Die Waldbrände bei Bordeaux wüten weiter. Mehr als 200'000 Anwohner und Feriengäste mussten die Region bereits verlassen. SRF-Korrespondentin Mirjam Mathis schildert die Lage vor Ort.
SRF News: Hat sich die Lage im Brandgebiet über Nacht beruhigt?
Mirjam Mathis: Die Behörden sprechen von einer stabilen, aber angespannten Situation. In der Nacht gab es immerhin keine neuen Evakuierungen, was eher ein gutes Zeichen ist. Die Feuerfront ist aber immer noch nur rund 15 Kilometer vom Stadtrand von Bordeaux entfernt.
Wie lief die Evakuierung von rund 200'000 Menschen in den vergangenen Tagen ab?
Das funktionierte grundsätzlich gut. Man erhielt jeweils einen Alarm aufs Telefon, der einem signalisierte, die Region zu verlassen. Aber klar: Bei einer so riesigen Evakuierungsoperation kommt es auch zu hektischen Szenen. Auch kam es zu grösseren Staus auf den Strassen der Region. Die Situation ist für die Leute belastend. Manche mussten inzwischen auch bereits mehrmals evakuiert werden. Etwa, weil sie in einer Notunterkunft waren, die sich auf einmal selbst in einem Gebiet befand, das evakuiert werden musste.
Wo kommen all die Menschen unter?
Es gibt in mehreren Gemeinden zahlreiche Notunterkünfte. Die grösste befindet sich auf einem Messegelände in Bordeaux. Dort kommen rund 10’000 Personen unter. Auch in Agen steht ein Messegelände zur Verfügung. Viele Leute kommen auch bei Freunden oder Familien unter, Touristen eher in Hotels.
Die Behörden rufen dazu auf, jetzt auf keinen Fall in die Gironde zu reisen.
Manche Touristen sind auch vorzeitig aus der Region abgereist. Die Behörden rufen auch dazu auf, jetzt auf keinen Fall in die Gironde zu reisen. Das wurde in den vergangenen Tagen sowieso immer schwieriger: Zahlreiche Autobahnabschnitte in der Region Bordeaux sind gesperrt, manche Zugverbindungen eingestellt.
Besteht die Gefahr, dass Leute vom Feuer eingeschlossen werden könnten?
Das denke ich nicht. Die Behörden haben den Überblick und sie evakuieren bedrohte Gebiete präventiv. Es wird hier vor Ort wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Aber klar: Wichtige Bahnlinien und Autobahnen führen durch das Gebiet, sie sind jetzt gesperrt.
In einer Brandschneise wurden die Bäume gefällt und abtransportiert, damit das anrückende Feuer keine Nahrung mehr findet.
Man versucht jetzt alles, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreitet. So wurde etwa bei Marcheprime im Südosten des Brandgebiets eine mehrere hundert Meter breite Brandschneise geschaffen – die Bäume dort wurden gefällt und abtransportiert, damit das anrückende Feuer keine Nahrung mehr findet.
Waldbrände bei Bordeaux und bei Madrid – die Bilder
-
Bild 1 von 17. Die Feuerwehr kämpft ausserhalb von Bordeaux gegen die Flammen.(26.7.2026). Bildquelle: Keystone/AP Photo/Emma Da Silva.
-
Bild 2 von 17. Ein Feuerwehrmann kämpft gegen die Flammen in Ares im Département Gironde im Westen Frankreichs (25.7.2026). Bildquelle: Keystone/HANDOUT/DAMIEN REMBERT.
-
Bild 3 von 17. Feuerwehrleute kämpfen gegen den Waldbrand bei Lege-Cap-Ferret (24.7.26). Wegen der Brände in der französischen Region um Bordeaux wurden mehr als 150'000 Menschen evakuiert. Bildquelle: Reuters/Handout/DAMIEN REMBERT.
