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Amtseinführung in Washington «Donald Trump ist nicht beratungsresistent»

US-Präsident Donald Trump sei lernfähig und seiner Administration biete sich die Chance, aussenpolitische Fehler seit Ende des Kalten Krieges zu korrigieren. Das sagt der republikanische Politexperte Charles King Mallory IV im «Tagesgespräch».

Legende: Audio Im «Tagesgespräch»: Charles King Mallory IV über Donald Trump abspielen. Laufzeit 25:00 Minuten.
25 min, aus Rendez-vous vom 20.01.2017.

Die wichtigsten Aussagen

  • Die meisten Republikaner sind bereit, Donald Trump zu unterstützen.
  • Russland ist von den früheren US-Regierungen arrogant behandelt worden. Das könnte nun korrigiert werden, trotz Differenzen mit Russland.
  • Mitglieder der Trump-Administration aus der Privatwirtschaft werden neue Ideen einbringen und Trump wird auch auf sie hören.
  • Auch gesellschaftspolitisch könnten sie dabei helfen, die Wählerschaft mit der Wissensgesellschaft zu versöhnen.

Der Mann mit dem klingenden Namen Charles King Mallory IV war im Vorwahlkampf zu den Präsidentschaftswahlen Berater des Kandidaten John Kasich, dem republikanischen Gouverneur von Ohio. Der Politexperte sieht jedoch auch der Administration von Donald Trump positiv entgegen.

Donald Trump hat sehr fähige Berater - vorwiegend aus der Industrie - in seinem Kabinett. Sie kennen die Wirklichkeit und können der Politik neue Ideen vermitteln.
Autor: Charles King Mallory IVSicherheitsexperte der Rand Corporation

Er glaubt, die Mehrheit der Republikaner sei nun bereit, sich hinter den neuen Präsidenten zu stellen. Zwar werde es weiter eine Minderheit von «beleidigten Leberwürsten» geben, die es schwierig finden, sich mit dem Ergebnis abzufinden – auch im Kongress.

Legende: Video Washington bereitet sich auf Donald Trums Amtseinführung vor abspielen. Laufzeit 4:16 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.01.2017.

Diese Republikaner hätten auch einen wichtigen politischen Einfluss, meint King Mallory: Insbesondere im Senat brauche es nur ganz wenige Stimmen, um Initiativen von Donald Trump zum Scheitern zu bringen.

«Trump muss lernen»

Auf die Frage, ob er Trump mit seinen Wutausbrüchen eigentlich für zurechnungsfähig halte, meinte King Mallory, Trump habe «einen Riesenapparat», der ihn unterstützen werde. Trump werde lernen müssen, dass eine falsche Wortwahl auf Twitter verheerende Konsequenzen haben könne. Und das müsse angepasst werden.

Sachpolitisch glaubt King Mallory, dass mit Trump eine neue aussenpolitische Linie möglich werde. Seit dem Ende des Kalten Krieges habe die USA eine «Politik der Dominanz mit den USA als Hypermacht» verfolgt. Das habe sich nicht bewährt, meint King Mallory.

Er bezieht sich vor allem auf die Politik in Irak und Afghanistan. Die grösste Chance der Administration Trump sei es nun, einen anderen Kurs von realpolitsch kalkulierter Politik zu fahren.

Russland wurde arrogant behandelt

In Bezug auf Russland sieht King Mallory die Neuorientierung mit Trump ebenfalls als nötige Korrektur vergangener Fehler: Nach dem Kalten Krieg sei man in den 1990er Jahren im Westen sehr grob und unhöflich mit den Russen umgegangen. Man habe gesagt, sie seien weg vom Fenster, man könne jetzt machen, was man wolle.

Mit einem historischen Bewusstsein sei jedoch das Comeback von Russland als Grossmacht völlig klar gewesen. Deshalb bestehe nun mit Trump die Möglichkeit, die gemeinsamen Interessen besser auszuloten.

Dennoch sei offensichtlich, dass die Grundwerte und die Grundinteressen zwischen Russland und den USA unterschiedlich bleiben werden. Die Reibung zwischen diesen werde die Beziehung zwischen den Mächten auch in Zukunft prägen.

King Mallory glaubt nicht, dass Donald Trump «beratungsresistent» sei. Er beobachte, dass es diversen Leuten aus seinem Umfeld bisher schon gelungen sei, die Meinung des neuen Präsidenten zu ändern.

Vertraute können Denkmuster brechen

Besonders von den Trump-Leuten aus der Privatindustrie erwartet King viel. Diese würden vielleicht alte Denkmuster durchbrechen. Ihre «Unbefangenheit» sei für die USA darüber hinaus eine gute Sache. Als Beispiel nannte der Experte King den designierten Handelsminister Wilbur Ross, der genau wisse, um was es Unternehmen in der Praxis gehe.

Diese Quereinsteiger könnten Trump auch besser helfen, Strategien zu entwickeln, um die eigene Wählerschaft mit der modernen Wissensgesellschaft zu versöhnen. Dies sei die Schlüsselaufgabe von Donald Trump, dieser Gruppe der amerikanischen Gesellschaft Perspektiven zu öffnen. Und das sei eine kombinierte wirtschaftliche und strukturelle Aufgabe.

Charles King Mallory IV

Charles King Mallory IV

Der Sicherheitsexperte beim US-Think-Tank Rand Corporation war unter Präsident George W. Bush Berater im Aussenministerium. Lange galt der Republikaner als Neokonservativer. Doch schon als Direktor des Berliner Aspen-Instituts setzte er sich für einen ideologiefreien, transatlantischen Dialog ein.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    "Russland wurde arrogant behandelt" - das wäre unter HC nur noch schlimmer geworden. Schon alleine wegen der Entspannung, welche unter Trump möglich erscheint, ist es für die Welt eine Erleichterung, dass er und nicht Clinton gewählt wurde.
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  • Kommentar von B. Bucher (BBu)
    Mich würde interessieren, was all die unzähligen „Trump-Versteher und Versteherinnen“ hier sagen würden, wenn bei uns ein Bundesrat zur Wahl antreten würde, der öffentlich damit prahlt, dass er Frauen zwischen die Beine greifen könne oder auf dem Bundesplatz jemand erschiessen könne, ohne dass das negative Auswirkungen auf seine Wahl habe. Obama hatte Stil und Trump ist einfach nur vulgär.
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    1. Antwort von Michael Räumelt (Wirtschaftskanzlei)
      Wenn das wörtchen wenn nicht wär... Trump ist demokratisch zum 45. Präsidente gewählt worden, ob es jemand passt oder nicht... sogar Frauen haben ihn gewählt.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Man würde auch hier ab und zu staunen, wenn Uraltgeschichten ausgegraben würden über das Sexualleben und schlüpfrige Aussagen unserer Politiker. Interressiert dies? Will man es wissen? Ist doch besser, die Privatsphäre bleibt gewährt. Dass gewisse Kreise vor nichts zurückschreckten, um Trump zu schädigen, fäll mindestens so sehr auf diese zurück. Man sollte sich von solchen Machenschaften emotional nicht allzusehr manipulieren lassen.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    der geballte Hass in fast allen Kommentaren, bis auf wenige, ist fast unerträglich.i Ich traue Trump auch nicht, möchte aber keine Meinung im Voraus abgeben, ohne zu Erleben, wie er wirklich ist. Keiner kennt ihn richtig, wir vertrauen nur Medieberichten. Lasst ihn doch erst einmal Taten zeigen, die greibar sind, und dann erst verurteilen. Zumindest diese Chance muss man ihm geben.
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