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Tansania hat eine Million Impfdosen erhalten
Aus SRF 4 News aktuell vom 27.07.2021.
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Erste Impfdosen eingetroffen Tansanias neue Präsidentin verfolgt eine neue Corona-Politik

Im ostafrikanischen Tansania sind erste Impfdosen eingetroffen, jetzt läuft auch dort die Impfkampagne an. Möglich sei dies dank Präsidentin Samia Suluhu Hassan, sagt SRF-Afrikakorrespondent Samuel Burri. Ihr Vorgänger John Magufuli hatte die Gefahr durch das Coronavirus heruntergespielt und weder auf Quarantänemassnahmen noch auf Tests oder Masken gesetzt.

Samuel Burri

Samuel Burri

Afrika-Korrespondent

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Samuel Burri berichtet seit 2017 für SRF über das Geschehen in Afrika. Er lebt in Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Der studierte Historiker war vor seinem Engagement bei SRF als freier Journalist in Ghana und Westafrika tätig.

SRF News: Vollzieht die neue Präsidentin Tansanias, Samia Suluhu Hassan, eine Kehrtwende in Sachen Coronapolitik?

Samuel Burri: In der Tat zeichnet sich seit einigen Wochen eine neue Coronapolitik ab. Präsidentin Hassan zeigte sich schon kurz nach dem Tod Magufulis im März in der Öffentlichkeit mit einer Gesichtsmaske. Sie gründete auch eine Covid-Taskforce.

Zuvor wurden unter Magufuli nach dem Mai 2020 keine Zahlen zu Coronainfektionen mehr veröffentlicht, über die Pandemie durfte kaum gesprochen werden. Als Gegenmittel empfahl er Dampfinhalationen. Für die Menschen in Tansania ist die neue Corona-Politik sicher eine Erleichterung – endlich kann man über den Elefanten im Raum sprechen.

Legende: Präsidentin Samia Suluhu Hassan zeigt sich – im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Magufuli – in der Öffentlichkeit mit Maske. Reuters

Tansania hat jetzt eine Million Impfdosen des Johnson&Johnson durch die Covax-Initiative erhalten, von dem nur eine Injektion nötig ist. Wie aber steht es um die Impfbereitschaft in der Bevölkerung?

Viele Leute haben wegen Covid-19 Familienmitglieder oder Freunde verloren. Man weiss also, dass das Virus gefährlich sein kann. Die jetzt erhaltene Impfstoffmenge reicht, um rund zwei Prozent der Bevölkerung zu impfen. Da spielen Impfskeptiker wohl noch keine so grosse Rolle.

Magufuli soll gerüchteweise an Covid-19 verstorben sein.
Autor:

Klar ist aber auch, dass es überall Impfskeptiker gibt. Und der im März verstorbene Magufuli hätte sich sicher nicht impfen lassen – auch wenn er gerüchteweise an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben sein soll. Und ob sich Präsidentin Hassan öffentlich impfen lassen wird, wird sich noch zeigen.

Welchen Einfluss hat die neue Coronapolitik der Präsidentin auf die Stimmung im Land?

Die Stimmung ist allgemein viel entspannter. Man spricht jetzt offen über die Pandemie und die grassierende dritte Coronawelle. Noch vor vier Monaten herrschte eine sehr angespannte Atmosphäre. Jemand aus Tansania erzählte mir damals, man dürfe bei einem Todesfall niemandem sagen, dass Covid-19 die Ursache war. Man durfte auch nicht öffentlich trauern oder gar wütend auf die Regierung sein, die nichts gegen die Pandemie unternahm. Das hat sich unterdessen völlig geändert.

Hassan macht also vieles anders als ihr Vorgänger – doch Oppositionelle lässt sie weiterhin festnehmen. Ist also doch nicht alles neu in Tansania?

Erst dieser Tage wurde Oppositionsführer Freeman Mbowe verhaftet und Anklage wegen Terrorismus gegen ihn erhoben. Er soll mit einem Treffen gegen Corona-Auflagen verstossen haben. Hassan macht also nicht alles anders als ihr Vorgänger. Doch das kann sie auch nicht. Denn das System Magufuli, in dem die Opposition massiv drangsaliert wird, herrscht immer noch in Tansania.

Das System Magufuli herrscht immer noch in Tansania.
Autor:

Man darf nicht vergessen: Hassan kam als Magufulis Vizepräsidentin mit eher repräsentativen Funktionen nach dessen Tod völlig überraschend an die Macht. Sie kann jetzt nicht alles auf einen Schlag ändern – und sie will das wohl auch nicht. In Tansania ist immer noch dieselbe Regierungspartei an der Macht mit denselben Ministern, es ist auch immer noch derselbe Geheimdienst. Es ist bloss eine neue Präsidentin – nicht ein neues Tansania. Und das spürt auch die Opposition.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

SRF 4 News aktuell, 27.07.2021, 06:40 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Stoller  (Adrian Stoller)
    Ich war vor 2 Monaten in Tansania (Zanzibar) in den Ferien. Keine Masken oder sonstige Regeln. War wunderbar.
    Und habe mit etlichen Leuten gesprochen. Die wirtschaftliche Situation ist für die meisten viel wichtiger. Es herrscht Armut. Corona ist kein grosses Thema. Im Gegenteil sie ärgern sich über die westliche Berichterstattung über Tansania. Das schreckt viele Touristen ab.
    Die Aussagen im Interview kann ich also nicht bestätigen.
    1. Antwort von Andreas Dante  (Marwin Darx)
      Herr Stoller, sollten Sie genügend Menschen aus Tansania befragt haben und darüber hinaus eine statistische Stichprobe aus der Bevölkerung getroffen haben, müssen Sie Ihre Erkenntnisse unbedingt als Studie veröffentlichen.
      Konnten Sie denn einen signifikanten Unterschied zw. der Swahili-Küste und dem Hinterland feststellen?
    2. Antwort von Adrian Stoller  (Adrian Stoller)
      Es ist keine Studie. Einfach mein persönlicher Eindruck in Sansibar.
    3. Antwort von Andreas Dante  (Marwin Darx)
      Entschuldigen Sie, es klang so als ob Sie mit strukturiertem Fragebogen und einem Gespür für die demographische Prävalenz durch das schöne Tansania gezogen sind.

      Aber haben Sie zumindest innerhalb der verschiedenen Bevölkerungs- und Sprachgruppen unterschiede vernommen?
    4. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Ich würde doch annehmen, dass allen Sprachgruppen das wirtschaftliche Überleben gleich wichtig ist. Über eine Milliarde Menschen hat durch die Pandemie ihre Lebensgrundlage verloren. Die Grenzen dicht zu machen und Lockdowns über Leute zu verhängen, die von der Hand in den Mund leben, und letztendlich doch steigende Infektionen und Tote erdulden müssen, wie zur Zeit in Thailand, kann es ja auch nicht sein. Zumal es für diese Länder schlicht keine Impfungen gibt, die brauchen wir ja selber…