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Faktencheck in Kriegszeiten
Aus Rendez-vous vom 17.03.2022.
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Fake-Bilder im Ukraine-Krieg So läuft der Video- und Foto-Faktencheck bei SRF

Täglich erreichen uns Meldungen aus dem Kriegsgebiet der Ukraine: Bilder, Videos, zum Teil mit Absender, zum Teil ohne. Der jüngste Fall betrifft das zerstörte Theater der Hafenstadt Mariupol, wo eine unbekannte Anzahl Menschen Schutz gesucht haben soll, wobei Russland einen Bombenabwurf bestreitet. Stefanie Strahm gehört zum Kollektiv von Mitarbeitenden, die bei SRF solche Videos und Fotos prüfen. 

Stefanie Strahm

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Stefanie Strahm ist bei SRF in der Abteilung Recherche und Archive tätig.

SRF News: Wie gehen Sie vor beim Faktencheck? Können Sie herausfinden, wer geschossen hat?

Stefanie Strahm: Wer geschossen hat, ist tatsächlich nicht zu eruieren, weil es weder Fotos noch Videos des Angriffs gibt. Wir können nur überprüfen, ob es sich beim zerstörten Gebäude um das Theater in Mariupol handelt. Das ist der Fall. Zur Überprüfung konsultierte ich namhafte Nachrichtenagenturen, die das Material ebenfalls publiziert haben und Fotos auch immer selber gegenchecken. Zugleich arbeitete ich mit Street View auf Google Maps. So ist auf mehreren Fotos des Theaters ein auffällig gestalteter weisser Zaun zu sehen, der mit den älteren Bildern auf Google Maps übereinstimmt. Auch die Fenster und die noch bestehenden Bäume passen. Diese Art der Überprüfung nennt sich Geolokalisierung.

Im Netz gibt es auch Videos, die die Lage im zerbombten Theater zeigen sollen, Dunkelheit, Staub, das könnte irgendwo aufgenommen sein...?

Das ist richtig. Allerdings gibt es von dieser Situation mehrere Videos aus verschiedenen Perspektiven, die von verschiedenen Usern hochgeladen wurden. Das ist für die Überprüfung ein entscheidender Hinweis. Wir schauen uns zugleich genau an, wer diese Fotos oder Videos in die sozialen Medien gestellt hat: Wie schauen ihre Profile aus und seit wann gibt es sie? Welche Follower und Followerinnen haben sie und posten sie regelmässig aus der gleichen Gegend? Wenn sich daraus ein plausibles Gesamtbild ergibt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Videos tatsächlich das zeigen, was angegeben ist.

Theater in Mariupol.
Legende: Das Theater der ukrainischen Hafenstadt Mariupol in einer Satellitenaufnahme von Maxar vom 14. März 2022, zwei Tage vor dem Angriff. Auf den Plätzen vor und hinter dem Gebäude ist auf Russisch in weisser Farbe «deti» («Kinder») zu lesen. Keystone

Bei welchen Quellen verlassen Sie sich darauf, dass das Abgebildete den Angaben entspricht?

Es sind Fotos und Videos, die von Agenturen wie Reuters, AP oder EVN stammen. Diese Agenturen sind verlässliche Partner, die das Material vor der Veröffentlichung mit eigenen Faktenchecks überprüfen.

Im Krieg arbeiten Geheimdienste mit. Wie weit lassen sich solche Fälschungen schnell aufdecken, da das auch politische Entscheidungsträger beeinflussen kann?

Hier muss man unterscheiden. Es gibt die genannten «Deepfakes», aufwendig gemachte, unechte Videos. Sie lassen beispielsweise den ukrainischen Präsidentin Wolodimir Selenski etwas sagen, dass er gar nicht sagen würde. Solche Deepfake-Videos sind zum Glück recht selten, da sie in der Produktion ziemlich teuer sind und die Tools entsprechend viel kosten.

