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Eskalation Handelsstreit «China will die Abhängigkeit von den USA verringern»

Legende: Audio «Es trifft Produkte, die auch andere Ländern liefern können, zum Beispiel Sojabohnen» abspielen. Laufzeit 05:15 Minuten.
05:15 min, aus SRF 4 News aktuell vom 06.07.2018.

Der Streit um Zölle zwischen den USA und China hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Und es ist kein Ende weiterer Strafmassnahmen absehbar. Was bedeuten die Zölle für Chinas Wirtschaft und was beabsichtigt die chinesische Regierung mit ihrem Kurs? Antworten liefert ARD-Korrespondent Steffen Wurzel.

Steffen Wurzel

Steffen Wurzel

ARD-Korrespondent in Shanghai

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Seit September 2016 ist Wurzel als Korrespondent im ARD-Hörfunkstudio Shanghai schwerpunktmässig zuständig für die Wirtschaftsberichterstattung aus China.

SRF News: Wie gravierend sind US-Zölle für chinesische Wirtschaft?

Steffen Wurzel: Betroffen sind vor allem chinesische Technikprodukte, die man als Konsument in den USA nicht konkret kaufen kann – also Spezialbauteile wie Computerchips und nicht fertige Smartphones oder Fernsehgeräte. Aber: In China werden einige spezialisierte Firmen durchaus unter den US-Zöllen leiden, aber nicht die chinesische Wirtschaft insgesamt. Dafür ist das Volumen doch zu klein.

China reagiert nun seinerseits mit Zöllen, auf Agrarprodukte oder auch Autos. Wie wirkungsvoll sind solche Gegenzölle?

Chinas Staats- und Parteiführung hat ganz genau darauf geachtet, dass es Produkte – wie Fleisch oder Getreide, Obst und Soja - betrifft, die ersatzweise auch aus anderen Ländern geliefert werden können. Da stehen Lieferanten aus anderen asiatischen Ländern schon Schlange, und China umgarnt diese Nachbarstaaten, wie Bangladesch, Laos oder Südkorea, auch schon. Es ist sogar schon von zollfreien Importen die Rede. Was die Führung in Peking damit erreichen will ist klar, nämlich die Abhängigkeit von US-Importen langfristig verringern.

Was die Autos betrifft, so sind nicht nur jene aus den USA betroffen, sondern auch deutsche wie Mercedes oder BMW, die in USA SUVs auch für China produzieren. Diese werden nun auch mit chinesischen Strafzöllen belegt.

US-Präsident Donald Trump will weitere Zölle erheben. Wird Peking mit neuen Zöllen darauf reagieren?

Das hat die Führung in Peking bereits angekündigt. Gleichzeitig wird China mit aller Macht auch folgende zwei Dinge versuchen: erstens hinter den Kulissen weiter mit den USA zu verhandeln und zweitens eine Art Propagandaschlacht zu starten, um sich als grosse Freihandelsnation darzustellen. Also als das, was Partei- und Staatschef Xi Jinping vor eineinhalb Jahren in seiner vielbeachteten Rede am WEF in Davos gesagt hat.

Doch das stimmt nicht: China ist nach wie vor eines der am meisten abgeschotteten Wirtschaftssysteme der Welt und der Trend geht in vielen Bereichen sogar zu noch mehr Abschottung.

Lässt es sich noch vermeiden, dass aus diesem Handelsstreit ein regelrechter Handelskrieg wird – mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft?

Handelskrieg ist dann, wenn das Wirtschaftswachstum der betroffenen Staaten erheblich absinkt. Da reichen die heute verhängten Zölle und Gegenzölle noch nicht aus. Aber klar ist, dass China alles tun wird, um andere Märkte und Handelspartner aufzutun. Und das könnte mittel- und langfristig zumindest zu einer Verschiebung der Wirtschaftsströme führen.

Die Fragen stellte Roger Aebli.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Schneider-Ammann sieht Freihandel mit China auf Kurs und ist begeistert, dass er diesen Deal geschafft hat. Bin davon nicht ganz überzeugt. Man macht sich auch sehr abhängig mit den Freihandelsabkommen. Der Welthandel spielt zurzeit Achterbahn, da fragt man sich mit wem ist man noch auf der sicheren Seite. China will hoch hinaus und vereinnahmt und kauft Firmen auch in der Schweiz. Das werden wir noch bereuen. Unser Nowhow wird schaden nehmen. Billig einkaufen ist nicht das gelbe vom Ei.
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  • Kommentar von Roland Kull (kurol)
    Das Ganze ist nicht so einfach. China verfolgt eine klare "Einweg Volkswirtschaft" die nur ihr selbst dient. Viele Firmen scheitern in China. Auch, weil Wirtschaftsspionage an der Tagesordnung ist und die Reziprozität nicht existiert. China baut und plant klammheimlich an einem weltumspannenden Abhängigkeitsnetz - u.a. mit tiefst verschuldeten Länder. Mal sehen, ob alle weiterhin so jubeln, wenn in ca. 25 Jahren der Markt wirtschaftlich und militärisch dominiert wird.
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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    Mir scheint, dass DT's Image vielen die sachliche Betrachtung von US-Massnahmen verwehrt. Es ist nicht alles einfach nur schlecht, nur weil es von der derzeitigen US-Administration stammt.
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    1. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Doch, ist es, weil es nicht auf Überlegung, Sachlichkeit Fachkompetenz beruht, sondern auf der mangelnden Impulskontrolle von DT und Wahllosigkeit der Mittel.
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