Flaggenstreit: Keine Ruhe in Belfast

Weil die britische Fahne nicht mehr täglich gehisst wird, sind in der nordirischen Hauptstadt erneut zahlreiche Demonstranten auf die Strasse gegangen. Sie lieferten sich Scharmützel mit der Polizei und katholischen Republikanern. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.

In der fünften Nacht in Folge haben sich Polizei und Demonstranten in der nordirischen Hauptstadt Belfast gewaltsame Auseinandersetzungen geliefert. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Gummigeschosse ein.

Rund tausend Menschen protestierten zunächst friedlich vor dem Rathaus. Zu den neuerlichen Ausschreitungen kam es, als rund 250 pro-britische Protestanten auf dem Rückweg vom Rathaus auf katholischen Republikaner stiessen.

Die Polizei versuchte, beide Gruppen auseinanderzuhalten. Auf die Beamten hagelte es Steine und Brandsätze.

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«Tagesschau» 8.1.: Weitere Unruhen in Belfast.

1:20 min, aus Tagesschau am Mittag vom 8.1.2013

Ende der Gewalt vorerst nicht in Sicht

Die Proteste richten sich gegen eine Entscheidung des Stadtrats von Belfast, die britische Flagge nicht mehr jeden Tag über dem Rathaus wehen zu lassen. Dagegen wehren sich pro-britische Protestanten. Sie sehen darin ein zu grosses Zugeständnis an die nach einem vereinten Irland strebenden katholischen Republikaner.

Beratungen von Politikern und Kirchenvertretern darüber, wie die Gewalt gestoppt werden könnte, blieben bisher erfolglos. Für die Polizei wird die Gewalt vor allem von der paramilitärischen Ulster Volunteer Force gesteuert.

Mehr als 3000 Tote in 30 Jahren

Bereits seit sechs Nächten gibt es in Belfast immer wieder Ausschreitungen mit teils mehreren hundert Demonstranten. Nach Angaben der Polizei wurden bislang mehr als 50 Beamte verletzt, zudem gab es 70 Festnahmen.

Einige Beamte berichteten, sie seien von Demonstranten unter Beschuss genommen worden. Ein 38-jähriger Mann wurde wegen des Verdachts auf versuchten Mord festgenommen.

In drei Jahrzehnten gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen London-treuen Protestanten und den nach einem vereinten Irland strebenden Katholiken wurden rund 3500 Menschen getötet.