Ein 11-jähriger Junge ist in Thailand mit einem Pickup-Truck in eine Pilgergruppe von Mönchen gefahren. Mindestens neun Mönche kamen ums Leben, mehrere weitere wurden verletzt. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Verkehrssicherheit im Land. Wer in Bangkok lebt, erlebt Thailands Strassenverkehr hautnah. So auch Südostasien-Korrespondent Martin Aldrovandi.
Was weiss man über den Unfallhergang?
Laut den Behörden laufen die Untersuchungen noch. Der Junge soll im Auto seiner Eltern unterwegs gewesen sein. Vorher soll er allein daheim gewesen sein. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen den Unfall. Darauf ist zu sehen, wie das Auto direkt in die Gruppe der Mönche rast. Augenzeugenaufnahmen nach dem Unfall zeigen das beschädigte Fahrzeug und orange Roben am Boden. Mehrere Mönche sollen noch an der Unfallstelle verstorben sein, weitere später im Spital.
Ist dieser Unfall ein Einzelfall?
Der Fall ist aussergewöhnlich brutal. Thailand hat aber generell sehr viele Verkehrsunfälle und Verkehrstote. Pro Kopf gerechnet sterben dort rund zehnmal so viele Menschen im Strassenverkehr wie in der Schweiz. Allein während des Wasserfests Songkran kamen dieses Jahr laut Behörden 191 Menschen ums Leben, in nur vier bis fünf Tagen.
Wer ist im Verkehr besonders gefährdet?
Den grössten Teil der Verkehrsopfer der Unfälle mit tödlichem Ausgang machen Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer aus. Motorräder sind in Thailand sehr verbreitet, privat, aber auch als Motorradtaxis oder bei Kurierdiensten. Viele Menschen fahren ohne Helm, obwohl es Vorschriften gibt. Auch Alkohol und fehlendes Anschnallen im Auto spielen eine Rolle. Die Behörden greifen zudem wenig streng durch.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Im Strassenverkehr wird nicht immer angehalten bei Rot. Vor allem Motorradfahrer preschen oft zwischen Autos hervor oder fahren über Fussgängerstreifen. Bei Kurieren kommt hinzu, dass sie während der Fahrt aufs Handy schauen, etwa wegen Navigation oder neuen Bestellungen.
Hat die Regierung das Problem erkannt?
Ja. Es gibt immer wieder Kampagnen und Projekte für sicheren Strassenverkehr. Nach besonders schweren Unfällen, etwa mit Bussen oder Cars, gibt es jeweils einen öffentlichen Aufschrei und Forderungen nach mehr Massnahmen. Programme sollen die Strassensicherheit verbessern oder es soll strenger kontrolliert werden. Das Problem ist aber, diese Massnahmen im Alltag tatsächlich durchzusetzen.
Warum verbessert sich die Lage kaum?
Experten verweisen auf wenig Vertrauen in die Polizei und Korruption. Viele Menschen zahlen Bussen nicht. Gleichzeitig fehlt vielen das Bewusstsein, sich selbst konsequent zu schützen.