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Putin und Erdogan schütteln sich die Hände.
Legende: Das letzte Treffen liegt nur knapp zwei Monate zurück: Putin und Erdogan im März 2017 im Kreml. Reuters
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Beziehung Türkei und Russland Erdogan trifft seinen «geschätzten Freund» Putin

Heute trifft Wladimir Putin auf Recep Tayyip Erdogan, zum dritten Mal innerhalb von knapp zehn Monaten. Der Kreml-Chef hat den türkischen Präsidenten nach Sotschi eingeladen. Die Fragen und Antworten zu diesem Treffen.

Warum ist Erdogan so oft in Russland?

Es ist Erdogans dritter Besuch in Russland seit August 2016, erst vor wenigen Wochen traf er sich mit Putin in Moskau. Erdogan signalisiert damit vor allem der EU, aber auch den USA und der Nato, dass es für Ankara Alternativen zum Westen gibt. Das gilt besonders angesichts der wachsenden Kritik aus Brüssel an Erdogan. Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel hatte vergangene Woche bei einem Treffen mit EU-Kollegen auf Malta gesagt, man könne kein Interesse daran haben, dass die Türkei «in Richtung Russland geschoben wird». Gabriel hatte das als Argument gegen einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei angeführt. Bei der Nato dürfte mit Sorge betrachtet werden, dass der Bündnispartner Türkei Interesse am russischen Flugabwehrsystem S-400 hat.

Worüber sprechen die beiden Politiker in Sotschi?

Ganz oben auf der Agenda steht der Syrien-Konflikt, einer der grossen Streitpunkte zwischen den beiden Ländern. Russland unterstützt den Machthaber Baschar al-Assad mit Luftangriffen, während die Türkei im Grenzgebiet Bodentruppen einsetzt. Experten gehen davon aus, dass die beiden auch über die Unterstützung der Kurden und radikaler Gruppen in Syrien sprechen werden. Moskau will im Gegensatz zu Ankara, dass die Kurden an den Friedensgesprächen teilnehmen. Auch der Deal um das Flugabwehrsystem soll kurz vor dem Abschluss stehen, sind sich Beobachter sicher.

Ist der Streit zwischen Russland und der Türkei Vergangenheit?

Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei Ende 2015 führte zu einer schweren Krise. Putin verhängte schmerzhafte Sanktionen gegen die Türkei und übte scharfe Kritik an Erdogan. Der Kremlchef sagte unter anderem: «Allah beschloss, die regierende Clique in der Türkei zu bestrafen, und hat sie um den Verstand gebracht.» Erdogan sah sich schliesslich gezwungen, sich – wie von Putin gefordert – zu entschuldigen. Danach legten die beiden Staaten den Streit im August vergangenen Jahres offiziell bei. Teile der Sanktionen sind jedoch noch immer in Kraft.

Wie nah stehen sich Putin und Erdogan?

Die Eiszeit ist vorüber, Moskau und Ankara sind im Dialog. Erdogan nannte Putin nach der Beilegung des Streits sogar «meinen geschätzten Freund». Putin gratulierte Erdogan auch als einer der wenigen Staatschefs zu dem Ergebnis bei dem umstrittenen Verfassungsreferendum. Beim vergangenen Treffen einigten sich beide darauf, einige Agrarsanktionen etwa auf Brokkoli und mehrere Zwiebelsorten aufzuheben. Dennoch: Russische Touristen kommen nicht mehr so zahlreich in die beliebten Urlaubsziele in der Türkei wie noch vor einigen Jahren. Das trifft die wichtige Tourismusbranche umso härter, als auch westliche Besucher ausbleiben.

Warum gibt es nun eine Annäherung?

Experten sind überzeugt, dass sich trotz der Streitereien letztlich auf beiden Seiten die pragmatische Überzeugung durchgesetzt hat, dass Moskau und Ankara wirtschaftlich und im Syrien-Konflikt zusammen mehr erreichen können als alleine. Putin bezeichnete die Türkei als einen der wichtigsten Wirtschaftspartner Russlands.

Wo genau liegen die Streitpunkte im Syrien-Konflikt?

Die Türkei fordert die Ablösung von Assad, dessen wichtigster Unterstützer Russland ist. Ein besonderer Dorn im Auge sind Ankara die Milizen der Kurdenpartei PYD, dem syrischen Ableger der von der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Zudem sieht die Türkei die Rolle des Irans bei den Verhandlungen kritisch. Bei seinem letzten Besuch in Moskau im März forderte Erdogan ein Ende der PYD-Aktivitäten in Moskau. In der Krise mit der Türkei hatte Moskau der PYD die Eröffnung eines eigenen Büros erlaubt.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    So war es und so ist es weiterhin - "Kumpane" = Gewaltherrschaft, trifft Gewaltherrschaft. Mann versteht sich, weil Mann vom gleichen brutalen, respektlosen skrupellosen"Schlag" ist....
  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Die EU ist Geschichte für die Türkei. Die Türkei wird die Orientierung Richtung China, Seidenstrasse und den mittleren Osten verstärken. Heute ist über das Türkische AKW und wahrscheinlich auch die S-400 Stationierung entscheiden worden. Darum hat Russland alle bis auf 2 Sanktionen zurückgezogen. Die Türkei wird nur noch für eine Übergangszeit in der NATO verbleiben. Die A-Waffen sollten dort langsam abgezogen werden. Hier trafen sich 2 Realisten mit einer Perspektive von 30 Jahren.
  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Gleich und Gleich gesellt sich gern
    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Da müsste Erdogan ja zur Merkel gehen.....!
    2. Antwort von E. Waeden  (E. W.)
      Wenn es um gute Geschäfte, gute wirtschaftliche Beziehungen geht, gesellen sich dann viele Politiker/Innen gerne. Diesbezüglich gleichen sich dann wohl viele. Nur die EU tut sich betr. Sanktionen noch immer schwer. Aber diese exportieren ja auch lieber für 18.3 Mia/Jahr ihre Produkte nach Afrika, wo dann z. B. billige Milchprodukte aus D. in den Regalen stehen & heimischen Produzenten/Bauern ihre Existenzgrundlage dadurch verlieren. Dann kommen sie nach Europa & die EU gesellt sich zu Erdogan.
    3. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      ich bin absolut kein Merkel Fan, aber sie mit Erdogan zu vergleichen ist doch hart und falsch.