- Der aus einer flachen Bucht vor der deutschen Ostseeküste geborgene Buckelwal soll nach Angaben der privaten Rettungsinitiative in der Nordsee freigelassen werden.
- Wo genau, stehe noch nicht fest, sagte ein Mitglied der Initiative, das den Schleppverband begleitet.
- Ob der Wal den Transport überstehen wird und ob er anschliessend wieder in Freiheit leben kann, ist nach Expertenansicht noch offen.
Das Tier soll zudem mit einem Sender ausgestattet werden. Dies sei aber noch nicht geschehen. Wer später Zugriff auf die Daten bekomme, konnte das Mitglied der Initiative zunächst nicht sagen.
Auf seiner Reise in Richtung Nordsee wird der Lastkahn mit dem gestrandeten Buckelwal an Bord nun von einem anderen Schiff weitergezogen. Die «Fortuna B» hat am Morgen vor 7 Uhr als Schleppfahrzeug übernommen. Am Dienstagabend hatte zunächst der Schlepper «Robin Hood» die Barge – also eine Art schwimmendes Becken – mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel übernommen. Anschliessend fuhr er samt dem mit Wasser gefüllten Lastkahn in die Wismarbucht und weiter hinaus auf die offene Ostsee.
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Bild 1 von 5. Mit einem Schleppverband wird der Wal in Richtung Nordsee transportiert. (29.4.2026). Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Philip Dulian.
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Bild 2 von 5. Am Dienstagnachmittag gelang es, den Wal auf den mit Wasser gefüllten Lastkahn zu bringen. Bildquelle: KEYSTONE / DPA, Stefan Sauer.
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Bild 3 von 5. Mit einem Schwimmbagger war eine rund 100 Meter lange Rinne im flachen Wasser ausgehoben worden, durch die der Wal in die Barge gelenkt werden konnte. (25.4.2026). Bildquelle: KEYSTONE / DPA, Philip Dulian.
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Bild 4 von 5. Zahlreiche Helferinnen und Helfer zogen den gestrandeten Buckelwal mit Gurten zu der Barge. Der Wal ist nun im Lastkahn angekommen. Bildquelle: Keystone / PHILIP DULIAN.
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Bild 5 von 5. Der Lastkahn ist absenkbar und kann so den Wal aufnehmen. Das Schiff soll den Wal dann Richtung Skagen zum Eingang der Nordsee bringen. Dafür sind etwa dreieinhalb Tage eingeplant. (26.4.2026). Bildquelle: KEYSTONE / DPA / Bodo Marks.
Laut dem Schiffsortungsdienst Vesselfinder befand sich der Verband gegen 11 Uhr nördlich von Fehmarn. Nach Plänen der privaten Initiative soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann freigelassen werden.
«Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen», sagte Umweltminister Till Backhaus im Hafen von Kirchdorf. Er gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint. Nach der Aktion fielen sich die Helfer der privaten Rettungsinitiative in die Arme, bei manchem rollt ebenfalls eine Träne der Erleichterung nach Wochen der Anspannung.
Überlebenschancen ungewiss
Doch damit ist das Überleben des Wals noch nicht gesichert: Experten des Meeresmuseums hatten vor dem Transport des Tiers gewarnt. «Der Allgemeinzustand des Wals hat sich weiter verschlechtert» und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie «ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden», erklärten die Forscher und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.
Die Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC erklärte: «In freier Natur sind Wale keine Situationen gewohnt, in denen sie eingesperrt sind. Am wahrscheinlichsten ist, dass die ungewohnte Situation einen Wal zusätzlich in Stress, möglicherweise auch in Panik versetzen würde.» Dies gelte insbesondere, da der Wal nicht seinem natürlichen Fluchtinstinkt nachkommen könne.
Backhaus hatte Mitte April trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft entschieden, die Versuche der privaten Initiative zu dulden. Sie wird neben der Unternehmerin Karin Walter-Mommert vom Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. Die Initiative hat den Lastkahn herangeschafft, um den Wal damit in die Nordsee zu bringen.