Zum Inhalt springen

Header

Audio
Die Brexit-Galionsfigur ist zurück
Aus Rendez-vous vom 16.05.2019.
abspielen. Laufzeit 04:18 Minuten.
Inhalt

Europawahlen 2019 und Brexit Nigel Farage ist auferstanden

Mit den Europawahlen kommt der Ex-Ukip-Chef wieder in Schwung. Die einzige Botschaft seiner neuen Partei: Brexit now!

In einer Woche gehen die Briten an die Urne. Sie wählen Abgeordnete für eine Institution, die sie eigentlich schon verlassen haben sollten. Der Sieger der britischen EU-Wahl steht wohl schon fest: die brandneue Brexit-Partei von Nigel Farage.

An einer Wahlveranstaltung im Europawahlkreis von Yorkshire and the Humber trat der Politiker Anfang Woche auf. Der Schauplatz klingt vielversprechend: John Smith Fussball- und Rugby-Stadion von Huddersfield. Benannt nicht nach dem verstorbenen Labour-Politiker, sondern nach einer lokalen Brauerei.

Doch es handelte sich nicht um eine Sportarena für Tausende, sondern um einen Empfangsraum für zwei- bis dreihundert Anhänger und Neugierige.

Wahlkampf von Nigel Farage in Huddersfield.
Legende: Nigel Farage traf in Huddersfield mit seiner neuen Brexit-Partei auf ein einig Publikum. imago images/Archiv

Unter ihnen auch Brendan, ein kahler älterer Herr. Warum ist er gekommen? «Das Verhalten unserer Politiker und des Establishments hat uns verraten», klagt er. So könne er zeigen, wie verschaukelt er sich fühle und dass er sich damit nicht abfinde.

Tony und Sandra, die jeweils gemeinsam sprechen, sind auch enttäuscht. Er arbeite, seine Partnerin sei Rentnerin. Die Regierung kümmere sich nicht um Leute wie sie.

Das Verhalten unserer Politiker und des Establishments hat uns verraten.
Autor: BrendanBrexit-Anhänger

Nigel Farage, siebenfach gescheiterter Parlamentskandidat, Absolvent einer Privatschule und ehemaliger Rohstoffhändler an der Börse, bietet sich erneut als Retter an. So wie er vor über sechs Jahren mit seiner Ukip-Partei den damaligen Premierminister David Cameron ins EU-Referendum getrieben hatte, so fischt er heute mit seiner neuen Brexit-Partei in den trüben Gewässern von Frust und Entfremdung.

Widdecombe für «sauberen Bruch mit der EU»

Umfragen versprechen Farage rund ein Drittel aller Stimmen. Zu ihm gestossen ist die pensionierte konservative Politikerin Ann Widdecombe: Ihre Gegner behaupteten mitleidig, die Brexit-Anhänger hätten nicht gewusst, wofür sie stimmten. Dabei wussten sie es doch ganz genau.

Gemeinsame Sache für raschen Brexit: Ann Widdecombe and Nigel Farage.
Legende: Gemeinsame Sache für raschen Brexit: Ann Widdecombe and Nigel Farage. imago images/Archiv

«Wir wollen einen sauberen Bruch mit der EU», erklärt die einstige Spitzenpolitikerin, die ihr demagogisches Talent sichtlich geniesst. Also keinen lästigen Scheidungsvertrag, sondern einfache Lösungen für ein komplexes Problem.

Endlich betritt Farage die Bühne, halb Conférencier in einem englischen Seebad, halb Volkstribun: «Entweder hört Westminster die Botschaft, die es hoffentlich am nächsten Donnerstag erhält, oder aber die Brexit-Partei muss sich auf Wahlen vorbereiten, um die jetzigen Parteien zu ersetzen», ruft er ins Publikum.

«Wir wollen Brexit. Jetzt!»

Kleingeisterei war nie Farages Stil. Deshalb gibt es auch keine lästigen Parteimitglieder, bloss Anhänger. Grautöne sind verpönt. Das Autitorium verspricht Gefolgschaft und Hilfe. Are you with us? – Yes! – Will you help us? – Yes! Der Abend schliesst mit einem kehligen Chor: Wir wollen Brexit - und zwar sofort. «What do we want? Brexit! When do we want it? Now!»

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

29 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Romano  (roro)
    Bevor man/frau sich Nigel Farage und eine "Brexit-Partei" herbei wünscht, sollten sich alle einmal ernsthaft, und ich meine wirklich ernsthaft, über die Person(en) und deren Interesse informieren, welche hinter solchen Parteien oder dem "Brexit" stehen. Vielleicht müsste man auch einmal die Namen Arron Banks, Steve Bannen, Robert Mercer oder Cambridge Analytisch (bzw. entsprechende Folgefirma) genauer anschauen und über deren Machenschaften berichten. Deren Interesse ist für GB und EU fatal.
  • Kommentar von Urs Fries  (Stickel)
    Es ist genau umgekehrt. EU-Bürger (Polen, Rumänen, Bulgaren) strampeln zu Zehntausenden in GB um einen Job. Für Britannien gilt: Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Man muss kein Rechtspopulist sein, um zu diesem Schluss zu kommen. Mut und gesunder Menschenverstand genügen.
    1. Antwort von S. Borel  (Vidocq)
      Ja genau... und ich freue mich auf die Gesichter der Leave-Brits, wenn sie ihre öffentlichen Tioletten wieder selber putzen DÜRFEN und und und...
    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Borel, wie pathetisch... die Brits haben nie selber geputzt. Vor PFZ nicht und werden auch nach PFZ nie selber putzen. Das wissen Sie ganz genau. Das ehem Commowealth gibt immer noch genügende Putzer her.
    3. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      …genügen… und ein Riesenquantum Dummheit…
  • Kommentar von Marcel Chauvet  (xyzz)
    Komiker wie ein Farage oder Boris Johnson oder im unterirdischen Haus in Großbritannnien und solche in Italien, der Ukraine oder in den USA erfreuen sich offensichtlich eines dankbaren Wahlpublikums. Man könnte über die diese große Satire-Show lachen, ginge es nicht um die Schicksale von Millionen Menschen. Da fällt es einem richtig schwer, nicht ausfällig zu werden.
    1. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      In Sachen Komik ist letztlich Frau Angela Merkel unterwegs gewesen. Sie hat offenbar mit "furzenden Kühen" ein Problem ausgemacht. Mal sehen, wie die Kühe darauf reagieren.