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Grosse Hoffnungen in Südafrika auf Corona-Impfstoff
Aus Echo der Zeit vom 24.07.2020.
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Erste Covid-Impfstudie Afrikas «Keine Versuchskaninchen»: Freiwillige lassen sich impfen

In Südafrika wird ein Impfstoff am Menschen getestet. Ein bisschen Hoffnung für das schwer von Corona getroffene Land.

Soweto, Baragwanath-Spital, das grösste Afrikas. Hier findet die erste Covid-Impfstudie des Kontinents statt. Junior Mhlongo gehört zu den Freiwilligen, die an dieser historischen Studie teilnehmen. Er bekommt eine Spritze in den Arm – ob es der Impfstoff ist oder ein Placebo, weiss er ebenso wenig wie die Wissenschaftler, so wie bei klinischen Doppelblindstudien üblich. Ein bisschen mulmig zumute sei ihm schon, gibt er zu.

Südafrikaner lässt sich impfen.
Legende: In Johannesburg wird der von der Universität Oxford entwickelte Impfstoff getestet, der auch Gegenstand klinischer Studien in Grossbritannien, Brasilien und demnächst auch den USA ist. Erste Ergebnisse aus England machen Hoffnung – es gibt erste Anzeichen dafür, dass der Impfstoff sicher ist und auch eine Immunantwort auslöst. Keystone

Er wolle herausfinden, ob dieser Impfstoff wirksam sei und seinen Freunden davon erzählen, sagt Mhlongo. Andere Probanden sagen ebenfalls, dass sie bei der Suche nach einem Impfstoff helfen wollen, um Menschenleben zu retten und damit Südafrika bald wieder zur Normalität zurückkehren könne. Bislang wurden über 400 Probanden und Probandinnen rekrutiert, bis Mitte August sollen es rund 2‘000 sein.

«Überwältigende Resonanz»

Die Zeit eilt, aber beteiligte Forscherinnen wie Clare Cutland von der Johannesburger Wits-Universität sind zuversichtlich: «Die Reaktionen in der Bevölkerung waren begeistert, sogar enthusiastisch. Wir haben zunächst Teilnehmer früherer Impfstudien informiert, damit sie Angehörigen, Freunden und Nachbarn davon erzählen. Und tatsächlich hat jeder, der zu uns kam, fünf oder sechs andere mitgebracht. Die Resonanz war überwältigend.»

 Cyril Ramaphosa
Legende: Am Donnerstag hat Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa angekündigt, dass die Schulen erneut für mehrere Wochen geschlossen werden. Der Grund sind die rasant steigenden Infektionszahlen. Rund 400‘000 Fälle wurden mittlerweile registriert, damit liegt das Land weltweit auf Rang fünf. Reuters

Südafrika hat langjährige Erfahrung mit klinischen Studien, die nach internationalen Standards durchgeführt werden, von Ethik-Komitees überwacht. Jeder Proband wird umfassend aufgeklärt und muss mehrere Einverständniserklärungen unterschreiben. Alle bekommen eine kleine Aufwandsentschädigung, aber wirklich Geld verdienen sie damit nicht.

Wenn ein wirksamer und sicherer Impfstoff gefunden wird, dann werden jene Länder prioritär behandelt, die sich an klinischen Studien beteiligt haben.
Autor: Clare CutlandWits-Universität in Johannesburg

Trotzdem müssen sich die Forscher immer wieder den pauschalen Vorwurf gefallen lassen, Afrikaner würden als Versuchskaninchen ausgenutzt. Dabei sei das Gegenteil der Fall, kontert Professor Shabir Madhi, einer der renommiertesten Impfforscher Südafrikas und Hauptprüfer der Studie. «In der Vergangenheit sind viele lebensrettende Impfstoffe erst fünf bis zwanzig Jahre nach deren Einführung in Industriestaaten auch in ärmeren Ländern eingetroffen.»

Corona-Pandemie trifft Südafrika hart

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Corona-Pandemie trifft Südafrika hart

Corona ist in Südafrika längst angekommen und zwar stärker als bislang vermutet. Zum einen waren die Forscher von der hohen Zahl asymptomatischer Fälle beim Screening der Probanden überrascht. Das weist darauf hin, dass wesentlich mehr Südafrikaner infiziert sind, als in der offiziellen Statistik erfasst. Zum anderen legt eine Analyse der Sterberegister nah, dass auch wesentlich mehr Menschen an Covid-19 sterben.

