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Fake News aus China Corona-Propaganda mit Boomerang-Effekt

China will die Corona-Berichterstattung im Westen beeinflussen. Doch der Angriff geht nach hinten los.

Im eigenen Land überlässt die Kommunistische Partei Chinas so gut wie nichts dem Zufall. Die veröffentlichte Meinung steht in der Volksrepublik unter strenger Kontrolle der Parteiführung in Peking. In der Coronakrise soll das Kontrollregime nun offenkundig in die Welt hinausgetragen werden.

Zumal die Volksrepublik in der Kritik steht wie selten zuvor. Viele im Westen machen sie verantwortlich für die Corona-Pandemie und damit für die grösste Gesundheits- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten.

Auf Geheiss von Partei- und Staatschef Xi Jinping würden sich chinesische Botschafter nun in der ganzen Welt aggressiv in die Berichterstattung einmischen, schrieb die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post».

Eklat in der EU-Zentrale

Mindestens sieben Botschafter, darunter jene in Frankreich und in Kenia, seien von den Regierungen ihrer Gaststaaten einbestellt worden, unter anderem wegen der Verbreitung von Gerüchten und Falschinformationen.

In der EU-Zentrale in Brüssel kam es vergangene Woche zum Eklat. Die amerikanische Zeitung «New York Times» berichtete, China habe erfolgreich Einfluss genommen auf einen EU-Bericht über die Corona-Pandemie.

Die ursprüngliche Fassung des Berichts zählte Gerüchte auf, die von China bewusst gestreut würden. Darunter die Behauptung, das Coronavirus werde von den USA verbreitet. Die Volksrepublik, schrieben die EU-Experten, lenke eine «globale Desinformationskampagne».

Deutscher Geheimdienst ist besorgt

Doch nach chinesischen Interventionen bei der EU-Kommission in Brüssel sei der Bericht vor seiner Veröffentlichung offenbar entschärft worden. Von einer «globalen Desinformationskampagne» ist im veröffentlichten Bericht keine Rede mehr. Dafür werfen EU-Parlamentarier dem zuständigen EU-Kommissar Josep Borrell nun Duckmäusertum vor.

Besorgt sind nach Informationen der Zeitung «Frankfurter Rundschau» auch die deutschen Geheimdienst- und Sicherheitsbehörden. In der wöchentlichen Koordinationssitzung der Behördenchefs stünden Falschinformationen zur Corona-Pandemie derzeit zuoberst auf der Tagesordnung. Diese, so die Vermutung, stammten zu einem Teil aus chinesischen Quellen.

Der deutsche Inlandsgeheimdienst-Chef Thomas Haldenwang spricht von «Desinformation», die Staaten bewusst verbreiteten, um sich in der Corona-Krise «vorteilhaft zu positionieren».

Schlagabtausch zwischen «Bild» und China

Einen Schlagabtausch der besonderen Art lieferten sich die chinesische Führung und die deutsche «Bild»-Zeitung. Diese hatte die Volksrepublik für die Coronakrise verantwortlich gemacht und Schadenersatz für Deutschland gefordert.

Daraufhin wandte sich die chinesische Botschaft in Berlin in einem offenen Brief an «Bild»-Chefredaktor Julian Reichelt. Sie unterstellte ihm eine «infame» Berichterstattung, er würde den «Nationalismus schüren».

Reichelt goss weiter Öl ins Feuer – mit einem offenen Brief an Chinas Partei- und Staatschef Xi. Dieser habe es versäumt, den Verkauf von «Fledermaussuppen» zu verbieten und damit die Entstehung einer Pandemie in Kauf genommen: «Sie gefährden (…) die ganze Welt.»

Mit einer solchen Reaktion hat die chinesische Führung wohl nicht gerechnet. Statt die Berichterstattung in Deutschland zu zähmen, hat sie ihr zusätzliche Schärfe verliehen. Bereits warnt die «South China Morning Post», die Propagandakampagne der chinesischen Regierung könnte sich kontraproduktiv auswirken – «auf Kosten des globalen Images des Landes».

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85 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der nächste Ausbruch trifft uns unvorbereitet. Wenn etwas in den nächsten Jahrzehnten über zehn Millionen Menschen tötet, dann wird es höchstwahrscheinlich ein hochansteckendes Virus sein und kein Krieg. Keine Raketen, sondern Mikroben. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass wir viel in nukleare Abschreckung investiert haben. In ein System, das eine Epidemie aufhält, haben wir aber nur sehr wenig investiert. Wir sind für die nächste Epidemie nicht gewappnet.
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  • Kommentar von Teodora Anna  (Teea)
    Fake News/Real News, USA/China keine unterschied, die einzige unterschied ist; die andere hat schon die Welt Macht und die andere strebt nach die Welt Macht, Die Schweiz muss ihre Neutralität bewahren wie immer, 1. Weltkrieg, 2. Weltkrieg.
    Die USA haben auf die Welt Macht Bühne Jahrelang regiert und gespielt, China ist die Newcomer, natürlich wird sie gar nicht einfach aber es wird verdammt Interessant wie es weiter geht. die Welt ist eine Bühne und die Schweiz sollte weiterhin Zuschauer sein.
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    1. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Ein grosser Unterscheid verschweigen Sie! In den USA darf ich als Bürger öffentlich meine Meinung sagen. In China verschwinde ich dafür in irgendwelchen "Umerziehungslager". In den USA werden auch Minderheiten nicht in KZs integriert, siehe Uiguren. Bezogen auf die persönliche Freiheiten sind beide Länder nicht vergleichbar, da diesen in China nicht existieren.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      @A. Gasser: siehe 9/11: wieviele Forscher haben geschwiegen um ihre Forschungsgelder und ihre Stelle nicht zu riskieren? Wieviele Journalisten schützen ihre Stelle, in dem sie berichten, was erwünscht ist? Und das in den USA immer wieder Persönlichkeiten verschwinden, die etwas zu sagen hätten, dürfte Ihnen auch bekannt sein.
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  • Kommentar von Luzius Brotbeck  (LuziBrot)
    Die beste Propaganda des Westens (v.a. USA & NATO) ist es eben gerade die, dass immer nur die anderen, v.a. China & Russland Propaganda, Desinformation & Einmischung betreiben, obwohl die USA ja mind. genauso Fakenews verbreiten, wonach Virus aus chinesischem Labor stamme.

    Wenn jemand seit Jahren auf EU Einfluss nimmt, dann v.a. die USA (vgl. "fuck the EU". Es ist wohl kein Zufall, dass ausgerechnet die NYT diese Story "aufdeckte" deren Quelle dürften anonyme "Geheimdienstkreise" sein.
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    1. Antwort von Alain Andrey  (Alarey)
      Lesen sie weiter RussiaToday!
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    2. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      @alarey: Dass der Westen - allen voran die USA - Propaganda gekonnt einzusetzen weiss, braucht man nicht bei Russia Today nachzulesen. Es gibt genügend Berichte, Bücher, TV-Reportagen und Dokumentationen darüber, die im Westen selbst entstanden und auch veröffentlicht worden sind. Diese Propaganda ist so gut und perfide, dass sie noch heute von vielen Menschen nicht durchschaut wird. So gesehen ist es zweifelhaft, ob wir den Chinesen und Russen wirklich so viel voraus sind.
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