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Eine Reise, ein Bahnticket EU-Vorschlag: Reisen mit dem Zug soll in Europa einfacher werden

  • Ein Ticket, eine Buchung, mehrere Länder: Die EU-Kommission will das Buchen internationaler Zugreisen einfacher machen.
  • Verbindungen verschiedener Bahngesellschaften sollen über eine einzige Plattform buchbar sein.
  • Wer unterwegs einen Anschluss verpasst, soll so leichter ans Ziel gelangen oder sich den Ticketpreis erstatten lassen.

Der Vorschlag kommt passend zur Sommerreisezeit. Die Kommission des Europäischen Parlaments will internationale Bahnreisen in Europa vereinfachen. Reisende sollen Verbindungen mehrerer Bahnunternehmen künftig auf einer einzigen Plattform buchen können. Wer dann etwa von Berlin nach Barcelona reist, soll dafür nur noch ein Ticket benötigen, schreibt EU-Präsidentin Ursula von der Leyen auf der Plattform X.

Die Kommission stellte dazu ein Paket mit Gesetzesänderungen vor. Grosse Ticketplattformen sollen künftig auch Fahrscheine anderer Anbieter verkaufen, sofern diese zustimmen. Weiter sollen sie Fahrplandaten, Preise und Informationen zu Verspätungen teilen. Ziel ist eine internationale Zugreise mit einer Buchung und einem Ticket – auch dann, wenn mehrere Unternehmen beteiligt sind.

Die Vereinfachung internationaler Zugreisen beschäftigt die Europäische Union seit Jahren. Das Bahnnetz ist in 27 nationale Systeme aufgeteilt. Zugtickets verkaufen heute vor allem die nationalen Bahnbetreiber mit unterschiedlichen Systemen. Wer somit mehrere Züge kombiniert, kauft häufig separate Tickets und schliesst mehrere Verträge ab. Das macht grenzüberschreitendes Reisen oft kompliziert und teuer.

Die Schweiz habe ein grosses Interesse daran, ein vereinfachtes Ticketsystem für den internationalen Bahnverkehr einzuführen, schreibt das Bundesamt für Verkehr auf Anfrage. Die gesetzlichen Grundlagen hierfür seien sogar bereits geschaffen worden.

Neue Rechte für Reisende

Mit dem neuen System sollen auch die Fahrgäste besser geschützt werden. Verspätet sich ein Zug und verpassen Reisende dadurch ihren Anschluss, sollen sie ohne zusätzliche Kosten mit einer anderen Verbindung weiterreisen dürfen. Alternativ könnten sie sich den Ticketpreis erstatten lassen.

Wer die Reise fortsetzt, hätte zudem Anspruch auf Mahlzeiten oder eine Unterkunft, falls eine Übernachtung nötig wird. Voraussetzung bleibt eine ausreichende Umsteigezeit. Zuständig wäre jeweils jenes Bahnunternehmen, das die Störung verursacht hat.

Widerstand der Bahnbetreiber

Catriona Meehan von der Buchungsplattform Omio sprach angesichts dieser «Zersplitterung» von einem «willkommenen Fortschritt». Der Verband europäischer Bahnbetreiber CER kritisierte den Eingriff der EU-Kommission. Der Direktor Alberto Mazzola sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: «Ich kenne keinen Fall, in dem jemand gezwungen ist, das Produkt eines Konkurrenten zu verkaufen. Stellen Sie sich vor, die Lufthansa wäre gezwungen, Ryanair-Tickets zu verkaufen.»

Bereits jetzt nehmen gewisse Bahnen Reisende bei Verspätungen des ersten Zuges unter bestimmten Bedingungen und ohne Zusatzkosten mit. Doch die Regel ist nicht verbindlich.

ICE-Zug fährt am belebten Bahnsteig in den Bahnhof ein.
Legende: Nach Angaben des EU-Statistikamts Eurostat nutzten 2024 rund 150 Millionen Menschen internationale Bahnverbindungen innerhalb Europas. Im Flugverkehr waren es fast 400 Millionen Passagiere. Keystone/CARSTEN KOALL

Das neue Gesetz würde Unternehmen mit einem Marktanteil von mindestens 50 Prozent der Dienstleistungen in einem Land dazu verpflichten, ihren Online-Fahrkartenverkauf auch anderen Bahnbetreibern zu öffnen.

Bevor die neuen Regeln in Kraft treten, müssen die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament zustimmen.

SRF 4 News, 13.5.2026, 17 Uhr ; 

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