Die allermeisten Fakes, denen wir im Alltag beim Netzwerk-Faktencheck von SRF begegnen, zeigen Videos und Fotos, die an sich zwar echt sind, aber in einem falschen Zusammenhang gezeigt werden. So sollte ein Foto angeblich ukrainische Flüchtlinge aus Kiew vom 16. März 2022 zeigen, doch es waren tschetschenische Flüchtlinge im Jahr 2000. Solche Fakes können durch «Reverse Image Search», also eine Rückwärts-Bildersuche, sehr schnell identifiziert werden.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

Rendez-vous, 17.03.2022, 12:30 Uhr;

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61 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für Ihre Meinungen zu Video- und Foto-Faktenchecks. Wir wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Kris Kronig  (Kris)
    DeepFakes sind nicht mehr so aufwändig zu kreieren wie früher. Unterdessen lassen sich DeepFakes schon in Realtime erzeugen. Zum Beispiel mit DeepFakeLive, zu finden auf GitHub.
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Wer sich jetzt z.B. auf Youtube zum Ukrainekrieg umschaut wird schnell merken, dass sich da ganz Kanäle formierten die sich da kreuz und queer Videos zusammenbasteln um diesen Krieg zu "dokumentieren". Unglaublich, wer hat da soviel Zeit dazu? Und warum das. Clickbait?
    Es gibt aber auch Journalisten vor Ort die für BBC etc. berichten. Dies ist noch am glaubwürdigsten.
    Bei öffentlich rechtlichen darf aber auch kritisch geschaut werden, denn gewisse Narrative bestehen auch hier. Siehe Covid.
    1. Antwort von Andreas Morello  (Andreas Morello)
      Die Kriegsberichterstatter sind eine wichtige Informationsquelle, vor allem, da sie gewisse Quellen vor Ort prüfen können. Zusammen mit einer Redaktion, die auch Zugang zu anderen Information hat, ergibt das die aktuell bestmögliche Berichterstattung.

      Ihren Vorbehalt gegen die öffentlich-rechtlichen Sender teile ich persönlich nicht.

      Darf ich Sie fragen, Herr Müller, ist Ihnen bewusst das die BBC eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ist?
    2. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      @Morello: Ist mir sehr bewusst, wie auch das SRF. Dennoch ist auch bei diesen Sendern wichtig wo ein Journalist steht, was und wie er etwas sagt oder eben nicht und welche Bilder/Szenen zur Illustration eingeblendet werden.
      Analog Covid: Es werden die Spitaleintritte aufgelistet, fein säuberlich, aber nie die Spitalaustritte. Solches erzeugt Wirkung.
      Und jeder Journalist will/soll Wirkung erzielen. SRF hatte zu Beginn in der Ukraine beinahe zuviel an Wirkung erzeugt. Ziel kanpp verfehlt.
    3. Antwort von SRF News editor
      @Patrik Müller Lieber Herr Müller, vielen Dank für Ihre Kritik. Wir bedauern, dass wir Ihrer Meinung nach, zu viel an Wirkung erzeugt haben. Bei SRF wird die Themenwahl von den Kriterien Relevanz und Publikumsinteresse bestimmt. In jeder Publikation muss sich diese Gewichtung spiegeln. Zudem beobachten wir wichtige Themen kontinuierlich und greifen sie auf, wenn Neues zu berichten ist, um eine Themenkontinuität zu wahren. Liebe Grüsse, SRF News
    4. Antwort von Lukas Schmid  (Traugott)
      Ich sehe es eher so, das wer sich noch Studen lang Kriegsvideos aus der Ukraine ansehen muss ein anderes Problem hat.
      Gewalt Pornografie ist ja immer mehr im Trend, wenn ich nur an all die Serien im Fernsehen sehe wo abgetrennte Gliedmasen en mass gezeigt werden führt das zu einer gewissen abgestumpftheit, die uns den Krieg nur noch abstrakt und banal erscheinen lassen.
      Da sehe ich auch ein zukünftige Gefahr für unsere Geselschaft.
    5. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      @Traugott: Ganz richtig. Und das ist eine Büchse der Pandora oder vielleicht eher der Januskopf der social media. So lehrreich und Informativ diese sein können, so geisttötend und zersetzend können sie eben auch sein.
      Ich lasse bewusst nicht dieses Trommelfeuer ununterbrochen auf mich ein und nehme immer wieder Klima- Covid- Ukraine- Katastrophenpausen um zu "regenerieren".
    6. Antwort von Verena Schär  (DOREMIFASOLATIDO)
      @ Morello Ist ihnen bewusst, dass sich auch eine BBC ungewollt irren kann.