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International Erdbeben-Opfer in China warten wütend auf Hilfe

Nach dem Erdbeben laufen die Rettungsarbeiten in China auf Hochtouren. Viele Strassen sind verschüttet und das Handynetz ist teils unterbrochen. Zahlreiche Betroffene warten noch auf Hilfe. Sie sind wütend auf die Behörden.

Legende: Video «Schwierige Rettungsarbeit in China» abspielen. Laufzeit 1:28 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.04.2013.

Nach dem verheerenden Erdbeben in Chinas Südwesten behindern Nachbeben und logistische Probleme die Rettungsarbeiten. Bislang bestätigten die Behörden gemäss SRF-Korrespondent Urs Morf 200 Tote.

Die gute Nachricht: Bisher konnten 2500 Menschen lebend aus den Trümmern geborgen werden. «Und die Chancen stehen gut, dass mindestens noch ein paar Dutzend mehr dazu kommen könnten. Denn seit der Katastrophe sind erst etwa 54 Stunden verstrichen. Man rechnet bei solchen Ereignissen damit, dass Leute bis zu 72 Stunden gute Überlebenschancen haben», so Morf.

Bis am Montagmorgen wurden mehr als 2000 Nachbeben in Lushan registriert, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Die Gemeinde befindet sich am Epizentrum. Vier Nachbeben erreichten einen Wert von 5,0 oder mehr.

Ein Heer von Rettern

Insgesamt sind gemäss dem chinesischen Staatsfernsehen mehr als 1,7 Millionen Menschen von dem Beben in der Provinz Sichuan betroffen. Die Einsatzkräfte arbeiten sich Stück für Stück in die abgeschnittenen Orte vor.

Die Behörden lernten aus früheren Katastrophen. 2008 kamen bei einem starken Beben in Sichuan mehrere zehntausend Menschen ums Leben. Das Land sei wegen häufig eintretenden Erdbeben relativ gut vorbereitet, beobachtet der Asienkorrespondent. «Helfer werden deshalb schnell mobilisiert. Wie auch jetzt. Ein ganzes Heer von Rettern ist im Einsatz.»

Chinas Volksbefreiungsarmee hat 18'000 Soldaten und paramilitärische Einheiten nach Sichuan geschickt. Die militärische Polizei ist mit 5800 Einheiten vor Ort. Zwei Militärhubschrauber brachten die ersten Hilfslieferungen mit Wasser und Lebensmitteln in abgelegene Dörfer im Südwesten des Landes.

Opfer verärgert

Viele Gebiete sind aber noch von Wasser, Strom und dem Handynetz abgeschnitten. Die Hilfslieferungen kamen auf den schlechten und zum Teil durch Erdrutsche verschütteten Strassen nur schleppend voran. Derweil steigt aber die Sorge vor Seuchen. Deshalb sind auch Mediziner aus Peking nach Sichuan gereist, um Vorkehrungen gegen mögliche Epidemien zu treffen.

Zudem stauten sich auf den Strassen unzählige Regierungsfahrzeuge. Auf der 40 Kilometer langen Strecke von Lushan ins schwer beschädigte Baoxing verstopften leere Krankenwagen, Armee-Laster,  Baufahrzeuge und Busse beide Fahrbahnen. Ein Durchkommen war nur noch zu Fuss oder mit Motorrädern möglich.

«Es ist jetzt drei Tage her und wir haben weder Nudeln noch Wasser bekommen», klagte ein Bauer. Auch Zelte fehlten. «Wenn die Regierung uns weiter ignoriert, bleibt uns nur der Protest», sagte ein anderer Bauer. Ein Polizist zeigte sich bemüht, die Lage zu beruhigen und versicherte, die Hilfe sei auf dem Weg.

Ministerpräsident Li Keqiang hatte sich am Wochenende im Katastrophengebiet ein Bild von der Lage verschafft  und den Wiederaufbau in der erdbebengeplagten Region zugesagt.

China will keine Hilfe

China verzichtet nach dem Erdbeben auf internationale Hilfe. «Wir brauchen derzeit keine Unterstützung aus dem Ausland», sagte eine Sprecherin des Aussenministeriums. Das Katastrophengebiet liege in einer Bergregion. Selbst heimische Hilfskräfte kämen kaum zu den Opfern durch. Weitere Helfer würden die Situation nur noch unübersichtlicher machen.