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Fahrgesetze in Saudi-Arabien «Die Lockerung ist zum Teil Kosmetik»

Legende: Audio Mehr Kosmetik als wirkliche Reform abspielen. Laufzeit 5:02 Minuten.
5:02 min, aus Echo der Zeit vom 23.06.2018.

Nun ist es soweit: Frauen in Saudi-Arabien sollen erstmals Autos fahren dürfen. Die ultrakonservative Monarchie hatte vergangenen September als letztes Land der Welt angekündigt, Frauen das Autofahren erlauben zu wollen. Die deutsch-italienische Filmemacherin Carmen Butta erklärt, welchen Stellenwert dieses Lockerung der Vormundschaftsgesetze hat.

Carmen Butta

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Carmen Butta ist eine deutsch-italienische Filmemacherin, Journalistin und Regisseurin. Sie wurde 1962 in Mailand geboren und studierte in Hamburg Germanistik. Seit 1987 arbeitet sie als freie Auorin unter anderem für GEO, Spiegel, Stern und die FAZ. Butta hat mehrere Frauen in Saudi-Arabien begleitet und über sie den Dokumentarfilm «Die heimliche Revolution» gedreht.

SRF News: Wie wichtig ist dieser morgige Tag?

Carmen Butta: Es ist wichtig, weil die Frauen so zu ihrem Arbeitsplatz kommen. Die Frauen prangerten ja schon lange an, dass sie zwar ausgebildet werden, aber nicht ohne einen Fahrer zu ihrem Arbeitsplatz kommen. Das war im Alltag ein ständiger Kampf und ein Hindernis. Über 60 Prozent der Frauen haben eine Ausbildung und nicht einmal 15 Prozent von ihnen arbeiten. Zumindest für die urbane, obere Schicht ist dieser Schritt wichtig, um in der Arbeitswelt eine grössere, wichtigere Rolle zu spielen. Damit ist vieles andere verbunden.

Die Frauen sind nach wie vor vom Wohlwollen der Familien abhängig.
Autor: Carmen ButtaItalienisch-deutsche Filmemacherin und Journalistin

Allerdings ist das Absurde, dass die Frauen nach wie vor vom Wohlwollen der Familien abhängig sind. Ob sie einen Führerschein machen dürfen, ob sie sich ein Auto kaufen können, das entscheidet die Familie, also der Vormund: ihr Vater, ihr Bruder, ihr Ehemann.

Der Kronprinz lockerte das Vormundschaftsgesetz. Frauen dürfen nun auch ohne Zustimmung des Vormundes zum Beispiel geschäftlich tätig sein. Ändert sich damit auch was grundsätzlich?

Es ist zu einem Grossteil Kosmetik. Die meisten Schritte der Liberalisierung finden im Bereich der Freizeit statt. Also, ob die Frauen Zugang zum Stadion haben oder ob sie ins Kino gehen dürfen. Dies hat den Beigeschmack von «Brot und Spiele», eine grundlegende Veränderung ist es aber nicht.

Müssen Reformen von oben kommen? Ist es so, dass Reformen von unten, also Forderungen von Aktivistinnen sofort unterbunden werden?

Ja, das ist sicher so. Das ist kein Zufall und die Verhaftungen von Aktivistinnen ist ein ganz klares Signal: Wir schenken Euch Liberalisierung, aber alles hängt von der Gnade des Herrschers ab. Es sind also keine Errungenschaften der Untertanen.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Saudi Arabien gehört doch zur Achse der Guten? Auch die Schweiz treibt intensiv Handel und von Israel/USA wird das Land immer wieder lobend erwähnt. In wie fern diese Regierung aber viel besser als die Iranische sein soll ist mir schleierhaft.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    In diesem "mittelalterlichen", erzkonservativen Land (Saudi Arabien) hätten die militanten Frauenrechtlerinnen eine viel grössere Portion Arbeit zu leisten! In solchen Länder gäbe es mehr zu tun, als bei uns in der Schweiz nach Frauenquoten, gleichem Lohn und Chefposten zu schreien! Das sind Fakten, die kein Netiquette verletzen, sondern höchstens Ideologen(innen) aufregen könnte (oder sollte!)
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Wir leben aber hier in der Schweiz und nicht in Saudi Arabien. Wie würden wohl ausgerechnet Sie reagieren, wenn einer aus SA käme und uns vorschreiben wollte, was für Regelungen zu gelten haben in der Schweiz?
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    In Saudi-Arabien klingen nicht nur die Gesetze nach finsterstem Mittelalter, sondern auch die Praxis mit Stockhieben und Enthauptungen. Was Frauen in Saudiarabien alles nicht dürfen: Reisen auf eigene Faust,Heiraten nach eigenen Vorstellungen, Scheidung ist Frauen nur in engen Grenzen erlaubt, Arbeiten nur mit Erlaubnis, Unverschleiert in der Öffentlichkeit zeigen, Ausgehen mit Männern von ausserhalb der Verwandtschaft ist untersagt, etc. Eingeengte Menschenrechte? Jetzt aber Autofahren, Toll.
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