Fast 2000 Traktoren im Herzen von Paris

Hunderte Traktoren blockieren in Paris den Verkehr. Es sind Schweinebauern, die mobilmachen: Sie fordern von der Regierung mehr Unterstützung – und vor allem mehr Geld. Denn viele von ihnen erhalten von ihren Abnehmern nicht den Preis, der es ihnen erlaubt, kostendeckend zu arbeiten.

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Traktor-Konvoi rollt nach Paris (unkommentiert)

0:17 min, vom 3.9.2015

Es war ein eindrückliches Bild: 2000 Traktoren rollten am Vormittag auf Paris zu. Auf den Autobahnen war kein Durchkommen mehr. Frankreichs Schweinebauern wollten so gegen den Preiszerfall in ihrer Branche protestieren. Mit Schweinefleisch verdiene ein französischer Bauer heute keinen Cent mehr, monieren sie.

Die Riesen-Demo ist der Höhepunkt monatelanger Proteste. Die Viehzüchter des Landes klagen schon seit einiger Zeit über zu niedrige Fleisch- und Milchpreise. Die Regierung hatte im Juli zwar eine 600-Millionen-Euro-Soforthilfe bereitgestellt. Die Bauern wollen aber mehr und fordern zusätzlich strukturelle Massnahmen.

SRF-Korrespondent Charles Liebherr hat in Paris die Wut der Bauern gespürt. Die Schweinezüchter forderten auf der Place de la Nation im Zentrum der Stadt lauthals Preisgarantien sowie Stützungskäufe am Markt: «Und zwar viermal mehr, als es die Regierung im Juli versprochen hat.»

Mehr Qualität statt Quantität

Es gehe um eine Neuausrichtung einer ganzen Branche, erklärt Liebherr: «Von reiner Masse und der Produktion für den Export hin zu mehr Qualität.» Dies erlaube höhere Margen und bringe den Schweinezüchtern langfristig auch mehr Einnahmen.

Obwohl Frankreich eines der grössten Agrarländer innerhalb der EU ist, seien die Preise für Schweinefleisch in den vergangenen Monaten drastisch gefallen. Das habe zum Einen mit den Sanktionen gegen Russland zu tun: «Das Land importiert seit einem Jahr als Gegenmassnahme keine Lebensmittel mehr aus der EU.»

Andererseits zahlten auch die französischen Schlachthäuser den Bauern weniger für ihr Fleisch. «Sie verweisen auf die Konkurrenz aus Deutschland und Dänemark, die wegen tieferer Löhne und Steuern billiger produziert.» Doch beides sei nur die halbe Wahrheit, meint Liebherr. Denn die Branche habe sich nicht angepasst.

Ein Traktor mit schwarz-weiss gestreiften Fahnen und einem Schild vorne: Fini de bosser pour rien gagner. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Französische Viehzüchter fürchten wegen niedriger Preise für Milch und Fleisch um ihre Existenz. Reuters

Nachfrage nach Biofleisch hoch

«Sie hat sich nicht vermehrt auf den inländischen Markt ausgerichtet, wo Schweinefleisch von höherer Qualität nachgefragt wird», so der Korrespondent. Hier könnte auch die Regierung einen Beitrag leisten – etwa indem sie die ökologische Landwirtschaft unterstützt. «Da übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich.» In Frankreich werde erst ein Prozent des Fleisches in Bio-Qualität produziert.

Und sie könnte gleichlange Spiesse in der EU schaffen: «Die Bauern machen Druck, dass Brüssel den Fleischmarkt reformiert.» Sie verlangen vergleichbare Auflagen für alle, um längerfristig konkurrenzfähig sein. Das soll die französische Regierung in ein paar Tagen an einem Sondergipfel in Brüssel einfordern.