Emmanuel Macron: Rücktritt ins Rampenlicht

Nach zwei Jahren im Amt tritt der französische Wirtschaftsminister zurück. Er will sich ganz auf die Arbeit als Chef seiner neuen politischen Bewegung «En Marche!» konzentrieren. Aus Präsident Hollandes politischem Ziehsohn könnte ein politischer Gegner werden.

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Bildlegende: Unter Präsident Hollande in die Regierung befördert, hegt Macron womöglich grössere Ambitionen. Reuters

Der Spagat wurde mit jedem Tag grösser, die Balance zu halten immer unmöglicher. Emmanuel Macron ist gewillt, seinen eigenen Weg zu gehen. Dieser entfernte den Wirtschaftsminister in den letzten Wochen immer weiter von jenem von Präsident François Hollande. Im April gründete der junge politische Aufsteiger ohne Parteibuch seine eigene politische Bewegung «En Marche!».

Keine Partei, sondern eine Bewegung, die sich politisch nicht einordnen lasse, wie Emmanuel Macron im Sommer vor seinen Anhängern betonte: «Wir müssen einen anderen Weg gehen, weil wir jene zusammenbringen wollen, die genug haben von Versprechen, die nie eingehalten werden.»

Getragen von Meinungsumfragen, die ihm grosse Popularität im Land zu sprechen, schickte Macron daraufhin seine Anhänger auf die Strasse und von Tür zu Tür, um des Volkes Puls zu nehmen.

«La Grande Marche» ist eine politische Innovation à la Macron und soll ihm die Legitimität verschaffen, sich für höhere Aufgaben berufen zu fühlen: «Diese Bewegung wird uns bis zum Sieg führen, im Jahre 2017», verkündete Macron. Dass François Hollande diesen Sieg davon tragen könnte, glaubt er nicht. Anders lässt sich sein Rücktritt nicht lesen.

Feinbidl der Gewerkschafter

Dem Präsidenten hat Macron freilich seine steile politische Karriere zu verdanken. Er war persönlicher Berater von Hollande, bevor er vor zwei Jahren Wirtschaftsminister wurde.

Macron hat die wirtschaftspolitische Kehrtwende Hollands vorbereitet und schliesslich diesen liberalen Kurs in der Regierung vertreten. Zur grossen Freude der Arbeitgeber, aber zum grossen Ärger der Gewerkschaften. Der linke Flügel der Sozialisten sah in Macron den besten Grund, innerhalb der Partei zur totalen Opposition überzugehen.

Bis zuletzt hielt Hollande an Macron fest. Auch weil er hoffte, mit ihm den rechten, liberalen Flügel der Partei bei der Stange zu halten. Das präsidiale Kalkül ging nicht auf.

Vom Ziehsohn zum Gegner

Jetzt geht Macron und das ist konsequent. Der Rücktritt gibt ihm nun jene Freiheiten, die er sucht, nämlich nicht länger gezwungen zu sein, die schwache Bilanz der sozialistischen Regierung Hollands weiter verteidigen zu müssen.

Und der Abgang erlaubt Macron, in ein paar Monaten vielleicht gegen seinen politischen Ziehvater ins Rennen um die Präsidentschaft Frankreichs zu steigen. Wenn dann François Hollande überhaupt noch antreten kann. Denn dessen Rückhalt im linken politischen Lager ist heute noch einmal dünner geworden.