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International Erste Peschmerga-Kämpfer auf dem Weg nach Kobane

Die ersten zur Verteidigung der seit Wochen belagerten syrischen Grenzstadt Kobane entsandten Peschmerga sind in der Türkei eingetroffen. Reichen die 150 zusätzlichen kurdischen Kämpfer, um den IS zu vertreiben?

Legende: Video Hilfe für Kobane naht abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.10.2014.

Rund 70 kurdische Peschmerga aus dem Irak landeten in der Nacht zum Mittwoch auf einem Flughafen im südtürkischen Sanliurfa.

Einer AFP-Reporterin zufolge brach ein Konvoi aus drei Bussen nach der Landung unverzüglich zur rund 50 Kilometer entfernten türkisch-syrischen Grenze auf. Begleitet wurden die Peschmerga von fünf Fahrzeugen der türkischen Armee und Polizei. Die Strasse wurde eigens für diesen Zweck abgesperrt.

Militärkonvoi aus Erbil

Am Dienstag war zudem ein Militärkonvoi mit 80 weiteren Kurdenkämpfern vom nordirakischen Erbil in Richtung Kobane aufgebrochen. Ein kurdischer Offizier sagte, der Konvoi aus 40 Lastwagen habe Waffen geladen, darunter Artilleriegeschütze und Maschinengewehre.

Die kurdischen Einheiten in Kobane sollen auf diesem Weg erstmals Unterstützung durch ihre Verbündeten aus dem Nordirak erhalten. Unter dem Druck der USA hatte Ankara in der vergangenen Woche erlaubt, dass rund 150 Peschmerga über türkisches Territorium nach Kobane gelangen können.

Erstmals schwere Waffen auf kurdischer Seite

Die Terrorgruppe Islamischer Staat habe in den letzten Tagen mehrmals versucht, den Korridor zwischen der türkisch-syrischen Grenze und Kobane einzunehmen, sagt der Journalist Thomas Seibert in Istanbul. Das sei aber gescheitert. Die Verstärkung aus dem Irak dürfte also in Kobane eintreffen.

Die Peschmerga-Kämpfer seien eine grosse psychische Verstärkung der seit Wochen belagerten Kurden in Kobane. Zudem bringen die irakischen Verbündeten offenbar schwere Waffen. «Jetzt können sich die Kurden wehren», sagt Seibert. Mit Artilleriefeuer könne der Belagerungsdruck etwas gemildert werden. «Dass man den IS damit ganz zurückschlagen kann, das erwartet keiner.» Der Preis für eine Einnahme der Kurdenstadt dürfte aber so weit steigen, dass der sogenannte Islamische Staat eine Belagerung aufgeben könnte.

Schwierige Beziehungen

Für das späte Eintreffen von Verstärkung aus den Kurdengebieten im Irak ist das schwierige Verhältnis der türkischen Regierung zu den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Kobane verantwortlich. Die YPG sind der bewaffnete Arm der kurdisch-syrischen Partei der Demokratischen Union (PYD), der Schwesterorganisation der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Ankara stuft PKK und PYD als «Terrororganisationen» ein. Die YPG-Kämpfer stehen ihrerseits einer Unterstützung durch die Peschmerga skeptisch gegenüber.

IS-Kämpfer versuchen seit Wochen, Kobane zu erobern. Die Grenzstadt im Norden Syriens ist zu einem Symbol im Kampf gegen den IS geworden, der weite Teile Syriens und des Irak unter seine Kontrolle gebracht hat und dort Gräueltaten an der Zivilbevölkerung begeht.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler, Langnau am Albis
    Schade, das die "schöne, säkulare Türkei Attatürks" durch die Politik Erdogans in "Türk-IS" verwandelt werden könnte. Die Anfangs-Unterstützung des IS Staates durch Erdogon und die Haltung gegen PYG und PKK lassen die gute Hoffnung schwinden.
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die Politik Erdogans wird die Türkei im Gegensatz zur EU ausbaden müssen.Sind schon 1,5 Millionen Flüchtlinge in der TR.Laut Grünen-Politikern wäre das kein Problem. Nur sieht die Realität da ein wenig anders aus. Ein Teil der türkischen Bevölkerung hat viel Sympathie mit dem IS.Die Hassprediger aus KSA/Katar haben ganze Arbeit geleistet.In einigen Vierteln Istanbuls hängen die Flaggen des Kalifats schon an jeder Ecke. Entweder ist Erdogan dumm oder er ist tatsächlich ein Islamist. Oder beides.
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Die Infos. von SRF in Bez. auf die "schwierigen Beziehungen zwischen YPG u. Peschmerga sind von E. Erdogan anlässlich seines Besuchs an der türk./syrischen Grenze erwähnt worden um zu verheimlichen, dass die türk. Regierung bis zu letzt versucht den Grenzübertritt der Peschmerga nach Kobane wenn nicht zu verhindern, so doch zu verzögern. Die YPG/PKK hat die Reg.Regierung in Erbil um Unterstützung durch die Peschmerga bei der Verteidigung von Til Kocer gebeten u. unverz. erhalten. Mit Erflolg.
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    1. Antwort von Osman Erdogan, Fällanden
      Solange die Türkei für alles Schuld ist, können wir uns die Hände in Unschuld waschen... Herzlichen Glückwunsch !
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @O. Erdogan: Meinen Kommentar stützt sich auf ein Interview das der Vorsitzende der PYD (=YPG) Salih Müslim gegenüber CNNTUERK abgab: "Wir zweifeln nicht am Willen unserer Brüder, der Peschmerga un der Regierung in Erbil. Wir verstehen jedoch nicht, wieso die Regierung in Ankara seit 2-3 Tagen id Ueberquerung der Grenze für die Peschmerga behindert wird. (Vermutlich musste Erdogan erst die Baufortschritte seinens neuen Palastes begutachten u. fand deshalb noch keine Zeit....Sarkasmus aus)
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