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Militärische Eskalation in Äthiopien
Aus Tagesschau vom 12.11.2020.
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Eskalation in Tigray Konflikt in Äthiopien spitzt sich weiter zu

  • In Äthiopien hat das Militär nach Angaben der Regierung Teile des abtrünnigen Bundesstaates Tigray unter seine Kontrolle gebracht.
  • Die feindlichen Truppen in der westlichen Region von Tigray seien besiegt worden, twitterte Ministerpräsident Abiy Ahmed am Donnerstag.
  • Die Regionalregierung in Tigray hat offenbar den Ausnahmezustand ausgerufen.

Abiy wirft den Tigray-Kämpfern Gräueltaten während der vor einer Woche ausgebrochenen Kämpfe vor, die die Region zu destabilisieren drohen. Ihm zufolge wurden Anfang November mehrere Regierungssoldaten in der Stadt Sheraro mit hinter dem Rücken gefesselten Beinen und Armen erschossen aufgefunden. Er beschuldigt die Tigray-Kämpfer zudem, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Laut staatlichen Medien kündigte Verteidigungsminister Kenea Yadeta an, in den von der Armee kontrollierten Teilen eine Übergangsverwaltung einzusetzen. Zudem habe das äthiopische Parlament 39 Mitgliedern – darunter dem Tigray-Regionalpräsidenten Debretsion Gebremichael – die Immunität vor Strafverfolgung entzogen.

Eine Reaktion der Tigray Volksbefreiungsfront TPLF, die den gebirgigen Bundesstaat im Norden des nordostafrikanischen Landes regiert, lag zunächst nicht vor. Allerdings verkündete die Regionalregierung den Ausnahmezustand, wie ihr Sender Tigray TV berichtete. Ziel sei es, sich gegen eine Invasion zu verteidigen, zitierte der Sender aus einer Erklärung.

Humanitäre Krise befürchtet

Die TPLF beschuldigt die Armee, bei der Bombardierung von Tigray «gnadenlos» vorzugehen. Seit Beginn der Kämpfe sind mehr als 10'000 Menschen aus Äthiopien in den Sudan geflohen. Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe. «Tigray ist von allen Nachschubwegen abgeschottet», sagt der Landesdirektor der Welthungerhilfe in Äthiopien, Matthias Späth, der Deutschen Presse-Agentur.

In der Region im Norden Äthiopiens gebe es ohnehin mindestens 600'000 mangelernährte Menschen; diese – sowie der Rest der Bevölkerung dort – seien nun für Helfer nicht mehr erreichbar. Die Vertreterin des UN-Flüchtlingshilfswerks in Äthiopien, Ann Encontre, sagte gegenüber Reuters, dass mit beiden Seiten Verhandlungen über die Öffnung von Versorgungskorridoren im Gange seien.

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Steht Äthiopien vor einem Bürgerkrieg?
aus Rendez-vous vom 12.11.2020.
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Über die Lage vor Ort ist weiter nur wenig Konkretes bekannt, da Internet und Telefonverbindungen unterbrochen und laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) die Strassen blockiert und die Stromversorgung gekappt sind.

Konflikt schwelt seit Jahren

In Tigray mit seinen mehr als fünf Millionen Einwohnern liefert sich die Zentralregierung in Addis Abeba seit Jahren einen Konflikt mit der TPLF. Dabei geht es um ethnische Spannungen zwischen den Tigrayern, die das Land über Jahrzehnte kontrolliert hatten, und Ministerpräsident Abiy Ahmed aus der Bevölkerungsmehrheit der Oromo.

Abiy ist seit April 2018 Ministerpräsident Äthiopiens. Der von ihm gebildeten Einheitsregierung trat die TPLF seinerzeit nicht bei. Abiy wurde für seine Bemühungen um eine Aussöhnung mit dem benachbarten Eritrea 2019 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er hat Äthiopien wirtschaftlich und politisch geöffnet, die ethnischen Unruhen aber nicht in den Griff bekommen. Mit der vor einer Woche begonnenen Militäroffensive Abiys gegen die Rebellengruppe und Regierungspartei von Tigray hat sich der Konflikt zugespitzt.

Tagessschau, 12.11.2020, 12:45 Uhr;

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