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Fall Skripal Schulterzucken in Moskau

Auf die brisanten Enthüllungen der britischen Behörden im Fall Skripal reagiert Russland nur scheinbar gleichgültig.

Legende: Video Brisante Enthüllungen im Fall Skripal abspielen. Laufzeit 01:31 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 06.09.2018.

Die britischen Untersuchungsbehörden haben die Namen und Fotos von Überwachungskameras der beiden Verdächtigen des Gift-Anschlags auf den russischen Doppelagenten Skripal publiziert.

Selbst im Zeitalter von Deep-Fake und Fake-News wiegt die Beweislast gegen die beiden mutmasslichen Attentäter auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal schwer. Minutiös zeichnen die Untersuchungsbehörden den Weg der beiden Männer im März auf britischem Boden nach. Die Sprecherin des Aussenministeriums, Marija Sacharowa, antwortete auf die Frage von Journalisten, was die russischen Behörden zu diesen Informationen sagen würden: «Das sagt uns nichts.»

Erneut fordern wir die britische Seite dazu auf, öffentliche Anschuldigungen und die Manipulation von Informationen zu unterlassen.
Autor: Marija SacharowaSprecherin des russischen Aussenministeriums

Die Pressekonferenzen von Sacharowa sind bekannt für eine undiplomatische Wortwahl, aber das Statement überrascht dennoch: «Erneut fordern wir die britische Seite dazu auf, öffentliche Anschuldigungen und die Manipulation von Informationen zu unterlassen», erklärte Sacharowa weiter – und forderte die britische Seite zu einer Zusammenarbeit auf. Auf die konkreten neu publizierten Informationen ging die Sprecherin nicht ein.

Verdächtigte reisten nach Genf

Gemäss Recherchen russischer Medien soll einer der beiden mutmasslichen Verdächtigen beim grössten Hersteller von immunbiologischen Produkten in Russland arbeiten. Eine Reaktion des Unternehmens steht ebenso aus wie eine Reaktion der Fluglinie Aeroflot, mit welcher die Verdächtigten samt dem Giftstoff Nowitschok von Moskau nach London geflogen sein sollen.

Brisant für die Schweiz ist eine Randnotiz in russischen Medien: Zwischen September 2016 und März 2018 sollen die beiden Verdächtigen in diverse Städte Europas gereist sein, darunter auch nach Genf. So schilderten es nicht öffentlich bekannte Quellen der russischen Zeitung «Fontanka» in St. Petersburg.

Ein Absperrband in Salisbury
Legende: Das offizielle Russland äussert sich zu den publizierten Fotos der mutmasslichen Attentäter nicht. Keystone/Archiv

Ruhe vor Sanktionssturm

Gegen aussen reagiert das offizielle Russland mit einem Schulterzucken auf die Publikation der Untersuchungsbehörden, doch laut russischen Medien bereitet man sich in Regierungskreisen auf neue Sanktionen vor. Der russische Sicherheitsrat, welcher direkt Präsident Wladimir Putin berät, soll bei diversen russischen Ministerien Aktionspläne für den Fall neuer Sanktionen eingeholt haben.

Russlands Furcht ist nicht unbegründet. Selbst bei einem einigermassen stabilen Rubel-Kurs und einer geschickter Inflationspolitik der Zentralbank ist die Abhängigkeit von neuen Technologien aus dem Westen die Achillesferse. Das Spiel auf Zeit wird Moskau nicht gewinnen können.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Joel Benz (J.Benz)
    RUS genehmigt dem GRU ein Giftgasanschlag in einem westlichen Land, der bei Enthüllung schwere Sanktionen zur Folge hätte, zu verüben. Die beiden GRU Agenten werfen das Fläschchen nach der Tat weg und hoffen, dass es nicht gefunden wird (es wurde natürlich gefunden, siehe gestriger Artikel). So blöd können die nicht sein, ausser man wollte, dass man es findet. Ob das im Interesse von RUS wäre, ist doch sehr fraglich und erfordert ein plausibler Grund. Irgendetwas stinkt hier, und zwar gewaltig!
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  • Kommentar von René Baron (René Baron)
    Jezt hat man MONATE gebraucht um ein Bild und eine passende Story zu finden. Und was wenn die betreffende Firma und Airlines überwachungstechnisch noch nicht so hochgerüstet sind wie der britische Ueberwachungsstaat und ev. etwas länger braucht als die 5 Minuten wleche ihnen die Medien grosszügigerweise zugestehen?
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  • Kommentar von B. Schlegel (coolio)
    Es gibt also immer noch Leute, die bezweifeln dass die Russen dahinter waren? Ist doch sonnenklar, Putin ist skrupellos und testet wie weit er gehen kann ohne einen richtigen Konflikt zu provozieren
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Ja gibt es, und dies mit gutem Grund. Die Geschichte ist völlig unglaubwürdig.
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    2. Antwort von René Baron (René Baron)
      Es gibt immer noch Leute die ein Bild sehen und alles glauben was darunter steht. Kennen wir den Mann auf dem Bild? Was ist mit dem Zweiten? Wie heisst er? Wo wohnt er? Wie beweist man dass jeman dein Nervengift dabei hatte? Und was ist mit den Skripals? Wo sind sie? Wenn wir genau wüssten, wie es lief, wird es dann schon mal irgendwo stehen oder als Buch veröffentlicht werde. Bis dahin ist ein Foto für mich nicht mal ein Indiz, sondern einfach ein Foto. Und ja, ICH kann selbständig denken!
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    3. Antwort von B. Schlegel (coolio)
      Scotland Yard hat die Bewegungen in der UK der beiden Männer verfolgt, und hat herausgefunden, dass diese am Tag vor dem Anschlag und am Tag des Anschlags nach Salisbury gingen. Sie fanden im Hotelzimmer der beiden Novichok Spuren. Gleichzeitig verteidigt sich Russland nicht einmal, sie nehmen die Ermittlungsergebnisse einfach zur Kenntnis. Aber OK, vertraut doch den Russen. Die Skripals wurden übrigens schon längst aus dem Spital entlassen. Wir WISSEN eben genau wie es lief.
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    4. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @B. Schlegel: Waren Sie dabei oder glauben Sie, was erzählt wird? Entscheidend ist, nach Ungereimtheiten zu suchen und nicht alles für bare Münze zu nehmen. Was zählt sind nicht Erzählungen ("Novichokspuren im Hotelzimmer gefunen") sondern Fakten, die Ungereimtheiten aufdecken. Und von denen gibt es im Fall Skripals wahrlich genug.
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    5. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      P.S.: Die Aussage "Novichokspuren im Hotelzimmer" ist erst bewiesen, wenn sie von einem Gericht anhand der Beweise geprüft und als Beweisstück der Anklage aufgenommen wurde. Bis dahin sind solche Aussagen heisse Luft.
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    6. Antwort von B. Schlegel (coolio)
      Bernoulli, Sie können doch nicht einfach offizielle Statements der Ermittler als "Erzählung" abtun. So funktioniert das nicht. Der Konsens unter westlichen Mächten ist, dass Russland schuld ist. Und wenn es so viele Ungereimtheiten gibt, dann erzählen Sie doch mal. Ich glaube dem russischen Regime jedenfalls weniger als den westlichen Regierungen.
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