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International EU befürchtet Gas-Lieferstopp

Die EU sorgt sich um die Lage in der Ukraine: Tausende Zivilisten in der Ostukraine benötigen dringend humanitäre Hilfe. Wegen möglicher ukrainischer Sanktionen gegen Russland könnten auch die Gaslieferungen nach Europa versiegen.

Legende: Video Menschen fliehen aus Lugansk abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 13.08.2014.

Die EU-Staaten blicken mit Sorge auf die Situation in der Ukraine. Die Botschafter für Sicherheits- und Verteidigungspolitik sind sich einig, dass sich die humanitäre Lage bessern muss, wie es nach einem Treffen in Brüssel hiess.

Sanktionen «keine gute Idee»

Das ukrainische Parlament hatte am Dienstag ein Sanktionspaket gegen Russland beschlossen, das möglicherweise zu einem Stopp russischer Öl- und Gaslieferungen nach Westeuropa führen könnte. Dazu sagte ein Diplomat: «Darüber ist man sehr besorgt und hält es nicht für eine gute Idee.»

EU-Energiekommissar Günther Oettinger sagte, er habe mit der ukrainischen Führung telefoniert, er hoffe, dass Kiew ein verlässlicher Partner bleibe. Am Donnerstag will das Parlament definitiv über die Sanktionen entscheiden. Russland bedient etwa einen Drittel des europäischen Gasbedarfs, der grösste Teil davon fliesst via ukrainische Pipelines gegen Westen.

Umstrittener Hilfskonvoi aus Moskau

Zur humanitären Situation sagte ein EU-Sprecher, Hilfe müsse «in vollem Respekt des internationalen humanitären Rechts (...) und mit der klaren Zustimmung der ukrainischen Behörden» geleistet werden.

Er meinte damit den russischen Hilfskonvoi aus 280 Lastwagen, der heute die ukrainische Grenze erreichen soll. Angeblich transportieren sie 2000 Tonnen Hilfsgüter für die umkämpften Gebiete in der Ostukraine.

André Lörsch vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bestätigte, dass es eine grundsätzliche Einigung aller Seiten gebe, dass die Hilfsgüter an der Grenze dem IKRK übergeben würden. Der Weitertransport sei dann Sache des IKRK unter den Bedingungen des IKRK. Man werde die Güter prüfen und danach an die Bedürftigen weiterleiten.

Damit ist noch nicht geklärt, ob die russischen Lastwagen die Grenze passieren dürfen. Die ukrainische Führung besteht darauf, dass der Konvoi nicht ins Land gelassen wird. Die Güter müssten an der Grenze umgeladen werden, damit sichergestellt sei, dass keine Waffen für die ostukrainischen Separatisten ins Land geschmuggelt würden.

Russlands Aussenminister Lawrow sagte, man habe alle ukrainischen Bedingungen erfüllt, diese öffentlichen Erklärungen der ukrainischen Führung seien daher unverständlich.

Heftige Kämpfe in der Region von Lugansk

Die prorussischen Aufständischen wollen, dass die Hilfsgüter zunächst in die Grossstadt Lugansk gebracht werden. Dort würden sie am dringendsten benötigt, sagte Separatistenführer Andrej Purgin.

Der Regierung in Kiew warf er vor, alles zu tun, um die Lieferung nach Lugansk zu verhindern. Die Lage in der Grossstadt mit rund 250'000 Einwohnern gilt als besonders dramatisch. Der Ort ist seit zehn Tagen von der Wasser- und der Stromversorgung abgeschnitten.

Derweil gingen die Kämpfe in der Ostukraine mit unverminderter Härte weiter. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko machte sich am Dienstag bei einem Besuch an der Front ein Bild von der Lage.

Legende: Video Einschätzung von SRF-Korrespondent Christoph Franzen abspielen. Laufzeit 01:53 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 13.08.2014.

In mehreren Orten lieferten sich Regierungstruppen und Separatisten Gefechte. Die Armee eroberte eine wichtige Verbindungsstrasse zwischen Gorlowka und Donezk.

Auf beiden Seiten habe es Tote und Verletzte gegeben, sagte ein Armeeexperte in Kiew. Zudem nahmen die Truppen die auf einer wichtigen Eisenbahnlinie gelegene Ortschaft Uglegorsk ein, wie Poroschenko mitteilte.

Beide Seiten berichteten auch von schweren Kämpfen um die Ortschaft Miussinsk nahe Lugansk. Ebenso umkämpft sei Ilowaisk südöstlich der Separatistenhochburg Donezk, die ebenfalls unter Beschuss stand. Die Aufständischen berichteten zudem von weitreichenden Stromausfällen.

Kiews Hilfskonvoi

Inmitten des Streits um den russischen Hilfskonvoi schickt die Regierung in Kiew nun eine eigene Ladung Hilfsgüter ins umkämpfte Krisengebiet Donbass. Der Konvoi soll am Donnerstag aufbrechen. Die Einzelheiten seien mit dem Roten Kreuz abgesprochen.

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83 Kommentare

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  • Kommentar von R. Haechler, AG
    Die rechtliche Grundlage um solche Sanktionen einzuführen wurden heute vom Parlament in der Ukraine angenommen. Was hat Frau V. Nuland schon wieder gesagt – Fu.. the EU – here we go … ;)
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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Die Infos über den Abschuss von MH17, werden wohl auch bewusst zurück gehalten, da man den stattfindenden Krieg nicht stoppen will. Hätte man nur einen kleinen Hinweis darauf, dass es Russland od. die Separatisten gewesen wären, wären die Zeitungen schon längst voll davon. heise.de hat übrigens MH17 nicht vergessen und hat interessante Berichte.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Schön zu sehen, dass dies da mit der MH17 auch Ihnen aufgefallen ist. Langsam glaube ich, dass dieser Abschuss gar nicht den Rebellen, sondern der Ukrainer angelastet werden muss. - Logisch, dass man dies dann unter den Teppich kehren möchte. Es wäre nämlich doch allzu peinlich.
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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Bomben auf das eigene Volk. Verweigerung von Hilfslieferungen (Wasser, Nahrung, Medikamente) für das Volk, gezielte Zerstörung von Trinkwasser und Abwasser (bewusste Verseuchung der Gewässer). Das gezielte bombardieren von Chemiefabriken wie z.B. Stirol (bewusste Verseuchung) sind alles Kriegsverbrechen und werden einfach so von der EU mitten in Europa toleriert. Muss mir Keiner mehr sagen, dank der EU hätten wir Frieden in Europa. Die EU-Machthaber zeigen immer mehr ihr wahres Gesicht
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