Im Vergleich zu den Vorjahren sind zwischen Anfang Mai und Mitte Juli ganze 59 Prozent mehr Südafrikaner an natürlichen Todesursachen verstorben. Entsprechend gross ist die Hoffnung, einen wirksamen Impfstoff zu finden – erste Ergebnisse der südafrikanischen Studie könnten bereits Ende November vorliegen. Weitere Impfstudien sind geplant.

Das liege zum einen an den hohen Kosten, aber auch daran, dass sie nicht früh genug im lokalen Kontext erforscht würden. «Weniger als zweieinhalb Prozent aller klinischen Studien werden in Afrika durchgeführt, dabei leben hier 17 Prozent der Weltbevölkerung.»

Es sei zentral zu wissen, wie eine Impfung in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen wirke, betont Madhi. Dabei spielen sowohl Genetik als auch Vorerkrankungen eine Rolle. Im Fall von Südafrika etwa die hohe Zahl an HIV-Infizierten. Daher wird die Sicherheit des Covid-Impfstoffs auch an 50 HIV-positiven Südafrikanern und Südafrikanerinnen getestet.

Wer mitarbeitet, profitiert

Eine weitere Motivation sei es, sich gerade jetzt inmitten einer Pandemie einen möglichst schnellen Zugang zu einem Impfstoff zu sichern, fügt Forscherin Cutland hinzu. «Wenn ein wirksamer und sicherer Impfstoff gefunden wird, dann werden jene Länder prioritär behandelt, die sich an klinischen Studien beteiligt haben.»

Das bedeute nicht, dass Südafrika direkt eine Dosis für jeden Bürger erhalte, aber wahrscheinlich einen Teil der ersten produzierten Impfdosen weltweit. «Die Entscheidung, wer in unserem Land die Impfung erhält, wird dann mit Blick auf das Risiko und den Bedarf gefällt.»

Echo der Zeit vom 24.07.2020, 18 Uhr;

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53 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Wir sprechen von Impfstoffen, wobei an RNA und DNA Impfstoffen gearbeitet wird. Dabei ist das Testen schon unscharft genug. PCR Test messen viele Coronaviren, nicht nur Sars Cov 2. Und die Coronaviren sind RNA Viren wie die meisten Viren gar keine DNA besitzen. Bakterien und Zellen aber schon. Also der Test sagt nicht ob jemand wirklich an Sars Cov 2 erkrannt ist sonder nur, dass er Fragmente von RNA findet. Ausserdem mutieren RNA Viren sehr, sehr schnell.
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  • Kommentar von Katharina Regli  (Kathareina)
    Es ist bekannt, dass bei der Tumorentstehung Schlüsselaberrationen, die in Form z. B. von chromosomalen Deletionen oder Amplifikationen sowie als Gendosisveränderung das mRNAExpressionsmuster der Zelle erheblich beeinflussen. Dabei werden: 4 mRNA-Moleküle und Proteine von Onkogenen überexprimiert oder letztere durch Mutation aktiviert (aus link.springer.com > content > pdf). So besteht durchaus die Möglichkeit, dass durch die mRNA-Impfung auch Tumorinduktionen nicht ausschliessen sind.
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    1. Antwort von Sonja Estermann  (Saphira13)
      Nett aus dem Kontext gerissen! Wer nach dem Zitat sucht findet ein Artikel der 0.0 mit Impfungen zu tun hat. Das Zitat beschreibt Zellinterne Vorgänge mit der eigenen RNA. Was das Zitat einfach meint: Fehlregulationen im Körper können dazu fehlerhafter oder extremer Zellvermehrumg führen. Die Ursache wird klar benannt und hat absolut nichts mit fremder rna zu tun sondern ist natürlichen Ursprungs, was jeder weiss der sich etwas mit Biologie auskennt!
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  • Kommentar von Amina Moser  (Amina)
    Afrika ist wenig aussagekräftig. Wechselwirkungen einer Impfung mit anderen Medikamenten sind dort verschwindet gering sind. Die dortige Bevölkerung hat weniger Zugang z.B. zu Diabetes-, Bluthochdruckmedikamenten. Patientenrechtsorganisation bei Impfschäden gibt es ohnehin auch keine.
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    1. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Diese Meinung kann ich nicht teilen. Wenn das so wäre würde man idiese klinischen Studie nicht in Afrika durchführen. Und falls es so wäre ist es für Afrika trotzdem sehr wohl aussagekräftig.
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