Ein Sieg für «Kaiser Milo»

Die Einladung der Nato an Montenegro zum Bündnis-Beitritt stärkt die Position von Ministerpräsident Djukanovic. Er fährt seit 25 Jahren einen Westkurs und möchte das Land auch in die EU führen. Doch der Mann ist nicht unumstritten.

Nahaufnahme von Djukanovic in einem Anzug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der 53-jährige Djukanovic, «Kaiser Milo», prägt die Politik Montenegros seit 25 Jahren. Imago

SRF News: Weshalb bedeutet die Einladung der Nato für Montenegros MInisterpräsidenten Milo Djukanovic einen politischen Sieg?

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Walter Müller

Walter Müller

Walter Müller war von 1995 bis 2001 Produzent beim «Echo der Zeit». Danach bis zu seiner Pensionierung 2015 Südosteuropa-Korrespondent auf dem Balkan. Seither berichtet Müller für Radio SRF als freier Mitarbeiter aus der serbischen Hauptstadt Belgrad.

Walter Müller: Djukanovic will sein Land in die EU und in die Nato führen. Die Beitrittsverhandlungen mit Brüssel sind bereits im Gange und nun wird sein Land auch vom Militärbündnis zum Beitritt eingeladen. Aus der Sicht Djukanovics beweist das einmal mehr, dass er der Stärkste im Land ist, während die Opposition chancenlos bleibt. Kein Wunder, wird er in Montenegro «Kaiser Milo» genannt.

Welche Vorteile soll ein Nato-Beitritt aus Sicht von Djukanovic und seinen Kreisen Montenegro bringen?

Sicherheit, Stabilität und ein gutes Geschäftsklima. Montenegro verfügt über eine Armee mit nur gerade 2000 Mann, deshalb bedeutet die Einbindung in das Militärbündnis in erster Linie Sicherheit. Für Djukanovic persönlich heisst das zudem, dass er von den westlichen Staaten als Gesprächspartner anerkannt wird – egal, wie sein Ruf im eigenen Land ist.

Montenegro ist innenpolitisch gespalten, die starke Opposition ist gegen einen Nato-Beitritt des Landes. Weshalb?

Befürworter und Gegner eines Nato-Beitritts halten sich in Montenegro in etwa die Waage. Vor allem der serbische Teil der Opposition stellt sich vehement dagegen. Sie erinnert sich immer noch daran, dass die Nato im Zuge des Kosovo-Krieges auch Montenegro bombardiert hat. Zudem fühlt sich die Opposition mit Russland verbunden und sieht einen Nato-Beitritt als gegen Moskau gerichtet.

«  Die Beziehungen zwischen Montenegro und Russland sind in einer Krise. »

Was sagt denn Russland dazu, dass Montenegro von der Nato zu einem Beitritt eingeladen wird?

Das ist für Moskau eine riesige Provokation. Russland sieht dadurch das strategische Ost-West-Gleichgewicht gefährdet. Auch ist Russland ein alter Verbündeter Montenegros, viele Russen verbringen ihre Ferien an den montenegrinischen Küsten. Russische Geschäftsleute haben in den letzten zehn Jahren die halbe Küste aufgekauft und dort Feriensiedlungen gebaut. Zudem haben russische Investoren das riesige staatliche Aluminiumwerk aufgekauft. Doch dann verschlechterte sich die Stimmungslage im Land, viele russische Unternehmen gingen bankrott, auch das Aluminiumwerk, welches der Staat sodann zurückkaufte. Hinzu kommt, dass sich Montenegro im Zuge der Krimkrise den EU-Sanktionen gegen Russland anschloss. Inzwischen stecken die Beziehungen zwischen den beiden Ländern in einer echten Krise.

Welches Ziel verfolgt eigentlich die Nato mit einem Beitritt Montenegros? Das Land ist winzig und die Nato ist an der Adria mit Albanien und Kroatien doch bereits gut etabliert?

Montenegro ist das fehlende Stück in der Region, es liegt zwischen Albanien und Kroatien, die der Nato 2009 beigetreten sind. Das Verteidigungsbündnis schliesst also seine strategische Linie an der Adriaküste und wischt gleichzeitig Russland eins aus. Allerdings behauptet die Nato, Montenegros Beitritt habe nichts mit Russland zu tun. Vielmehr gehe es bloss darum, die Nato-Regeln umzusetzen, in denen stehe, dass das Bündnis allen Interessenten offensteht.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Montenegro: Zwergstaat an der Adria

Montenegro hat gut 620'000 Einwohner. Rund 45 % der Bevölkerung bezeichnen sich als Montenegriner, knapp 30 % als Serben, fast 9 % als Bosniaken, beinahe 5 % als Albaner. Das Bruttoinlandprodukt beträgt pro Einwohner rund 7500 Dollar. Montenegro wurde 2006 von Serbien unabhängig.

Der derzeitige Premier Milo Djukanovic von der sozialistischen Partei prägt die Politik des Landes seit bald 25 Jahren: Er ist bereits zum vierten Mal Premier (1991-1998, 2002-2006, 2008-2010 sowie seit 2012), zudem war er von 1998 bis 2002 Staatspräsident. Der auch «Kaiser Milo» genannte Politiker ist nicht nur in seiner Heimat umstritten: Gegen ihn liefen in Italien und Deutschland nach der Jahrtausendwende Ermittlungen wegen Zigarettenschmuggels, die später eingestellt wurden.