auf den Straßen sehen. Die Durchnitts-Motorleistung liegt dort jenseits von 150 PS.
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    1. Antwort von Georg Benad  (kreanga)
      Ich habe den Verdacht Sie verwechseln die Schweiz mit D.Wenn Sie etwas für die Umwelt in D machen wollen dann spenden Sie den Grünen doch die
      6000 CHF und haben ein ruhiges Gewissen....
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    2. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      „Unsere Autos werden immer stärker: In den vergangenen zehn Jahren ist die Motorleistung um 25 Prozent auf 125 PS gestiegen.“
      Quelle: VW
      Auch in Deutschland, wächst die Anzahl der SUV stetig!
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    3. Antwort von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
      Wenn Autofahrer die wahren Kosten des Autofahrens bezahlen müssten, könnten sich tatsächlich ein grosser Teil der Autofahrer das Autofahren nicht mehr leisten. Was nur bedeutet dass sie heute nur wegen den Subventionen fahren.
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    4. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Frau Kehrli, Deutschland ist eines der wirtschaftsstärksten Länder, und den Meisten geht es gut, wie sich am Konsum und Urlaubsreisen erkennen lässt. Ich halte ihre Aussage für übertrieben. Gerade diejenigen, die jetzt am lautesten jammern, tun das auf hohem Niveau.
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  • Kommentar von pedro neumann  (al pedro)
    Die Gilets Jaunes sind offenbar gegen Dieselverbote und hohe Benzinkosten, gegen Neoliberalismus und Lohndumping, gegen Einwanderer, gegen Bevormundung und fehlende Volksrechte. Irgendwie scheint mir die Bewegung vor allem gegen eines gerichtet zu sein, ...gegen die EU. Diese hat, wie es scheint, allmählich ein grösseres Problem als bloss den Brexit.
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Natürlich ist es immer wieder einfach einen Sündenbock zu finden. Bei uns ist es auch so. Wenn nicht Bern, dann halt Brüssel.
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  • Kommentar von Georg Benad  (kreanga)
    Herr Kirchhoff,danke für Ihren Hinweis aber die Tatsache war mir schon bekannt mit den 30 % Wertverlust.Bei wieviel Geld fängt denn bei Ihnen ein guter Gebrauchter denn an ohne gleich wieder kostspielige Reparaturen zu befürchten ? Da sie keinerlei Garantie bekommen für einen Gebrauchtwagen ist es ein reines Lotteriespiel wann die nächste grössere Reparatur fällig ist.Wenn Sie sich das leisten können dann gehören Sie ja schon zur "gehobenen Mittelschicht" wie Herr Merz sagen würde....
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