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Mississippi entfernt die Südstaatenflagge vom Kapitol (Archivbild).
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.06.2020.
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Ende der Südstaaten-Flagge «Die Ermordung von Floyd hat das Fass zum Überlaufen gebracht»

Der US-Bundesstaat Mississippi entfernt die Südstaaten-Flagge aus seiner Staatsfahne. Die sogenannte Flagge der Konföderierten gilt als rassistisches Überbleibsel der Geschichte. Die Historikerin Britta Waldschmidt-Nelson erklärt die Hintergründe.

Britta Waldschmidt-Nelson

Britta Waldschmidt-Nelson

Professorin für amerikanische Geschichte

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Waldschmidt-Nelson ist seit 2016 Professorin für die Geschichte des Europäisch-Transatlantischen Kulturraums an der Philologisch-Historischen Fakultät Augsburg in Deutschland. Zuvor war sie fünf Jahre lang als stellvertretende Direktorin des Deutschen Historischen Instituts in Washington (USA) tätig und von 1994 bis 2011 lehrte sie amerikanische Geschichte in München.

SRF News: Warum ist die Entscheidung des Staates Mississippi so wichtig?

Britta Waldschmidt-Nelson: Sie ist deshalb wichtig, weil es die Flagge der konföderierten Armee im Krieg gegen die Unions-Armee war. Bei diesem Krieg ging es um den Erhalt der Sklaverei und um die Privilegierung der weissen Rasse. Insofern stellt diese Flagge heute noch ein Symbol der Minderwertigkeit der schwarzen und der Überlegenheit der weissen Rasse dar.

Nach dem Bürgerkrieg ist diese Flagge jahrzehntelang in der totalen Bedeutungslosigkeit versunken.

War diese Flagge schon immer ein Symbol für Rassismus?

Es ist sehr interessant, dass die Flagge nach dem Bürgerkrieg jahrzehntelang in der totalen Bedeutungslosigkeit versunken war. Erst mit dem Wiederauferstehen der Segregationsgesetze gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die Schwarze im Süden zu Bürgern zweiter Klasse gemacht haben, wurde diese Flagge wieder populär. Sie wurde von drei Südstaaten, nämlich Georgia, Florida und Mississippi, in ihre jeweiligen Staatsfahnen aufgenommen.

Seit dem Wahlkampf von Storm Thurmond 1948 wird sie von allen rechten Gruppen in den USA, den White Supremacist, dem Ku-Klux-Klan und den Neonazis benutzt.

Storm Thurmond, ein Südstaatler, der 1948 Präsident der USA werden wollte und für die Rassentrennung war, verwendete sie schliesslich in seinem Wahlkampf. Er betonte, dass Schwarze eben nicht gleichberechtigt werden sollten und dass die Rassentrennung nicht abgeschafft werden sollte. Seither wird sie von allen rechten Gruppen in den USA, den «White Supremacist» [Anhänger der Theorie von der Überlegenheit der Weissen], dem Ku-Klux-Klan und den Neonazis benutzt.

Zeigt das Entfernen der Flagge in Mississippi, dass der Tod von George Floyd das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weissen nachhaltig verändert?

Es ist weniger so, dass damit alle Vorurteile aus den Gemütern verschwunden wären, sondern es zeigt einfach, dass die Politiker inzwischen auf den Druck der öffentlichen Meinung reagiert haben. Es sind nicht nur Schwarze, sondern auch viele weisse Liberale, die die Black-Lives-Matter-Bewegung unterstützen. Die Politiker haben erkannt, dass sie diese negative Symbolpolitik verändern müssen, wenn sie wiedergewählt werden wollen.

Auch früher wurde nach rassistischen Vorfällen über Ungleichheit und Rassismus debattiert. Wie erklären Sie sich diese ungleich grössere Resonanz im Vergleich zu früheren Debatten?

Die Frustration im Laufe der letzten Jahre hat sich aufgrund dieser immer wieder vorkommenden rassistischen Übergriffe so akkumuliert, dass das Fass voll war. Wir erinnern uns an das sogenannte Charleston Church-Massaker 2015, als ein weisser Supremacist in einer Kirche mehrere Schwarze erschossen hat. Zuvor war 2014 Michael Brown erschossen worden, was die Black-Lives-Matter-Bewegung erstmals auf den Plan gerufen hat. Die brutale Ermordung von George Floyd hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Besteht nicht die Gefahr, dass diese Flagge noch stärker zum Symbol des Aufstands verklärt wird?

Es wird sicherlich so sein, dass rechte Gruppen diese Flagge weiter verwenden.

Es ist ein Unterschied, ob private rechte Gruppen diese Flagge hissen, oder ob offiziell gewählte Gremien wie ein Staatsparlament oder das Bundesparlament dies tun.

In Deutschland ist es zum Beispiel verboten, die Hakenkreuz-Flagge zu hissen, doch dann nehmen rechte Gruppen halt die Reichsflagge, oder auch die Südstaatenflagge. Aber es ist ein Unterschied, ob das private Gruppen tun oder ob offiziell gewählte Gremien wie ein Staatsparlament oder das Bundesparlament es für gut erachten.

Das Gespräch führte Christoph Kellenberger.

Video
Aus dem Archiv: Tausende gegen zwei Dutzend Rechtsextreme
Aus Tagesschau vom 13.08.2018.
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SRF 4 News, 30.06.2020, 06:45 Uhr;

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Ruedi Möckli  (rm)
    Liebes SRF, ich wuenschte Sie wuerden jeweils vermerken von wem und warum Sie Kommentare entfernen. Zum einen nehme ich mir jeweils Zeit zu kommentieren wenn ich denke dass ich zur Diskussion beitragen kann, zum anderen hat das jeweils einen faden Zensur-Beigeschmack.

    Losgeloest davon waere es interessant zu wissen wieviele Kommentare Sie zurueckhalten oder nachtraeglich loeschen, und warum (Rassismus, Schimpfwoerter, andere URLs, etc.). Schreiben Sie doch mal einen Artikel darueber.
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    1. Antwort von SRF News (SRF)
      Guten Tag!

      Wir haben die Regeln der Netiquette hier zusammengetragen: https://www.srf.ch/hilfe/rechtliches/netiquette-und-user-generated-content-ugc.

      Ihr SRF-News-Team.
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  • Kommentar von Benedikt Walchli  (Baenzi)
    Geschickte Unterschlagung, nicht zu erwähnen, dass diese Staaten vorwiegend Demokratisch waren! Googelt mal "democrats and slavery" dann werden sie schnell zum Schluss kommen, wer in Wirklichkeit was aufzuarbeiten hat?
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  • Kommentar von Christian Baumann  (Christian Baumann)
    Wenn seit 1894 die Konföderierten Flagge Teil der Flagge von Mississippi war/ ist, dann ist das in etwa vergleichbar, wie wenn in Deutschland die Armee noch mit der Reichskriegsflagge aufmarschieren würde. Dass es 126 Jahre brauchte um etwas endgültig abzuschaffen, was schon seit 155 ohnehin vorbei ist, nämlich der Sezessionskrieg, zeugt davon welcher morsche, verfaulte Geist in den US-Südstaaten heute immer noch herrscht.
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