Erdogan will Türkei zum Energiehandelszentrum machen

Vor nicht allzu langer Zeit haben sich die beiden Staatschefs Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin noch öffentlich beleidigt. Jetzt sind sie zusammengerückt – zumindest in Energiefragen. Die Differenzen im Syrien-Konflikt bleiben indes bestehen.

Ein Arbeiter vor Gasleitungen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Pipeline «Turkish Stream» war schon länger geplant. Nach Berlin ist Ankara der grösste Abnehmer von russischem Gas. Reuters/Symbolbild

Zwei Monate nach ihrer Aussöhnung haben der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin den Bau der strategisch wichtigen Gaspipeline Turkish Stream besiegelt.

Die Energieminister unterzeichneten in Istanbul im Beisein der Staatschefs ein Regierungsabkommen über das lange geplante Projekt.

Karte zeigt Orte in der Türkei und Russland, die die Gas-Pipeline verbinden soll. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Pipeline auf dem Grund des Schwarzen Meeres soll vom Russland über die Türkei Gas nach Südeuropa bringen. SRF

Vorbei an der Ukraine

Durch die Turkish-Stream-Pipeline soll russisches Erdgas durch das Schwarze Meer und die Türkei bis an die griechische Grenze gebracht werden. Mit dieser Leitung und der geplanten Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 will Russland die Ukraine bei der Belieferung der EU mit Gas umgehen.

Der Chef des Gazprom-Konzerns, Alexej Miller, sagte, das Abkommen sehe den Bau von zwei Röhren auf dem Grund des Schwarzen Meeres vor. Der erste Strang soll Ende 2019 fertig sein.

Rabatt für die Türkei

Putin stellte der Türkei «im Rahmen von Turkish Stream» Rabatt beim Gas in Aussicht. Zugleich teilte er mit, dass Sanktionen gegen eine Reihe türkischer Produkte wieder aufgehoben worden seien.

Moskau hatte nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im Grenzgebiet zu Syrien Wirtschaftssanktionen verhängt, die nach der Aussöhnung im August schrittweise wieder aufgehoben werden sollten. Während der Krise zwischen Ankara und Moskau lag auch Turkish Stream auf Eis.

Differenzen beim Thema Syrien

Differenzen gibt es weiterhin beim Thema Syrien. Russland unterstützt den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, dessen Sturz Erdogan fordert. Putin sagte: «Sowohl Russland als auch die Türkei treten für ein schnelles Ende des Blutvergiessens in Syrien und den Übergang zu einer politischen Regelung ein.» Erdogan betonte, Thema sei auch gewesen, wie humanitäre Hilfe für die Menschen in Aleppo ermöglicht werden könne.

Erdgas- und Energiehandelszentrum

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Erster Besuch im 2016

Putin besuchte seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe im vergangenen November nun erstmals wieder die Türkei. Beide Länder wollen ihre Beziehungen nach einer längeren Eiszeit wieder vollständig normalisieren.

Erdogan und Putin nahmen am Weltenergiekongress in Istanbul teil und kamen anschliessend zu einem bilateralen Treffen zusammen. Bei der Tagung kündigte Erdogan umfangreiche Investitionen an, «um unser Land zum Erdgas- und Energiehandelszentrum zu machen». Die Türkei leiste damit auch «einen Beitrag zur Erdgasversorgungssicherheit Europas».

Putin machte in Istanbul deutlich, dass er ein Einfrieren der Öl-Fördermengen zur Stabilisierung der Ölpreise unterstützt. «Ein Einfrieren oder sogar eine Kürzung der Förderung ist wohl die einzig richtige Entscheidung», sagte er der Agentur Tass zufolge.

Russland sei bereit, sich einer entsprechenden Initiative des Ölkartells Opec anzuschliessen. Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew sagte, der Konzern unterstütze das Einfrieren, aber nicht das Zurückfahren der Ölförderung.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Putin und Erdogan wollen Energie-Kooperation vorantreiben

    Aus Tagesschau vom 10.10.2016

    Der Streit und die Beleidigungen sind vergessen, Kremlchef Putin macht Präsident Erdogan seine Aufwartung. Bei einer Konferenz in Istanbul rücken beide demonstrativ zusammen - zumindest in Energiefragen. Einschätzungen von SRF-Korrespondentin Ruth Bossart aus Istanbul.