Der Unterschied zwischen Bidens und Trumps Oval Office ist frappant – und sagt laut US-Korrespondentin Barbara Colpi viel über den aktuellen US-Präsidenten aus.
«Donald Trump nutzt die vergoldete Kamin-Ansicht im Oval Office als Bühne, um Reichtum, Dominanz und Ausnahme-Status sichtbar zu inszenieren, sowohl für Gäste im Raum als auch fürs TV-Bild. Stilexperten lesen Trumps Gold-Fixierung als Bedürfnis nach Bewunderung. Luxus soll politische Kompetenz, Stärke und Erfolg beweisen.»
Trump bricht mit Traditionen
Kritische Stimmen sehen in Trumps Oval Office einen visuellen Beleg für Narzissmus und Kitsch. Trump bricht auch mit der Tradition des Efeus, das seit Mitte des 20. Jahrhunderts den Kamin geziert hat. Eine Anekdote schreibt die Pflanze John F. Kennedy zu, der sie als Geschenk vom irischen Botschafter erhalten hatte. Kennedy-Archivare konnten dies jedoch nicht bestätigen. Fotos zeigen die Pflanze erst ab Gerald Fords Präsidentschaft (1974–1977).
«Jede Regierung behielt die Pflanze bei, bis Donald Trump kam und sie durch goldene Trophäen ersetzte», so Barbara Colpi.
Während Biden die Wände des Oval Office mit sechs Bildern schmückte und Obama mit zwei, stellt Trump 20 Porträts aus. Zumeist handelt es sich dabei um frühere Präsidenten, darunter Ronald Reagan und Andrew Jackson, Figuren, die er als Vorbilder für starke Führung feiert, sagt Barbara Colpi:
«Trump sieht sich als Reinkarnation dieser Ikonen: Wie Jackson als ‹Volk-Präsident› gegen das Washington-Establishment, positioniert er sich als Aussenseiter; Reagans charismatischer Anti-Kommunismus spiegelt Trumps ‹America First›. Die Präsenz signalisiert Kontinuität mit ‹grossen› Republikanern und rechtfertigt seine Politik als historisch fundiert. Trump soll die Bilder persönlich ausgewählt haben inklusive der Rahmen-Details, was seine Kontrolle über Narrative zeigt.»
Goldene Geschenke aller Art
Immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt haben auch die zahlreichen goldenen Geschenke, welche Trump im Oval Office präsentiert.
«Sie sind mehr als nur Dekoration. Der FIFA-Pokal von Gianni Infantino, die Rolex-Uhr der Schweizer Wirtschaftsvertreter, Tim Cooks 24-Karat-Goldplakette oder die goldene Adlerfigur sind Trumps persönliche Trophäensammlung und verkörpern dessen Hunger nach sichtbarem Erfolg und Dominanz», so US-Korrespondentin Barbara Colpi.
Im Kontrast zur republikanischen Tradition des schlichten Schreibtisches zeigen sie einen Maximalisten, der Macht nicht durch Worte, sondern durch glänzende Symbole kommuniziert.
«Die Besucher passen ihre Geschenke an Trumps Gold-Fetisch an, um Zugang, Deals oder Gunst zu sichern», so Colpi. «Die Praxis erinnert an feudale Höfe: Vasallen brachten Gold und Symbole (Schlüssel, Pokale), um den Souverän zu ehren, Privilegien zu erlangen und Loyalität zu signalisieren. Kritische Stimmen sehen darin eine Unterwerfung vor einem «König Trump».
Umgestaltung auch ausserhalb des Oval Office
Auch vor dem Badezimmer des Oval Office machte Trump nicht Halt und liess den «Lincoln Bathroom» renovieren. Er fand, der teure Marmor in schwarz und weiss passe viel besser zur Lincoln-Ära als das grüne Art-Déco-Design aus den 1940er-Jahren.
Symbol der Trumpschen Selbstdarstellung ist die Umgestaltung des «Oval Office Study», einem kleinen Studierzimmer direkt beim Oval Office. Er nutzt ihn als Showroom für Trump-Fanartikel und präsentiert ihn fast nur bei Besuchen ausländischer Staatsleute, denen er den Raum stolz zeigt.
Umgestaltung im Oval Office ist nichts neues
Donald Trumps Änderungen im Oval Office sind legitim und nicht ungewöhnlich. US-Präsidenten verleihen dem Büro während ihrer Amtsperiode gerne eine eigene Note – oft mit der Hilfe von hausinternen und externen Innendesignern.
Der grosse Unterschied zu seinen Vorgängern, so US-Korrespondentin Barbara Colpi, sei, wie Trump das Oval Office definiert:
«Das Weisse Haus wird traditionell als ‹Haus des Volkes› (People's House) bezeichnet, ein Name, der seine Rolle als zugängliches Symbol der Demokratie und Residenz aller Präsidenten seit John Adams unterstreicht.
Dieser Übername betont Bescheidenheit und Gemeinsamkeit und steht im Gegensatz zu monarchischen Palästen. Donald Trumps ‹Golden Office› zeigt aber, dass er wohl lieber in einem Schloss mit einem goldenen Thronsaal wohnen möchte. Und so versucht er auch zu regieren.»