Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Polen: «So schlimm wie bei den Kurskis ist es nicht.» (Archivbild) abspielen. Laufzeit 02:56 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.08.2019.
Inhalt

Ein Linker und ein Rechter Zwei ungleiche Brüder als Symbol für Polens Gespaltenheit

Polen ist politisch ein tief zerstrittenes Land. Nichts illustriert dies besser als die Familiengeschichte der Kurskis.

Wenn etwas in Polen verfahren ist, dann tröstet man sich mit den Kurski-Brüdern, verpackt in einer Redewendung: «So schlimm wie ein Familienfest im Hause Kurski, so schlimm ist es bei mir noch nicht.»

Die Gebrüder Jacek und Jaroslaw Kurski sind ein verdichtetes Abbild Polens. Jacek ist konservativ und Anhänger der Regierungspartei PiS sowie Chef des Staatsfernsehens. Dieses ist unter ihm zum Sender der Regierung geworden. Die Konservativen erhalten die meiste Sendezeit und haben immer recht. Über 200 Journalisten, die Ausgeglichenheit wollten, wurden entlassen oder haben gekündigt.

Kontakt abgebrochen

Jaroslaw ist der ältere der Kurski-Brüder. Er ist ein linksliberaler Vordenker der wichtigsten Zeitung der Regierungsgegner, der «Gazeta Wyborcza». In deren Spalten ist oft die Hölle los. Die Regierung sei unfähig, zerfressen von Skandalen, am Ende.

Die Kurski-Brüder reden seit Jahren nicht mehr miteinander. Übereinander reden sie meistens indirekt. Als Jacek als Chef des Staatsfernsehens bestätigt wurde, demonstrierte Jaroslaw mit vielen anderen vor dem Fernsehstudio für Redefreiheit. Das will auch Jacek, sagt er. Er schütze das öffentliche Fernsehen vor den Machenschaften der Politik.

Früher kämpften sie für das Gleiche

Der Liberale Jaroslaw findet, die Demokratie sei in Polen in Gefahr. Der Konservative Jacek hingegen freut sich über den Erfolg der Partei PiS. In Polen habe ein guter Wandel begonnen. Früher kämpften beide Brüder für dasselbe, für Demokratie und gegen den Kommunismus. Sie waren aber schon damals verschieden. Jaroslaw schrieb in seinem Zimmer verbotene antikommunistische Artikel.

Aus Jaceks Zimmer hörte man Mädchenlachen. Bald trennten sie mehr als Zimmertüren, bald lagen Welten zwischen den Konservativen und den Liberalen in Polen.

Eine Umarmung für die tote Mutter

Heute hat es schwer, wer der Regierung nicht passt, zum Beispiel Frauen, die abtreiben wollen. Oder Richter und UnternehmerInnen, die anderer Meinung sind. Die Mutter der Brüder hatte gegen die Nazis gekämpft. Über ihre Söhne, sagte sie einmal, wolle sie nicht sprechen, das sei zu schmerzhaft.

Als sie 2016 starb, umarmten sich die Kurski-Brüder an ihrem Grab. Dieses Bild rührte damals ganz Polen, so, als würde sich das Land nach Versöhnung sehnen. Danach sieht es allerdings vor den Wahlen diesen Herbst nicht aus.

Legende: Video Aus dem Archiv: Kurski wird 2016 Chef des Staatsfernsehens abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.01.2016.
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Die Gesinnung und das Andersdenken gehört zu jeder Demokratie. Einheitsdenkten gehört zur Despotie und zeichnet vor allem Diktatoren-Systeme aus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von C. Gustavs  (C.Gustavs)
      Ja, aber wenn dann diese unterschiedlichen Gesinnungen nicht mehr miteinander reden, nicht mehr kompromissbereit sind, wenn sie nicht mehr bereit sind aufeinander zuzugehen - dann ist die Demokratie gestorben. Deshalb ist es wichtig, dass auch diesen Herbst aus allen Parteien Politiker gewählt werden, welche zwar ein klares Profil und eine klare Meinung haben, aber die auch bereit sind, Lösungen zu finden und miteinander zu reden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Das kommt davon, wenn anderen Meinungen sofort mit Hass und
      Beleidigungen gegenüber getreten wird. Das fängt im täglichen Leben
      des Miteinander schon an, wie soll es dann in der grossen Politik
      funktionieren ?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen