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Entscheidung im Senat Abtreibungslegalisierung spaltet Argentinien

Die zweite Parlamentskammer berät über ein Abtreibungsgesetz. Eine Ablehnung zeichnet sich ab.

Legende: Video Demonstrationen wegen Abstreibungslegalisierung in Argentinien abspielen. Laufzeit 01:39 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.08.2018.

Zehntausende Menschen haben sich in Buenos Aires beim argentinischen Parlament versammelt, um für und gegen die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs zu demonstrieren.

Im Senat hat die Abstimmung über ein Gesetz zur Legalisierung der Abtreibung begonnen. Die Vorlage ist von der Abgeordnetenkammer zuvor schon angenommen worden. Einige Senatoren lehnen eine Abtreibung aber grundsätzlich ab, sogar im Falle einer Vergewaltigung.

In Argentinien ist Abtreibung bislang nur im Fall einer Vergewaltigung oder bei Lebensgefahr für Mutter oder Kind erlaubt. Nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums werden jedoch jährlich über 350'000 illegale Abtreibungen durchgeführt.

Rund 50'000 Frauen müssen jedes Jahr wegen gesundheitlicher Komplikationen nach solchen Eingriffen ins Spital. Etwa 50 Frauen sterben jedes Jahr an den Folgen einer illegalen Abtreibung.

Abtreibung spaltet das Land

Die Lehrerin Mariana Rodriguez Varela protestiert gegen Abtreibungen, indem sie bei Demonstrationen Plastikbabys in Originalgrösse verteilt. Für sie kann auch das Auszulöschen eines Kindes die Folgen einer Vergewaltigung nicht heilen. «Das ist nicht wie ein Antibiotikum bei einer Grippe. Eine Kur gegen eine Vergewaltigung geht anders.» Jedes Kind habe das gleiche Recht geboren zu werden, so wie wir es hatten, sagt Varela.

Für eine Gesetzesänderung setzt sich der Frauenarzt Daniel Lipchak ein. Der Senat müsse die Realität im Lande anerkennen. Er empfange als Arzt Frauen mit schweren Komplikationen nach illegalen Abtreibungen. Gerade letzten Monat sei eine Frau bei ihm im Spital gestorben. «Wir können die Augen verschliessen, als würde das alles nicht passieren, oder etwas dagegen tun.»

Das Abstimmungsergebnis im Senat wird am frühen Donnerstag erwartet.

Legende: Video Brutale Macho-Kultur abspielen. Laufzeit 05:16 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.08.2018.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Liechti (Walimann)
    Soeben hat der Senat das neue Abtreibungsgesetz abgelehnt, damit bleibt Abtreibung in Argentinien weiterhin verboten. Das bedeutet, dass hunderttausende von abtreibungswilligen Frauen den Eingriff weiterhin unter Lebensgefahr bei sogenannten Kurpfuschern machen lassen. Das passt ganz und gar nicht ins 21-igste Jahrhundert.
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  • Kommentar von Luca Meier (Luca Meier)
    Hoffentlich bleibt die Abtreibung verboten. Das ungeborene Kind kann in keinem Fall etwas dafür,dass die Eltern nicht verhütet haben. Aber was ist das für eine Logik? Damit die Abtreibung nicht illegal gemacht wird, soll sie legalisiert werden. Es ist schlimm, dass die 50 Frauen beim Versuch der Abtreibung jährlich sterben. Dass aber 100 000 werdende und total unschuldige Kinder umgebracht werden, soll weniger schlimm sein?
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Das ist keine Logik, das ist einfach die Realität des Lebens. Abtreibungen werden sowieso gemacht, egal ob legal oder illegal. In Ländern mit Fristenlösung und entsprechend auch besserer Aufklärung und Verhütung gibt es sogar weniger Abtreibungen. Der einzige Unterschied sind die toten und verstümmelten Frauen. Damit ist das Aufrechnen von toten Embryonen gegen tote Frauen nicht nur moralisch unsinnig, sondern auch sachlich falsch.
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    2. Antwort von Walter Liechti (Walimann)
      Die beiden heutzutage angewandten Abtreibungsmethoden sind für die abtreibenden Frauen praktisch risikolos, während der betroffene Embryo schnell und schmerzlos getötet und entfernt wird. Es ist eine Schande, dass sich die Frauen in Argentinien nun weiterhin in Todesgefahr begeben müssen, wenn sie das Opfer einer Vergewaltigung- oder einer Verhütungspanne wurden und das Kind nicht wollen.
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  • Kommentar von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
    Gewalt gegen Frauen geht gar nicht! Nie! Diese Männer müssen drastisch bestraft werden und das Umdenken der Gesellschaft wird leider sehr lange gehen. Nun aber dem ungeborenen Leben tödliche Gewalt anzutun, das finde ich eine totale Perversion dieser schlimmen Lage vieler Frauen. Sie werden damit ebenso zu Gewalttuende! - per Gesetzt legalisiert. Wie wenn die Gewalt der Männer an Frauen durch Legalisation eliminiert würde! Dr. Lipchak hat resigniert, bevorzugt Legalisation des Tötens.
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