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EU-Wiederaufbaufonds: zweifelhafte Projekte in Italien
Aus Tagesschau vom 16.07.2020.
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EU-Wiederaufbaufonds Italien will mit Corona-Milliarden Investitionsruinen beleben

Programmatisch ist zumindest der Name: «Sblocca Cantieri» soll im Rahmen des Corona-Wiederaufbauplans der Regierung in Rom 130 strategische Grossbaustellen in Gang setzen. Diese ruhen seit Jahrzehnten als Projekte in Schubladen oder stehen als unfertige Bauwerke und deutliche Mahnung für verschwendete Steuergelder in der Landschaft.

Seit 35 Jahren verwaist

Ein Grossteil der nötigen Gelder für diese bauliche Wiederbelebung soll aus dem «Recovery Fund» stammen, den die EU-Mitglieder jetzt schnüren müssen. Italien zählt dabei auf 180 Milliarden Euro. Davon sollen 65 Milliarden in den Ausbau von Strassen, Eisenbahnen und erneuerbarer Energien fliessen.

Eines der Projekte beginnt auf einem riesigen leeren Parkplatz in Matera, der letztjährigen Kulturhauptstadt Europas. Hier in der süditalienischen Basilikata steht ein Bahnhof, der seit 35 Jahren noch immer auf den Anschluss ans nationale Eisenbahnnetz wartet.

20 Kilometer Schienen fehlen noch

Nicola Pavese kämpft mit seiner Bürgerinitiative «Matera Ferrovia Nazionale» bislang vergeblich auf die Vollendung dieses Infrastrukturprojekts: «Es ist doch unglaublich: Das nationale Gleisnetz ist nur 20 Kilometer entfernt. Der Traum Materas eines direkten Eisenbahnanschlusses dagegen ist über hundert Jahre alt!»

Damit der Traum aber wahr wird, fehlen noch 20 Kilometer Schienen. Denn der Gleisverlauf ist komplett fertig mit Viadukten und aufwendigen Brückenkonstruktionen. Ebenso fertiggestellt ist ein sechs Kilometer langer Tunnel, der zum Anschlussbahnhof Ferrandina der Fernbahnstrecke Taranto-Salerno führt.

Baubeginn war schon Mitte der 80er-Jahre. Die Kosten belaufen sich bislang auf 20 Millionen Euro – pro Baukilometer. Wechselnde politische Mehrheiten und Projektänderungen haben die Baukosten auf zuletzt 400 Millionen Euro anschwellen lassen.

Hoffnung auf Vollendung

Nicola Pavese läuft über den Bahndamm, der stellenweise wie eine geradlinige Autobahn die Landschaft durchschneidet. Nur wachsen aus der Betonverschalung armdicke Feigen- und Olivenbäume. Der Begründer der Initiative «Eisenbahn für Matera» hofft, dass mit den EU-Hilfen für die Coronakrise dieser Bau jetzt endlich fertig wird.

Ein Viadukt steht unbenutzt in der Italienischen Landschaft
Legende: Das fertige Viadukt wartet auf 20 Kilometer Schienen. SRF

«Es ist so wichtig, dass der letzte Bauabschnitt jetzt von Brüssel finanziert wird. So fühlt sich auch Europa in der Pflicht, das in Süditalien, die Basilikata und Matera endlich modernisiert werden», findet Pavese. Doch am Busbahnhof in Matera, dem einzigen funktionierenden öffentlichen Verkehrsmittel, das die Stadt mit der Eisenbahn Taranto-Salerno verbindet, mehren sich die Zweifel.

«Europa muss hier das Sagen haben»

«Ich glaube nicht an den Schienenanschluss. Hier wird immer nur viel geredet und versprochen, aber wenig getan», meint eine Frau. Und ein junger Mann fügt hinzu, als er um die mögliche Anschubfinanzierung aus Brüssel gefragt wird: «Jeder Cent muss kontrolliert werden, jeder Kilometer, bevor er bezahlt wird. Ab jetzt muss Europa hier das Sagen haben.»

Ein Abstellgleis wird von Pflanzen überwachsen.
Legende: Manche Anwohner glauben nicht mehr an eine Vollendung des Schienenbauprojekts. SRF

Der schnelle Eisenbahnanschluss existiert bislang nur als Logo – auf den Bussen des regionalen Verkehrsverbunds. Die neuen finanzielle Aussichten in Folge der Coronakrise aber befeuern das Projekt neu. Brüssel und der EU kann das noch teuer zu stehen kommen.

Tagesschau, 16.07.2020, 19:30 Uhr

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Mit den Coronamillionen alte Investitionsruinen beleben. Und die EU Staaten zahlen dafür.
    Alte seit Jahrzehnten stillliegende Objekte. Nichts wurde mit all den Geldern bisher gemacht. Auch Spendengelder von Privatpersonen und Hilfsorganisationen versickern im Nirgendwo. Nur ein Beispiel, Amatrice, wo sind die Millionen.? Viele Menschen wohnen noch in Behelfsunterkünften. Und jetzt sollen sie Milliardenhilfe bekommen. Und Herr Conte ruft noch zur Solidarität auf.
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  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Man soll bekanntlich schlechtem Geld kein gutes hinterher werfen. Was seit Jahrzehnten in Italien, aber nicht nur dort, mit Infrastruktur-Entwicklungsgeldern aus der EU abgeht, ist unfasslich. Da werden sinnlose Projekte geplant und schliesslich aus der EU-Brüssel-Kasse finanziert. Derweil fehlt es in zumindest einem der Geberländer, um die eigene Infrastruktur zu erhalten. Nur gut, müssen die Schweizer nicht zuschauen, wie ihr hart erarbeitetes Geld irgendwo in der EU den Bach runtergeht.
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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Die Idee, dass alles besser wird wenn die EU das Sagen hat (Portugal, Spanien usw) ist bald 30 Jahre alt. Heute wissen wir es besser. Wenn solche Regionen ihre Infrastrukturprobleme nicht in den Griff bekommen, dann sind es die Hausaufgaben, die nicht gemacht sind. Die EU kann da nicht helfen. Nur Geld verlochen. Diese Leute müssen ihre Probleme selber lösen.
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