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China und der erfundene Biologe
Aus Rendez-vous vom 11.08.2021.
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Fake News aus China China macht Propaganda mit Schweizer Biologen, den es nicht gibt

Ein Schweizer Wissenschaftler rügt laut chinesischen Medien die WHO und die USA. Angeblich – denn Wilson Edwards existiert nicht.

Um was geht es? Der genaue Ursprung des Coronavirus bleibt unklar. Nach China kann das so bleiben. Das Land will weitere Untersuchungen vor Ort der Weltgesundheitsorganisation WHO verhindern. Ein sogenannter Schweizer Biologe unterstützte nun mit einem Beitrag auf Facebook die Position Chinas. Nur existiert dieser Herr gar nicht. Dieses Narrativ der chinesischen Behörden wurde von den Staats- und Parteimedien sowie auf den sozialen Medien verbreitet. Damit will China die Tätigkeiten der WHO als politisch motiviert präsentieren.

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Aus dem Archiv: Nachforschungen zum Ursprung von Covid-19
Aus 10 vor 10 vom 27.05.2021.
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Wie lauteten die Aussagen des gefakten Biologen? Quellen der WHO hätten dem Biologen namens Wilson Edwards bestätigt, dass die USA besessen davon seien, die WHO unter Druck zu setzen. Sie hätten so China angreifen wollen, was den Ursprung der Pandemie betrifft. Von wem genau diese Aussagen stammen, kann nicht mit abschliessender Sicherheit gesagt werden. Die Aussagen des Facebook-Posts von Edwards sind nicht mehr abrufbar. Chinesische Medien hätten auch begonnen, die Zitate zu löschen, sagt China-Korrespondent Martin Aldrovandi.

Warum weiss man, dass der Mann nicht existiert? Die Schweizer Botschaft in Peking hat sich gestern mit einer Stellungnahme dazu geäussert. Auf Twitter hat sie erklärt, es gebe keinen Schweizer Staatsbürger und keine akademischen Artikel in seinem Forschungsfeld unter diesem Namen. Die Botschaft bat die Medien und Online-User, die Geschichte zu entfernen und eine Richtigstellung zu veröffentlichen. Zudem war das Facebook-Profil von Edwards sehr neu und hatte nur drei Freunde.

Wie haben chinesische Online-User reagiert? Die Schweizer Botschaft veröffentlichte die Stellungnahme laut Aldrovandi auch auf Weibo, das chinesische Pendant zu Twitter. Dieser Beitrag sei rege gelikt und kommentiert worden. «Ich habe über 4000 Kommentare gezählt. Die meisten machen sich über die chinesischen Medien lustig.» Mit vielen Wortspielen hätten User ironisch und indirekt, aber trotzdem deutlich, über die Medien und die Regierung gespottet.

Wie typisch ist diese Fake-News-Informationspolitik in China? Wie und wie schnell dieser Fall aufgedeckt worden sei, mache ihn speziell und peinlich, so der China-Korrespondent. «Das Ganze reiht sich schon ein in eine sehr selektive Nachrichteninformationspolitik in China.» Die Zensur in China zeige, wie die Medien der Linie der Partei folgen und folgen müssen. Oder wie sie, wie in diesem Fall, eine inexistente Person zitieren, die jedoch die offizielle chinesische Seite unterstützt. Das sehe man, so Martin Aldrovandi, auch bei ausländischen Personen, die oft zitiert würden, solange sie die chinesische Position unterstützen.

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Aus dem Archiv: Internet-Zensur in China
08:00 min, aus Echo der Zeit vom 09.01.2020.
abspielen. Laufzeit 08:00 Minuten.

Rendez-vous, 11.08.2021, 12:30 Uhr;

