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Kriegsbereit im Weltall: Die Staaten rüsten auf
Aus Echo der Zeit vom 25.07.2021.
abspielen. Laufzeit 04:24 Minuten.
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Enorme Aufrüstung Das Weltall wird zum neuen Wilden Westen

Das Weltall war bislang eine friedliche Gegend. Das ändert sich nun, es wird voller, kompetitiver und konfrontativer.

Heute sei das Weltall nicht nur entscheidend für unser Leben, es sei vor allem entscheidend für die moderne Kriegsführung, heisst es in einem Werbevideo des US-Verteidigungsministeriums. 2019 verfügte der damalige US-Präsident Donald Trump, sofort eine Weltraumtruppe zu schaffen, die US Space Force.

Inzwischen existiert sie. Ihr Emblem erinnert etwas an das Raumschiff-Enterprise-Logo. Ihr oberster Chef, General John Raymond, bezeichnet die neue Space Force in einer Telefonkonferenz mit Fachjournalisten als «sehr flexibel und sehr klein».

6400 US-Soldaten

Weil man aber in den USA gerade im Militär meist in XL-Grössen denkt, umfasst die «kleine Weltraumtruppe» bereits rund 6400 Soldaten und noch einmal so viele Zivilisten. Es brauche, so Raymond, diese Streitkräftegattung, weil das All immer stärker genutzt wird, wirtschaftlich, wissenschaftlich und militärisch: «Es wird dort also immer voller, die Länder kommen einander in die Quere und die Konfrontationen nehmen zu.»

Kurz: Es gehe im Weltraum künftig wohl weniger friedlich zu als bisher. Zugespitzt formuliert: Das Weltall wird zum neuen Wilden Westen.

«Die USA setzen auf Abschreckung»

Laut US-General Raymond arbeiten China und Russland sehr aktiv darauf hin, den USA den freien Zugang zum Weltall zu erschweren oder ihn gar zu verhindern. Mit Mitteln der elektronischen Kriegsführung, mit Cybermitteln und auch mit Offensivwaffen wie Killersatelliten, die andere Satelliten abschiessen können.

«Die USA setzen auf Abschreckung, darauf, mit einem Drohpotenzial einen Krieg im Weltraum zu verhindern», betont Raymond. Dass die USA selber sehr wohl auch offensiv im All aktiv werden können, erwähnt er nicht.

Nato-Bündnisfall auch im Weltall

Zurzeit reist der Kommandeur der US-Weltraumoperationen durch Europa. Sein Ziel: die Nato-Partnerländer überzeugen, sich ebenfalls militärisch im All zu engagieren. Die Nato hat inzwischen den Weltraum als neues Operationsgebiet definiert.

Legende: Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bei der Einweihung des neuen Weltraumkommandos in Uedem. Keystone

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg: «Was bereits heute zu Land, zu Wasser und in der Luft und ebenso im Cyberraum gilt, gilt künftig auch im Weltraum: Der Bündnisfall.» Will heissen: Ein Angriff auf einen Nato-Staat gilt als Angriff auf alle. Und erfordert entsprechend eine militärische Reaktion aller.

Nicht mehr bloss Science Fiction

Frankreich richtete ebenfalls ein Weltraumkommando ein und führte neulich erstmals Weltraummanöver durch. Grossbritannien zieht nach. Und eben dieser Tage eröffnete die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im nordrhein-westfälischen Uedem den Standort des vorerst noch bescheidenen deutschen Weltraumkommandos.

Ihre Begründung für den neuen Akzent in der Bundeswehr ist die Unverzichtbarkeit der Nutzung des Universums, etwa wenn es um Navigation und Kommunikation geht: «Deshalb sind unser Wohlstand und unsere Sicherheit in hohem Masse vom Weltraum abhängig.» Und sie ergänzt: «Ein bisschen Science Fiction schwingt mit, ein bisschen Kino. Wer denkt nicht an Jules Verne, an Raumschiff Orion, an Raumschiff Enterprise – eher so meine Generation…»

Bloss: Es geht eben immer weniger um Science Fiction, sondern immer mehr um eine neue militärische Realität. Vom UNO-Weltraumvertrag von 1967, demzufolge das All ausschliesslich der friedlichen und wissenschaftlichen Nutzung vorbehalten sein müsste, ist immer seltener die Rede.

 

Echo der Zeit, 24.07.2021, 18:00 Uhr

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Mark De Guingois  (MDG)
    @keller

    Es ist an entstanden? Was für ein Zufall...
    Nein, es wurde für Menschen erschaffen, damit sie die Erde bewohnen. Aber wie zu Noahs Zeiten sind die Menschen böse geworden. Eine grosse Überschwemmung gibt es nicht mehr, nur kleine. Aber die Erde wird ein Ende bekommen. Nicht in Milliarden Jahren.
  • Kommentar von Wolfgang Bortsch  (a2b3c4d5)
    Meiner Meinung nach auch eine
    " Botschaft" eines großartigen
    Filmes :
    "2001 - Odyssee im Weltraum"
    Ich schrieb es schon öfter :
    Absolut Oskar-reif !
    ( Nicht nur für die "visuellen Effekte")
    Der Flug der "Discovery" in
    Richtung Jupiter wird von Stanley Kubrick großartig als Flug in eine
    "neue geistige Existenz" des Menschen dargestellt.
    An gewisse "Weltraumstrategen" sei dieser
    Kommentar gerichtet !
    Der Weltraum als Platz für neue
    Rüstungstechnik!
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Spätestens dann wenn China ihr eigenes (unabhängiges) GPS System in die Umlaufbahn schiesst, gibt es einen Konflikt mit den USA.
    Denn die USA werden ihren Vorteil nicht so einfach aufgeben wollen ( nicht nur militärisch sondern auch kommerziell)
    Und es kann durchaus sein, dass es dann zu versteckten Sabotage-Aktionen bei den Satelliten kommt. (Es braucht ja nur einen kleinen Stein/Metallkugel die schnell fliegt)
    Und auch die Russen und Inder werden eigene Programme aufbauen/ausbauen.
    1. Antwort von Ricardo Lang  (RicRic)
      Zur Info: China besitzt schon jetzt ihr eigenes GPS system: Beidou. USA(GPS), Russland(Glonass) und China(Beidou) sind die einzigen 3 die ein globales Positioning System haben. EU wartet novh auf inbetrienahme von Galileo, sprich viele EU waffensysteme sind noch GPS basiert. Aktuell können russische und chinesisische Waffensysteme schon US satelliten und überschall marschflugkörper abschiessen.
    2. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      @Ricardo Lang
      Dann wissen wir ja, was als erstes abgeschossen wird, wenn es zu einem globalen Konflikt zwischen USA/China/Russland kommt. ....