Dritter Attentäter von Brüssel offenbar in Haft

Nach den Anschlägen in Brüssel sitzt der dritte Flughafen-Attentäter möglicherweise bereits in Haft: Gemäss einem Zeitungsbericht handelt es sich dabei um den am Donnerstag festgenommenen Fayçal Cheffou. Offiziell wurde diese Darstellung als Hypothese bezeichnet.

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Dritter Attentäter möglicherweise in Haft

4:38 min, aus Tagesschau vom 26.3.2016

Vier Tage nach den Anschlägen in Brüssel hat die belgische Bundesanwaltschaft drei Männer der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten beschuldigt. Einem Mann namens Fayçal Cheffou würden die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, terroristische Morde und versuchte Morde zur Last gelegt, teilten die Ermittler in Brüssel mit.

Bei Cheffou handelt es sich nach Medienberichten um den gesuchten dritten mutmasslichen Attentäter vom Flughafen. Dieser hatte seinen Sprengsatz nicht gezündet und war zunächst entkommen. Auf dem Bild der Überwachungskamera ist der Verdächtige in der Flughafenhalle rechts von den beiden Selbstmordattentätern Najim Laachraoui (24) und Ibrahim El Bakraoui (29) mit weisser Jacke und schwarzem Hut zu sehen.

Der Zeitung «Le Soir» zufolge wurde Cheffou von dem Taxi-Fahrer wiedererkannt, der die drei Männer zum Flughafen gefahren habe.

Identität des dritten Attentäters noch nicht bestätigt

Cheffou wäre demnach in Polizeigewahrsam. Belgische Ermittler hatten am Freitag mitgeteilt, er sei einer von drei Männern, die am Donnerstag in der Nähe des schwerbewachten Gebäudes des Generalstaatsanwaltes festgenommen worden seien. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung wurden nach Angaben der Staatsanwaltschat keine Waffen oder Sprengsätze gefunden.

Einschätzungen von SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck

2:38 min, aus Tagesschau vom 26.3.2016

Gemäss SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck war Fayçal Cheffou als freier Journalist und muslimischer Aktivist tätig. «Er soll offenbar auch versucht haben, Flüchtlinge als Terroristen zu rekrutieren», sagt Ramspeck weiter. Bisher ist noch unklar, ob es sich bei Cheffou tatsächlich um den dritten Attentäter handelt. «Nun wollen die Behörden weitere Tests abwarten. Fingerabdrücke sollen verglichen und DNA-Tests ausgewertet werden. Erst dann kann zweifelsfrei festgestellt werden, ob es sich um einen Fahndungserfolg handelt.»

Zwei weitere Haftbefehle

Neben Cheffou wurde auch Haftbefehl gegen den Verdächtigen Rabah N. wegen Beteiligung an terroristischen Handlungen erlassen. Der am Donnerstag in Brüssel festgenommene Aboubakar A. werde ebenfalls beschuldigt, einer «terroristischen Gruppe» anzugehören.

Der bei einem Polizeieinsatz im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek angeschossene Abderamane A. bleibt den Angaben zufolge in Untersuchungshaft. Ein weiterer Verdächtiger wurde nach einem Verhör wieder auf freien Fuss gesetzt.

Porträt von Saleh Abdeslam. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Abdeslam relativiert laut einem Zeitungsbericht seine Rolle bei den Anschlägen von Paris. Keystone

Abdeslam will sich nicht äussern

Unterdessen schweigt der Hauptverdächtige der Terroranschläge von Paris Salah Abdeslam, der seit Freitag vor einer Woche in Haft ist. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass er unmittelbar nach den Anschlägen am Dienstag verhört wurde, aber nichts gesagt habe.

Der 26-Jährige war den bisherigen Ermittlungen zufolge an den Pariser Anschlägen mit 130 Toten beteiligt und stand auch in Kontakt zu Mitgliedern der Terrorzelle, die am Dienstag die Selbstmordattentate am Brüsseler Flughafen und in einer Metro verübte. Zu den Anschlägen hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Nach einem Bericht der französischen Zeitung «Le Monde» hat Abdeslam bei einer Vernehmung am Tag nach seiner Festnahme seine Rolle im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen relativiert. Danach bezeichnete er den wenige Tage später bei einem Polizeieinsatz getöteten Abdelhamid Abaaoud als Planer der Anschläge.

«Es ist Abaaoud. Ich weiss das durch meinen Bruder Brahim. Er ist es, der mir gesagt hat, dass Abaaoud der Verantwortliche war», sagte Abdeslam laut der Zeitung, die sich auf das Protokoll der Befragung beruft. Die Staatsanwaltschaft in Brüssel wollte den Bericht auf Anfrage nicht bestätigen oder kommentieren.

Die Opfer der Anschläge

Die Zahlen zeigen das Ausmass des Schreckens: Insgesamt 2449 Personen waren nach jüngsten Angaben des belgischen nationalen Krisenzentrums von den Brüsseler Anschlägen vom Dienstag betroffen, viele davon stehen unter Schock. Es gibt 340 Verletzte. Von diesen waren 101 Personen am Samstag noch im Krankenhaus, darunter 62 auf der Intensivstation. 32 Menschen wurden in einem Spezialzentrum für schwere Verbrennungen versorgt. Die Verletzten kommen insgesamt aus 19 Ländern sowie Belgien.31 Menschen kamen bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in der U-Bahn ums Leben, darunter die drei Selbstmordattentäter. Von den 28 unschuldigen Opfern wurden bisher 24 identifiziert – 14 am Flughafen, 10 an der Metrostation Maelbeek. 13 der Toten waren Belgier, 11 kamen aus insgesamt acht verschiedenen anderen Ländern.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Verhaftungen von Terrorverdächtigen

    Aus Tagesschau vom 25.3.2016

    Bei zahlreichen Anti-Terror-Razzien in Belgien, Frankreich und Deutschland sind über ein Dutzend Verdächtige verhaftet worden. Mit Informationen zu den Festgenommenen bleiben die Ermittler bis anhin zurückhaltend.