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International Fifa-Fiasko: Sieben Funktionäre verhaftet

Die wegen Bestechung in Zürich festgenommenen Fifa-Funktionäre sollen in die USA ausgeliefert werden, wo ihnen der Prozess gemacht wird. Unabhängig davon ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung bei der Vergabe der WM 2018 in Russland und 2022 in Katar.

Legende: Video Fifa im Visier der Justiz abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.05.2015.

Sieben teils hochrangige Fifa-Funktionäre sind in Zürich wegen Bestechungsverdachts festgenommen worden. Gleichzeitig stellte die Bundesanwaltschaft am Fifa-Hauptsitz in Zürich mehrere Dokumente sicher. Grund für die zweite Aktion waren «Unregelmässigkeiten» bei der WM-Vergabe an Russland und Katar.

Um die Verhaftung der Funktionäre hatten die USA im Rahmen eines Rechtshilfeabkommens ersucht, wie das Bundesamt für Justiz (BJ) mitteilte. Zudem liess das BJ verschiedene Bankkonten in der Schweiz sperren, über die Bestechungsgelder geflossen sein sollen.

Zwei Vizes unter den Verhafteten

Unter den Verhafteten befinden sich mit Eugenio Figueredo und Jeffrey Webb auch zwei der acht Fifa-Vizepräsidenten. Von der Justiz unbehelligt bleibt der langjährige Fifa-Präsident Sepp Blatter. Mittlerweile hat die Ethik-Kommission des Verbandes elf Mitglieder – darunter auch die heute Verhafteten – vorläufig für sämtliche Fussball-Aktivitäten gesperrt.

Die sieben festgenommenen Funktionäre wurden bereits durch die Kantonspolizei Zürich angehört. Lediglich einer von ihnen signalisierte Bereitschaft für eine vereinfachte Auslieferung in die USA.

Das BJ wird nun die USA auffordern, innert der vorgesehenen Frist von 40 Tagen ein formelles Auslieferungsersuchen zu stellen. Sobald diese Gesuche eingetroffen seien, werde das Auslieferungsverfahren weitergeführt.

Legende: Video Insider sind nicht überrascht über die Verhaftungen abspielen. Laufzeit 1:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.05.2015.

«Fehlverhalten Einzelner»

Am Abend äusserte sich erstmals Sepp Blatter. «Das ist eine schwierige Zeit für den Fussball, die Fans und die Fifa», gestand der Präsident des Weltverbands. «Es sollte aber klar sein, dass wir die Untersuchungen der Schweizer und US-Behörden begrüssen.»

«Solch ein Fehlverhalten einzelner Personen hat im Fussball keinen Platz», so Blatter weiter. Die Fifa werde «innerhalb der Organisation energisch handeln, um Vertrauen zurückzugewinnen und den Fussball von jeglichem Fehlverhalten zu befreien.»

«Sie haben das Fussballgeschäft korrumpiert»

Das US-Justizministerium ermittelt insgesamt gegen 14 Personen wegen organisiertem Verbrechen und Korruption. Sie sollen seit Anfang der 1990er Jahre Schmiergelder von mehr als 150 Millionen Dollar von Vermarktern für die Vergabe von Fussballturnieren erhalten haben.

«Sie haben das weltweite Fussballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern», sagte US-Justizministerin Loretta Lynch. «Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier.» Lynch kündigte an, die Korruption im Weltfussball rigoros bekämpfen zu wollen.

Neun der Beschuldigten im US-Verfahren sind oder waren Fifa-Funktionäre, fünf weitere Chefs von Sportmarketing-Firmen. Ihnen werden organisiertes Verbrechen, Betrug, Geldwäscherei und Bestechung vorgeworfen. Wie das Department of Justice mitteilte, drohen ihnen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren

Schweizer Bundesanwaltschaft führt eigene Ermittlungen

Unabhängig davon ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft wegen Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei. Dabei geht es um die Vergaben der Fussball-WM 2018 in Russland und 2022 in Katar, wie sie bekanntgab.

Das Strafverfahren in der Schweiz geht auf eine Anzeige der Fifa vom vergangenen November zurück. Wegen Verdunkelungsgefahr wurden die Verhaftungen in Zürich und die Beschlagnahmungen von Dokumenten am Fifa-Hauptsitz gleichzeitig durchgeführt. Im Anschluss an die Sicherstellung der Akten sollen zehn Personen einvernommen werden, die an der Wahl zur WM-Vergabe von 2018 und 2022 beteiligt gewesen seien.

Uefa fordert Verschiebung der Präsidentenwahl

Die Fifa bezeichnet sich selbst als Geschädigte und Initiatorin der Aktion der Bundesanwaltschaft. Man habe alles Interesse an einer Aufklärung der Vorwürfe, sagte Fifa-Mediensprecher Walter de Gregorio an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. Der Kongress und die Wahl des neuen Fifa-Präsidenten fänden wie vorgesehen in den kommenden Tagen statt.

Die Chancen auf eine Wiederwahl Blatters stehen gut. Die Europäische Fussball-Union Uefa fordert jedoch die Verschiebung der für Freitag geplanten Präsidentenwahl beim Fifa-Kongress.

Protokoll des Fifa-Skandals

Im Liveticker können Sie die kompletten Ereignisse des Tages nachlesen.

38 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Der Sepp Blatter hat sie alle machen lassen und will heute nichts damit zu tun haben. Da kann man nur den Kopf schütteln. Aber er ist halt ein alter Mann gewordenund hat möglicherweise die Übersicht über das ganze Fiasko verloren. Also wenn DER morgen nicht abgewählt wird, ist die ganze FIFA Familie auf beiden Ohren taub und auf beiden Augen blind.
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  • Kommentar von A. Brunner, Zurich
    Erachtet es Loretta Lynch nicht für dringender, den Kriegs-Grund-Skandal in den USA vom 11. September 2001 tatsächlich aufzuklären ? ... oder die IWF- und Weltbank-Verbrecher ? ... und die betreffenden verantwortlichen Personen anzuklagen und einzusperren ? ... Warum misten USA-Gremien nicht zuerst in den eigenen Ställen aus ? ... und warum ist die CH-Polizei (als Organ eines "neutralen" Staates) sofort einseitig und so willfährig gewissen US-Interessen hörig ?
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      Genau diese Fragen stelle ich mir auch. Die Reporter der NYT waren in Zürich parat, als "die Bombe platzte", Mitwochmorgen um 6 Uhr im Baur au Lac... Das FBI scheint weitreichende Kompetenzen zu haben in unserem Land. Das erstaunt schon ein bisschen - mindestens ein bisschen. Das Missfallen der WM- Vergabe an Katar kann ich teilen, dasjenige an Russland nicht wirklich. Da spielen gewissen Ressentiments eine Rolle.
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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    So, jetzt durfte wieder einmal der hinterste und letzte "Experte" auf Joseph Blatter herumhacken. Beschämend und unwürdig. Es gibt nicht einmal im Ansatz Beweise dafür und Blatter ist intelligent genug sich in dieser Hinsicht nichts zu Schulden kommen zu lassen. Zwei Dinge missfallen mir an dieser Wildwestaktion auch: 1. dass ausgerechnet die "Saubermann-Nation Nr. 1" ein Medienspektakel inszeniert hat und 2. unser EJPD wieder einmal eilfertig als Erfüllungsgehilfe amtet.
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