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64 Kommentare

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  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Die grossmehrheitlichen Reaktionen auf diesen Artikel zeigen, dass dieser sein Ziel erreicht hat.
  • Kommentar von Marco D'Ercole  (Marco D)
    Wo dieser Post Wirkung entfalltet (oder soll) daraus kann der Ursprung abgeleitet werden. Ist doch ziemlich einfach.
    Dem Chin. Volk ein solche Story aufzutischen, die keine Möglichkeit hat es nachzuprüfen, das passt zu 100% ins bereits bekannte Verhaltensmuster.
    Mir zeigt dieser Fall eher, dass die Chin.Regierung unter (steigendem) Druck steht weil sie keine seriösen Gegenargumente hat. Also dranbleiben und die Spannung hochhalten. Die Wahrheit kommt immer ans Licht. Früher oder später.
  • Kommentar von Andreas Schori  (malanders)
    Aus meiner Sicht ist die Sache faul. Es ist nicht klar von welcher Seite da was aufgebauscht wird. Es kann ein genauso gefakter Fake sein, mit der Absicht China zu verleumden. Die Schmutzkampagne läuft schon lange auf Hochtouren. Man will unbedingt Stimmung für den nächsten Krieg schaffen.
    @SRF: das ist "Information" die niemandem hilft. Weglassen. Oder sind die emotionellen Anti-China Kommentare das Ziel?
    1. Antwort von Robert Altwegg  (trebor)
      Herr Schori: SRF hat das Recht und die Pflicht, uns über weltweite Geschehnisse zu informieren. Speziell, da die Schweiz involviert ist und anscheinend durch China versucht wird, den guten Ruf der Schweiz für propagandistische Zwecke zu verwenden.
      Es läuft keine „Schmutzkampagne“ gegen China. Das bedenkliche Verhalten (z.B. massive Menschenrechtsverletzungen, Erpressung freier Staaten und Firmen) des Regimes in Peking führt dazu, dass dies in unserer Demokratie offengelegt und diskutiert wird.
    2. Antwort von Andreas Schori  (malanders)
      @trebor: Die Berichterstattung ist eben äusserst asymmetrisch. Man müsste mit gleichem Gewicht über die Missstände der USA oder UK berichten (zuviele Schwarze im Gefängnis, Kolonialgeschichte, unterfinanzierte öffentliche Schulen, eingepferchte First Nations, Foltergefängnisse, verrottende Infrastuktur, Ausgrenzung von Wählern, Waffenindustrie welche Parlamentarier und Country-Konzerte finanziert, florierende Waffenverkäufe nach Mexiko, privatisierte Gefängnisse, schiesswütige Polizisten, ...)
    3. Antwort von Andreas Schori  (malanders)
      @trebor: (... kontinuierliche Industriespionage mit Patentklau, die five Eyes als weltumspannendes Spionagenetz, Ausbeutung anderer Länder, konsequente Sabotage linker Präsidenten in wehrlosen Ländern, Embargos nach ihrem Gusto, ... ) und immer wieder werden Demokratie und Menschenrechte vorgeschoben, obschon sie diese selbst nicht einhalten. Ein grässliches Propagandatrommelfeuer. Die Werte, die man zu verteidigen vorgibt, muss man selber erst mal einhalten.
    4. Antwort von Armin Bühler  (Wie immer)
      Es ist sehr bedauerlich das der SRF nicht besser recherchiert hat. Tatsächlich bin ich besseres von hier gewohnt (gewesen?)
    5. Antwort von Fabian Malovini  (MLaw, Rechtsanwalt)
      @ schori: wer sich über missstände in den usa informieren will, kann sich amerikanische sendungen anschauen (z.b. john oliver). kann mir nicht vorstellen, dass im chinesischen fernsehen auch nur annähernde kritik an der chinesischen regierung zugelassen wird. daher ist es eben wichtiger, dass srf über china berichtet, weil die amis ihr land ja schon selber kritisieren.
    6. Antwort von René Baron  (René Baron)
      @Altwegg:
      Ich bin immer bereit über die erwiesenen Missstände in China zu reden. Aber dann reden wir genau über diese Missstände in der Hoffnung dass wir damit ev. auch mal was bewegen könnten.
      Ich wehre mich aber gegen jegliche Form von Pauschalisierung und Verallgemeinerung, Verdächtigung und Unterstellung ohne Fakten, welche uns eher in einen neuen "kalten Krieg" führt als uns - die neutrale Schweiz - als Konfliktlöser empfiehlt.
    7. Antwort von Robert Altwegg  (trebor)
      Herr Baron: Sie wissen sicher, was uns Schweizer Stimmbürger vor der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens (2014), zwischen der Schweiz und China versprochen wurde: Dass sich die Menschenrechtslage in China, dank des Handels und Dialoges, verbessern werde. Das Gegenteil ist eingetreten. Darum ist es eine Illusion zu glauben, dass die neutrale Schweiz bezüglich z.B. der schweren Menschenrechtsverletzungen in China als „Konfliktlöser“ etwas bewegen kann. Auch das Rote Kreuz wurde ausgeschlossen!