Zum Inhalt springen

Header

Audio
Energie-Notstand: Grossbritannien droht ein teurer Winter
Aus Echo der Zeit vom 20.09.2021.
abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
Inhalt

Energieknappheit in Europa Darum ist Grossbritannien besonders von der Gaskrise betroffen

Die Gaspreise sind seit Jahresbeginn um 250 Prozent gestiegen. Das ist problematisch für die Industrie und Privathaushalte.

Warum ist das Problem in Grossbritannien so akut? Laut dem britischen Energieministerium gibt es drei Gründe, weshalb sich die Energieversorgungs-Engpässe in Grossbritannien zuspitzen: Reparatur- und Revisionsarbeiten auf britischen Ölplattformen in der Nordsee, schwache Winde, sodass die Offshore-Turbinen wenig Strom geliefert haben, und ein kürzlicher Brand an einer wichtigen Gaspipeline. Die Summe dieser Ursachen führt seit Januar zu einem massiven Anstieg der Gaspreise.

Legende: In Grossbritannien wird die Mehrheit der Häuser mit Gas beheizt, es wird mit Gas gekocht und das Warmwasser so aufbereitet. Reuters

Wieso ist die Lebensmittelindustrie von dem Problem betroffen? Gas wird als Energie auch bei der Produktion von Dünger für die Landwirtschaft verwendet. Im Wesentlichen in zwei Fabriken entsteht bei der Herstellung von Dünger beziehungsweise der Synthese von Ammoniak auch CO2 - Kohlendioxid. Dieses Nebenprodukt wird in Schlachthöfen zur Betäubung von Tieren, zur Konservierung von Gemüse und Früchten und zur Herstellung von kohlensäurehaltigen Getränken benutzt. Aufgrund der hohen Energiepreise haben die beiden Fabriken ihren Betrieb vorübergehend eingestellt. Die Lebensmittelindustrie leidet daher unter einem akuten CO2-Mangel.

Was hat das für Konsequenzen? «Die sind nicht erst im Winter spürbar, sondern bereits in den kommenden Tagen», sagt SRF-Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser. Die beiden erwähnten Fabriken liefern 60 Prozent des Landesbedarfs an Kohlendioxid. «Die Vertreter der Lebensmittelindustrie gehen davon aus, dass es bereits diese Woche zu Engpässen bei abgepacktem Fleisch und Gemüse kommen kann», so Wülser.

Wie reagiert die britische Regierung? Premierminister Boris Johnson habe sich heute gewohnt frivol geäussert: Das werde der Markt regeln, die Regierung habe alles im Griff, die Störung sei nur vorübergehend. «Expertinnen und Experten sehen das aber deutlich weniger frivol und machen sich berechtigte Sorgen», sagt der Grossbritannien-Korrespondent. 

Legende: Boris Johnson bei einem Besuch der British Gas Training Academy in Leicestershire. Keystone

Welche Lösungen liegen auf dem Tisch? «Es muss Geld und Gas fliessen», so Patrik Wülser. «Die Lebensmittelversorgung muss weiter funktionieren. Die Menschen in Grossbritannien wollen in den kommenden Monaten nicht frieren oder wegen der Gasrechnungen nicht verarmen.» Der Staat verhandelt zurzeit mit den Gasunternehmen, subventioniert allenfalls Betriebe ganz direkt. «Wahrscheinlich kommt es zu Direktzahlungen für Haushaltungen, um Preisanstiege zu verhindern. Die Rechnung werden am Ende wohl oder übel die Britinnen und Briten bezahlen müssen, sei es als Konsumentinnen oder verzögert als Steuerzahler», so Wülser.

Audio
Aus dem Archiv: Erneuerbare Heizalternativen sind oft günstiger
06:42 min, aus Espresso vom 22.01.2019.
abspielen. Laufzeit 06:42 Minuten.

Echo der Zeit, 20.09.2021, 18 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

20 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Das Wort Energieknappheit wird in nicht wenigen Jahren zu einem politisch kritischen Thema bei uns werden, mal schauen wie wichtig dann noch mediale Klima-Wandler und Energiewende-Strategen sein werden, spätestens dann werden sie mehr als kritisch ihre Belastbarkeit beweisen müssen, besser gesagt, absehbar wird ihre Unbelastbarkeit offenbart.
  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Der Fehler liegt bei der fehlenden Redundanz der Anbindung an UK. Die Holländische Leitung ist sehr klein und Wartungsarbeiten, Reparaturen passieren nun mal. Der Gasverbrauch in England ist um 30% höher als in Deutschland. Eine Anbindung über Frankreich mi 50 Mia m3 würde Sinn machen über 2 Pipelines versteht sich.
  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    Offenbar eine weitere Ursache ist, dass (im Rahmen von Privatisierungen) vor ein paar Jahren eine grosse Speicheranlage abgebrochen wurde.