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Aussenminister Gabriel: «Enttäuschend, unnötig und unangemessen»
Aus News-Clip vom 28.02.2017.
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Deutsch-türkische Beziehung «Ein sehr tiefer Tiefpunkt»

  • Der deutsche Journalist Deniz Yücel wurde in der Türkei verhaftet.
  • In Deutschland führt das zu wütenden Reaktionen.
  • Die deutsch-türkischen Beziehungen sind getrübt.

SRF News: Wie hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Deniz Yücels Verhaftung reagiert?

Peter Voegeli: Merkel nannte den Entscheid bitter und sagte, sie werde sich für eine rechtsstaatliche Behandlung von Yücel einsetzen. Sie hoffe auf eine baldige Freilassung. Auffällig daran: Für ihre Verhältnisse hat Merkel ungewöhnlich schnell reagiert und sie hat ein Versprechen abgegeben. Das sind aber vorerst nur Worte. In Zeiten von Trump und Erdogan-Rhetorik klingen sie relativ vorsichtig.

Was sagt die türkische Gemeinde in Deutschland?

Die Mehrheit von der Türken in Deutschland sind Erdogan-Anhänger. Sie heissen das Vorgehen der türkischen Staatsanwaltschaft gut. Yücel ist für sie ein Aktivist und nicht ein Journalist.

Ich wünsche mir, dass die Türken in Deutschland auch mal die Stimme erheben und Solidarität mit Yücel zeigen – auch die, die Erdogan eigentlich für einen interessanten politischen Führer halten.
Autor: Ulf PoschardtChefredaktor «Die Welt»

Was können deutsche Politiker im Fall Yücel sonst tun?

Wenn sie überhaupt etwas tun können, dann muss es politischer Druck hinter den Kulissen sein. Die türkische Politik wird sagen, es sei ein Fall für die Justiz. Da kann Bundeskanzlerin Merkel nicht viel dagegen sagen.

Die türkische Führung muss wissen, dass das nicht irgend ein Fall ist. Wir werden uns mit allen Möglichkeiten für Deniz Yücel einsetzen, die uns rechtlich und politisch zur Verfügung stehen.
Autor: Nils AnnenAussenpolitischer Sprecher der SPD

Möglich wäre es auch, einen für März geplanten Auftritt von Präsident Erdogan in Deutschland zu verbieten. Das wäre aber juristisch sehr schwierig und würde die Erdogan-nahen Türken, die ohnehin nur türkische Medien konsumieren, noch stärker in dessen Arme treiben. Merkel hat Erdogan zudem schon früher in Deutschland auftreten lassen. Die Geister, die sie damals rief, wird sie jetzt nicht mehr los.

Ist das ein neuer Tiefpunkt in der Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei?

Ganz klar, sogar ein sehr tiefer Tiefpunkt. Die türkische Gemeinde ist aufgeheizt und gespalten. Die Medien berichteten über Vorwürfe von Spionage in Deutschland gegen Türken mit deutschem Pass. Schon das hat zu einer angespannten Beziehung geführt. Mit Yücel geht es jetzt sogar um einen Journalisten, der einen deutschen Pass hat, für eine deutsche Zeitung schreibt und wegen seiner Arbeit verhaftet wurde. Das wird das Thema in der Öffentlichkeit weiter aufheizen.

Peter Voegeli

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Peter Voegeli

Peter Voegeli ist seit Sommer 2015 SRF-Korrespondent in Deutschland. Er arbeitet seit 2005 für Radio SRF, zunächst als USA-Korrespondent, danach als Moderator beim «Echo der Zeit».

Beziehungstest beider Länder

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Aussenminister Sigmar Gabriel sieht die deutsch-türkischen Beziehungen durch die Inhaftierung Yücels massiv belastet. Das Verhältnis beider Länder «steht gerade vor einer der grössten Belastungsproben in der Gegenwart», sagte er. Zudem hat Gabriel den türkischen Botschafter nach dpa-Informationen zu einem Gespräch ins Auswärtige Amt gebeten.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler  ((Bühli))
    Tatsächlich macht Erdogan in Deutschland und auf Kosten Deutschlands Wahlkampf. Da wirkt Herrn Gabriels Heuchelei lächerlich. Niemand kann zwei Herren (Staaten) dienen. Insofern ist Deutschland an dem Problem sicher selbst schuld, wenn es jedem Zugelaufenen seine Staatsbürgerschaft verschenkt und die Kanzlerin öffentlich zur Massenmigration aufrufen darf.
    1. Antwort von Michael Räumelt  (MRäumelt)
      Bühler, dazu kommt noch das die Grünen für jedes geborene Kind die deutsche Staatsbürgerschaft garantieren will. Ein Gesetzvorschlag hierzu liegt bereits vor.Das wird dann Spassig wenn rot-rot grün regiert.
  • Kommentar von Michael Räumelt  (MRäumelt)
    Eines ist unbestritten Merkel ist zu "Sultan Erdogans Lieblingsfrau" an seinem Hofe geworden,nachdem sie beim letzten Besuch auf den Thron sitzen durfte.
    1. Antwort von D. Schmidel  (D. Schmidel)
      @Räumelt, ich kann Sie begreifen. Von russischem Boden aus kann man die Dinge einfach nicht klar sehen. Die Verzweiflungstaten von Erdogan sind wie ein Hilfeschrei Richtung Deutschland. Die Hilfe wird nicht kommen und für die Türken wird es sehr bitter werden.
    2. Antwort von Michael Räumelt  (MRäumelt)
      Schmidel,Sie Irren gewaltig, von den geforderten sowie vereinbarten 3 Milliarden Euro hat er bereits bis Mitte Juli 2016 über 105 Millionen als Hilfe bekommen.Die Verzweiflungstaten kommen eher aus Berlin und Brüssel und nicht von Erdogan und es wird bitter für Deutschland werden.
    3. Antwort von Marie-Luise Reck  (remalu)
      D. Schmidel wen man dem, Glauben schenken darf was beim TV-Sender Phönix eingeblendet wird, " Schulze will die Türkei in die EU bringen " dann weiss man wohin die Reise geht.
  • Kommentar von Werner Christmann  (chrischi1)
    Es wird sehr spannend. Erdogan hat im März einen Wahlkampfauftritt für Deutsch-Türken in Nordrhein-Westfalen geplant. Eigentlich ein absolutes no-go, besonders in der heutigen Situation. Dies könnte nur verhindert werden, wenn die BR die Einreise Erdogans untersagt oder Nordrhein-Westfalen den Auftritt verbietet. Ich bin gespannt wie Merkel aus diesem Dilemma rauskommt.
    1. Antwort von Michael Räumelt  (MRäumelt)
      Erdogan gewinnt offensichtlich immer mehr an Einflussnahme in der BRD.Bemerkenswert ist es jubeln ihm (über 10.000 tausende) zu... davon kann Merkel nur träumen.