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Erfolgreiche Berufsbildung für Unterprivilegierte in Bolivien
Aus Rendez-vous vom 06.01.2020.
abspielen. Laufzeit 05:03 Minuten.
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Duale Bildung in Bolivien Mit einer Lehre aus der Armut

Ex-Präsident Evo Morales setzte sich dafür ein, dass Leute aus der Unterschicht eine Berufslehre machen können – mit Schweizer Hilfe.

Instituto Ayacucho heisst eine der magischen Adressen in La Paz. Magisch deshalb, weil der Ansturm von ausbildungswilligen jungen Leuten so gross ist, dass es nicht mehr ohne Zulassungsprüfung geht. Besonders Frauen würden gefördert, sagt der Leiter des Instituts. «Wenn sich eine junge Frau zum Beispiel zur Mechanikerin ausbilden lassen will, dann erlassen wir ihr die Schulgebühren, das sind umgerechnet 60 Franken pro Jahr», erklärt er.

Die jungen Bolivianerinnen zeigen Interesse an Berufen, die im Hochland bislang eine Männerdomäne sind. «Pass die Geschwindigkeit an!», rät ein Ausbildner in der Werkstatt einer jungen Lehrtochter. Sie arbeitet am Schweissgerät, konzentriert und stumm. Hinter der Schutzmaske ist sie als Frau einzig am langen schwarzen Pferdeschwanz zu erkennen.

Fast das Siebenfache des Mindestlohns

Sie legt eine Zwischenprüfung ab. Dafür muss sie zwei Metallstücke mit einer sauberen Naht vereinen. Der Lehrmeister ist zufrieden: «Die ersten hier ausgebildeten Schweisser haben sofort Arbeit gefunden – zu guten Löhnen.» Mit umgerechnet etwa 2000 Franken monatlich verdienen sie weit mehr als der Ausbildner selbst und auch viel mehr als angelernte Arbeitskräfte. Die müssten mit dem Mindestlohn vorlieb nehmen; rund 300 Franken im Monat.

Auch Vanessa steht kurz vor dem Sprung ins Berufsleben. Sie finanziert ihre Ausbildung selbst. Tagsüber als Verkäuferin tätig, belegt sie Abendkurse als Industriemechanikerin. Praktika bei Partnerunternehmen des Instituts wechseln sich ab mit der Theorie. Sie möchte nach dem Abschluss ihre eigene Firma gründen: «Im Unterricht lernen wir neben dem Fachlichen auch Betriebswirtschaft, sodass ich mich fit fühle für einen kleinen Eigenbetrieb.»

Schweiz zieht sich aus dem Projekt zurück

Es geht aber nicht nur um Mechaniker und Schweisserinnen. Junge Bolivianerinnen und Bolivianer können auch in Gastronomie, Landwirtschaft oder Tourismus Lehrabschlüsse machen und vorankommen im Leben.

Das Berufsbildungsmodell gibt es seit 2006. Mehrere 10'000 junge Leute wurden seither ausgebildet. Die Schweiz gibt finanzielle Zuschüsse und steuert ihr Know-how in der Lehrlingsausbildung bei. Momentan plant sie aber den sanften Ausstieg. Danach geht die Berufsbildung ganz in bolivianische Hände über. Denn Lateinamerika soll in Zukunft nicht mehr zu den Prioritäten der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit gehören.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Reber  (kokolorix)
    Das ist jetzt aber ein sehr unglücklicher Zeitpunkt um die Begleitung des Projekts einzustellen. Die kommende neoliberale Regierung wird dieses Projekt sofort einstampfen. An selbstbewussten, kompetenten Arbeitern sind die überhaupt nicht interessiert
  • Kommentar von Ste Brand  (Steph Brand)
    Schade um Morales... es ist offensichtlich, dass die CIA mächtig mitgemischt hat, um ihn von der Bildfläche verschwinden zu lassen. In Bolivien gibt es Ressourcen zu holen.
    1. Antwort von marc rist  (mcrist)
      Die bolivianische Verfassung erlaubt eine Wiederwahl. Das wusste auch Evo Morales, als er sein Amt im Januar 2006 antrat. Es wäre an ihm gelegen, eine/n valable/n Nachfolger/in aufzubauen. Zeit dazu hatte.
    2. Antwort von Simon Reber  (kokolorix)
      Morales wurde von Macht und Geld korrumpiert. Dass er sich über die Verfassung und den Wählerwillen hinwegsetzte kann definitiv nicht der CIA angelastet werden. Dass diese glücklich über den Machtwechsel ist aber bestimmt wahr
  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    "Berufslehre ... mit Schweizer Hilfe" Anhand solcher Beispiele zeigt sich, dass unser Land, die Leute hier besseres zu exportieren haben als Waffen ... Besinnen wir uns, was wir als Mehrwert und nicht als Vernichtungs-und Zerstörungswert als Nation, weltweit beitragen können ... da gibt es so Einiges was die Schweiz, die SchweizerInnen beisteuern können.