-
Bild 4 von 17. Auch schweres Gerät wird im Kampf gegen die Flammen eingesetzt (24.7.26). Bildquelle: Reuters/Handout/DAMIEN REMBERT.
-
Bild 5 von 17. Der Wald bei Biscarrosse steht in Flammen (25.7.26). Bildquelle: Keystone/Handout/LOIC MARTIN .
-
Bild 6 von 17. In Lege-Cap-Ferret im Departement Gironde verschärft sich die Situation weiter. Bildquelle: Reuters/Stephane Mahe.
-
Bild 7 von 17. Mehr als 1000 Feuerwehrleute – hier in Cap Ferret – sind in den betroffenen Regionen im Einsatz. Bildquelle: imago images/Stephane Duprat/ABACAPRESS.
-
Bild 8 von 17. Neun Löschflugzeuge und zwei Löschhelikopter stehen in Südwestfrankreich im Einsatz. Bildquelle: imago images/Thibaut Durand/ABACAPRESS.
-
Bild 9 von 17. Die Flammen zerstören auch den Friedhof von Cap Ferret. Bildquelle: imago images/First Eye/ABACAPRESS.
-
Bild 10 von 17. In Fox-Amphoux bei Ponteves im Département Var sind die Einsatzkräfte bereits seit Mittwoch im Einsatz. Bildquelle: Reuters/Manon Cruz.
-
Bild 11 von 17. Verbrannte Erde nach den Waldbränden. Bildquelle: Keystone/Mariam A. Montesinos.
-
Bild 12 von 17. Evakuierte Anwohnende ruhen sich im Messezentrum Bordeaux-Lac aus, das zu einer Notunterkunft umfunktioniert wurde. Bildquelle: Reuters/Manon Cruz.
-
Bild 13 von 17. In Spaniens Provinz Avila verbrannten 15'000 Hektaren Wald und 5000 Einwohner mussten evakuiert werden. Bildquelle: Keystone/RAUL SANCHIDRIAN.
-
Bild 14 von 17. Auch in Spanien werden die Brände mit Löschflugzeugen bekämpft. Bildquelle: Keystone/MANU FERNANDEZ.
-
Bild 15 von 17. Das spanische Dorf Burgohonfo in der Avila-Provinz war von den Bränden schwer betroffen. Bildquelle: Keystone/RAUL SANCHIDRIAN.
-
Bild 16 von 17. In El Tiemblo (Region Kastilien und Leon) löschen Freiwillige die Brände. Bildquelle: REUTERS/Violeta Santos Moura.
-
Bild 17 von 17. Auch Haustiere wurden vor den Bränden – hier in Madrid – in Sicherheit gebracht. Bildquelle: REUTERS/Ana Beltran.
Bisher sind zwei Feuerwehrleute in den Flammen umgekommen, zivile Todesopfer gab es glücklicherweise keine. Doch Probleme macht der viele Rauch, der zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Wie kann man sich davor schützen?
In der Tat melden mehrere Departemente der Region eine schlechte Luftqualität wegen des Rauchs. Die Regierung in Paris liess 1.5 Millionen Masken liefern. Ausserdem raten die Behörden, die Fenster geschlossen zu halten und sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten. Der Rauch kommt meist in Schüben, vor allem Bordeaux ist davon stark betroffen.
Die Situation bleibt angespannt – was braucht es, damit das Feuer unter Kontrolle gebracht werden kann?
Es braucht möglichst viel Unterstützung aus der Luft, aber vor allem auch am Boden. Die Einsatzkräfte werden inzwischen auch von Feuerwehrleuten aus anderen Ländern – auch aus der Schweiz – unterstützt. Aber zentral sind die Wetterbedingungen: Der Wind hat sich momentan etwas gelegt, aber er kann schnell wieder stärker werden. Zudem soll es in den nächsten Tagen wieder sehr heiss werden. Das sind beunruhigende Aussichten.
Das Gespräch führte Nicolas Malzacher.