Terror in Manchester Fahndungserfolge nach Razzien und Festnahmen

Nach dem Anschlag von Manchester hat die Polizei zwei weitere Männer festgenommen. Diese Verhaftungen seien bedeutsam, erklären die Behörden.

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Schweigeminute für Opfer

1:14 min, aus Tagesschau am Mittag vom 25.5.2017
  • Nach dem Terroranschlag in Manchester haben Polizeikräfte zwei weitere Männer festgenommen. Diese Festnahmen seien bedeutsam, sagte der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins, am Donnerstag.
  • Zudem wurden bei Razzien in den vergangenen Tagen «mehrere Gegenstände» sichergestellt. Diese seien für den Verlauf der Ermittlungen wichtig. Weitere Einzelheiten zu den sichergestellten Gegenständen machten die Behörden nicht.
  • Die Terror-Warnstufe bleibt gemäss Premierministerin Theresa May auf der höchsten Stufe «kritisch». Sie ruft die Öffentlichkeit zur Wachsamkeit auf.

Einem Bericht des TV-Senders ABC News zufolge hat die Polizei aber in der Wohnung des mutmasslichen Selbstmordattentäters eine Art Bombenwerkstatt entdeckt. Dort habe er offenbar genug Chemikalien gelagert, um weitere Bomben zu bauen. Gemäss dem Nachrichtenportal «The Independent» wurden bei weiteren Razzien Bomben-Materialien entdeckt. Ein verdächtiger Gegenstand sei dabei kontrolliert zur Explosion gebracht worden.

Der Grosseinsatz im Stadtteil Hulme in Manchester, bei dem ein verdächtiges Paket wurde, ist hingegen beendet. Es habe sich um einen Fehlalarm gehandelt – die Absperrungen würden aufgehoben, teilte die Polizei mit.

Mittlerweile befinden sich acht Personen in Haft. Zwei weitere Personen – der Bruder und der Vater des Attentäters – wurden in Libyen festgesetzt.

Ermittler machen einen 22-Jährigen für den Anschlag auf das Popkonzert der US-Sängerin Ariana Grande vom vergangenen Montag in der Manchester Arena verantwortlich. Der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins, hatte aber erklärt, er gehe davon aus, «dass es sich um ein Netzwerk handelt, dem wir nachgehen».

Der mutmassliche Attentäter kam beim Angriff ums Leben. Er riss mit einem selbst gebauten Sprengsatz 22 Menschen in den Tod – darunter viele Kinder und Jugendliche. Ausserdem wurden mindestens 59 Personen zum Teil schwer verletzt.

Spuren führen nach Deutschland

Die Spuren des mutmasslichen Selbstmordattentäters von Manchester führen derweil offenbar nach Deutschland. Er habe sich vier Tage vor dem Anschlag in Düsseldorf am Flughafen aufgehalten. Das berichtet das Nachrichtenmagazin «Focus» unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise.

Deutsche Ermittler untersuchen darüber hinaus einen weiteren Aufenthalt in Deutschland: So sei der mutmassliche Attentäter 2015 von Frankfurt am Main nach Grossbritannien geflogen. Zuvor habe er offenbar eine paramilitärische Ausbildung in Syrien durchlaufen; dies habe Scotland Yard dem Bundeskriminalamt (BKA) mitgeteilt, berichtete der «Focus». In internationalen Fahndungssystemen war er laut «Focus»-Informationen aber namentlich nicht erfasst. Er sei auch auf keiner Beobachtungsliste verzeichnet gewesen, auf der Reisebewegungen verdächtiger Islamisten erfasst werden.

Die Königin im Spital bei einem Opfer des Anschlags. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Queen besuchte derweil Opfer des Anschlags im Spital. Reuters

Höchste Terrorwarnstufe bleibt bestehen

Grossbritannien hat indes der Opfer des Selbstmordanschlags von Manchester mit einer Schweigeminute gedacht. Im ganzen Land hielten die Bürger um 11 Uhr Ortszeit zu Ehren der Opfer inne. Auf dem St.-Ann's-Platz im Zentrum von Manchester versammelten sich Menschen mit Kerzen, Blumen und herzförmigen Luftballons. Queen Elizabeth II. besuchte am Donnerstag einige der beim Terroranschlag von Manchester verletzten Kinder im Spital.

Die Terror-Warnstufe bleibt gemäss Premierministerin Theresa May auf der höchsten Stufe «kritisch». Sie ruft die Öffentlichkeit zur Wachsamkeit auf.

Briten wollen mit USA keine Geheimdienstinformationen mehr teilen

Bei der britischen Regierung wächst der Ärger über die Veröffentlichung von sensiblen Informationen in den USA. Der «Guardian» berichtete demnach, Premierministerin Theresa May wolle sich am Nato-Gipfel in Brüssel bei US-Präsident Donald Trump darüber beschweren. Gemäss dem Sender «Sky News» ist die Regierung in London «wütend», dass eine Reihe von Details zu den Ermittlungen zum Anschlag in Manchester durchgesickert sind. Dem Sender «BBC» zufolge stoppte die britische Polizei deshalb inzwischen die Weitergabe von Informationen zum Anschlag an die US-Behörden.

Auch die britische Innenministerin Amber Rudd reagierte zuvor irritiert, als Details zum mutmasslichen Attentäter zuerst in US-Medien genannt wurden. Rudd betonte, die Partner Grossbritanniens seien sich darüber im Klaren, dass sich so etwas nicht wiederholen dürfe. Später allerdings veröffentlichte die Zeitung «New York Times» einen Artikel mit genauen kriminaltechnischen Fotos vom Tatort. Auf diesen sind auch die Überreste der vom mutmasslichen Attentäter benutzten Tasche zu sehen. Die Chefs der britischen Polizeibehörden verurteilten die Veröffentlichung potenzieller Beweise noch während der laufenden Ermittlungen. Der Grund: Das Vertrauen in die Behörden würde beschädigt und die laufenden Ermittlungen untergraben.