Dilettantische Suche nach Ban Ki Moons Nachfolger

Der UNO-Generalsekretär ist der wichtigste Funktionär der Welt. Doch die Art und Weise, wie der Posten jeweils vergeben wird, ist völlig zufällig und hoch unprofessionell. Das will jetzt eine immer grössere Gruppe von Staaten, in der die Schweiz eine Schlüsselrolle spielt, nicht länger akzeptieren.

Ban Ki Moon Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zwei Jahre vor dem Termin wirft der Abschied des Uno-Generalsekretärs bereits Schatten voraus. Reuters

Zwar läuft die Amtszeit von UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon noch zwei Jahre. Doch der Kampf um seine Nachfolge ist bereits entbrannt.

Das Problem aber ist: Es gibt für den Posten weder eine Stellenbeschreibung noch Wahlkampfregeln, weder ein definiertes Auswahlverfahren noch Mitspracherechte, weder Mindestqualifikationen noch Vorstellungsgespräche.Trotzdem wird vom jeweiligen Stelleninhaber nicht weniger erwartet, als die grossen Probleme der Welt zu lösen. Die Frustration über diese unbefriedigende Situation wächst.

«  Wir sind für mehr Transparenz und mehr Teilnahme. »

Didier Burkhalter
Bundespräsident

Eine Reihe von Ländern – nicht zuletzt die Schweiz – wollen nicht länger hinnehmen, dass die Besetzung des UNO-Chefpostens von den fünf UNO-Vetomächten im Verborgenen ausgekungelt wird. Bundespräsident Didier Burkhalter sagt es so: «Wir sind für mehr Transparenz und mehr Teilnahme. Es ist sehr wichtig, dass im Sicherheitsrat die Diskussion und die Entscheide transparenter werden. Und vor allem von allen anderen Nationen auch getragen werden können.»

Der Schweizer Uno-Botschafter in New York, Paul Seger, ergänzt: Bisher habe die UNO-Generalversammlung, in der alle 193 Uno-Mitglieder vertreten sind, jeweils kritiklos den Vorschlag des Sicherheitsrates gebilligt: «Die Generalversammlung hat in der Vergangenheit nichts mehr getan, als einfach mit Applaus diesen Kandidaten dann abzusegnen.»

Ban Ki Moon am Uno-Flugzeug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In zwei Jahren nimmt Ban Ki Moon Abschied – doch seine Nachfolge auf dem UNO-Chefsessel wirft bereits Schatten voraus. Reuters

Weniger Dilettantismus

Die Schweiz und andere Länder fordern jetzt ein seriöseres, weniger dilettantisches Wahlverfahren. «Wenn man da Hearings veranstalten könnte mit den Kandidaten, etwas mehr Transparenz hineinbringen könnte, wäre das schon ein ziemlicher Fortschritt», meint Seger. Die Zeit sei reif, eine fast siebzigjährige unbefriedigende Praxis zu reformieren, fügt er hinzu: «Die Idee stösst auf viel Resonanz».

Unterstützung gibt es auch von Dutzenden grosser NGO wie Social Watch, Amnesty International oder dem Global Policy Forum. Auch sie verlangen ein neues Wahlverfahren und haben sich deshalb zur Koalition «Eine Person für sieben Milliarden Menschen» zusammengeschlossen. Sie wollen vor allem über soziale Netzwerke mobilisieren und so über die Öffentlichkeit in den UNO-Mitgliedstaaten Druck machen. Das ehrgeizige Ziel: Diesmal soll sich endlich mal der oder die Beste durchsetzen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Didier Burkhalters Kritik am UNO-Sicherheitsrat

    Aus Tagesschau vom 25.9.2014

    Bundespräsident Burkhalter eilt in New York von Termin zu Termin: Nach Treffen mit Barack Obama und Ban Ki Moon hielt Burkhalter eine Rede vor der UNO-Vollversammlung – und rief die Vereinten Nationendazu auf, jetzt wahrhaft als vereinte Nationen auftreten.

  • Eine bessere Welt dank UNO-Milleniumszielen?

    Aus Echo der Zeit vom 7.7.2014

    Bis 2015 wollte die Weltgemeinschaft die Armut in der Welt halbieren, Millionen Kinder Zugang zu Bildung verschaffn, den Hunger bekämpfen, sich für Frieden und Sicherheit engagieren. Einiges ist erreicht worden. Auf anderen Gebieten hingegen fällt die Bilanz ernüchternd aus.

    Fredy Gsteiger