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«Ein schwerer Skandal» Papst hat acht irische Missbrauchsopfer getroffen

Legende: Video Der Papst besucht Irland abspielen. Laufzeit 01:42 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.08.2018.
  • Der Papst hat bei seinem Besuch in Irland acht Missbrauchsopfer getroffen.
  • Diese acht Personen waren von Mitgliedern des Klerus, Mönchen und Vertretern der katholischen Institutionen missbraucht worden.
  • Franziskus war am Samstagmorgen zu einem zweitägigen Besuch in dem katholischen Land eingetroffen.
  • Anlass des Papstbesuchs ist der Abschluss des katholischen Weltfamilientreffens in Dublin.

Unter den Missbrauchsopfern war das ehemalige Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, Marie Collins. Sie war vergangenes Jahr nach eigenen Angaben aus Frustration über mangelnde Kooperation der vatikanischen Behörden aus dem Gremium ausgetreten.

Die Missbrauchsskandale haben der einstmals mächtigen katholischen Kirche in Irland einen dramatischen Vertrauensverlust beschert. Papst Franziskus hatte zuvor den Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche verurteilt.

«Versäumt, mit Verbrechen angemessen umzugehen»

Er könne nicht umhin, «den schweren Skandal anzuerkennen, der in Irland durch den Missbrauch von Minderjährigen durch Mitglieder der Kirche verursacht wurde», sagte das katholische Kirchenoberhaupt bei seiner ersten Rede in Dublin.

Der Pontifex beklagte, dass kirchliche Autoritäten versäumt hätten, «mit diesen abscheulichen Verbrechen angemessen umzugehen». Er warnte aber auch davor, die positive Rolle der Kirche zu vergessen: «Die Kirche in Irland hat in der Vergangenheit und in der Gegenwart eine Rolle bei der Förderung des Wohlergehens von Kindern gespielt, die nicht verdunkelt werden darf.»

Legende: Video «Ich teile die Gefühle» (ital. Originalton) abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus News-Clip vom 25.08.2018.

Kritiker haben aus Protest gegen die Missbrauchsaffären zum Boykott der Papstmesse aufgerufen und eine Gegenveranstaltung im Stadtzentrum von Dublin angekündigt.

Regierungschef fordert Taten

Regierungschef Leo Varadkar rief Franziskus dazu auf, seinen Einfluss zu nutzen, um für «Gerechtigkeit und Wahrheit» in den Missbrauchsfällen der katholischen Kirche in Irland und weltweit zu sorgen.

Den Worten müssten Taten folgen. Die Wunden seien noch immer offen. «Wir bitten Sie, den Opfern und Überlebenden zuzuhören. Wir wissen, Sie werden das tun.» Gleichzeitig sprach er von einer «gemeinsamen Geschichte von Leid und Schande», in der auch der irische Staat eine unrühmliche Rolle gespielt habe.

Es werden konkrete Schritte gefordert

Trotz der klaren Worte scheint es fraglich, ob es Franziskus gelingen wird, die grossen Ressentiments in Teilen der irischen Bevölkerung zu überwinden. Viele Iren verlangen konkrete Schritte, um Missbrauch zu verhindern und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Irland gehört zu jenen Staaten, in denen Priester und Ordensschwestern massiv Kinder und Frauen missbrauchten und misshandelten.

Letzter Papstbesuch vor 40 Jahren

Der letzte Besuch eines Papstes in Irland liegt schon beinahe 40 Jahre zurück. Johannes Paul II. wurde 1979 unter grossem Jubel empfangen. Damals war die katholische Kirche dort noch weitgehend unumstritten – der grösste Teil der Bevölkerung ging noch regelmässig am Sonntag in die Kirche. Noch immer bekennen sich viele Iren zum katholischen Glauben, doch das Land hat sich grundlegend verändert.

Erst im vergangenen Mai stimmten die Iren für eine Lockerung des strengen Abtreibungsverbots. Im Jahr 2015 führte Irland als erstes Land der Welt per Volksentscheid die Homo-Ehe ein.

Varadkar, der sich offen zu seiner Beziehung mit einem Mann bekennt, sagte kurz vor dem Papstbesuch, er sei froh, dass die katholische Kirche nicht mehr so viel Einfluss in Irland habe.

Treffen mit Obdachlosen

Im Beisein des Papstes warb er für ein «neues Kapitel» in der Beziehung zwischen seinem Land und der katholischen Kirche, bei der die Kirche zwar nicht mehr im Zentrum der Gesellschaft stehe, aber weiterhin eine «wichtige Rolle» habe.

Nach seiner Rede vor Regierungsvertretern und Würdenträgern am Samstag setzte der Pontifex seinen Besuch fort. Auf dem Programm standen unter anderem ein Treffen mit Obdachlosen und eine Feier mit Familien im Croke-Park-Stadion in Dublin.

Am Sonntagmorgen wollte Franziskus den Wallfahrtsort Knock im Westen Irlands besuchen. Am Nachmittag ist eine Messe unter freiem Himmel in Dublin geplant. Dazu werden Hunderttausende Gläubige erwartet. Zeitgleich sind aber auch Mahnwachen für die Opfer von Missbrauch in kirchlichen Institutionen angekündigt.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Denke wieder mal an das, was ich vor etwa zwei Wochen zu diesem Thema schrieb. Eine grosse nationale Demo mit Nachahmern in anderen Ländern würde vielleicht den Vatikan aus seinem selbstgefälligen Schlaf reissen...
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Sehr schönes Bild vom Papst. Er soll sich ganz verstecken und nachdenken, wir er konkret gegen seine Bischöfe vorgeht.
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Wenn ich Missbrauchsopfer wäre, würde ich den Papst weder begrüssen noch sehen wollen! Für was auch? Eine Entschuldigung? Beichten und Entschuldigungen sind in solchen Fällen völlig respektlos und unanständig, nur eine rigorose und kompromisslose Strafverfolgung ist in solchen Fällen die einzige glaubwürdige und korrekte Handlung.
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    1. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      An Herr Balli: Eine Entschuldigung ist nie respektlos und unanständig wenn sie ernst gemeint ist. Geistliche die andere Menschen missbraucht haben sollten ohne Wenn und Aber aus der Kirche geworfen werden und der Justiz überstellt werden. Das wäre ein konsequentes Handeln. Weiter sollte die katholische Kirche das Zölibat ernsthaft diskutieren und die Vertuschung von Missbrauch hart bestrafen.
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