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Historisches Urteil im Mordfall George Floyd
Aus HeuteMorgen vom 24.04.2021.
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Floyd-Prozess Historisches Urteil mit beschränkter Wirkung

«Schuldig, schuldig, schuldig.» Das einhellige Urteil der zwölf Geschworenen im Mordfall an George Floyd liess die Menge vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis aufatmen. Ebenso erleichtert waren die Millionen von US-Amerikanern, die letzten Sommer auf die Strasse gingen, um gegen rassistische Polizeigewalt zu demonstrieren. Nun haben sie das Gefühl, dass sich ihr Protest gelohnt und sich im Land etwas verändert hat.

Das Urteil, das den 45-jährigen Derek Chauvin unter anderem wegen Mord zweiten Grades verurteilt, sei «ein riesiger Schritt im Marsch für mehr Gerechtigkeit», kommentierte Präsident Joe Biden gestern. Konservative Stimmen sprachen etwas verhalten von einem «gerechten» Urteil.

Urteil mit fraglicher Wirkung

Allerdings darf man daran zweifeln, ob das Urteil wirklich eine Tiefenwirkung entfalten wird. Denn Floyds Tod war in einigen Aspekten ungewöhnlich. Zwar starb er während eines Polizeieinsatzes wegen eines Bagatelldelikts, so wie hunderte Afroamerikaner jährlich. Doch die Umstände seines Todes waren atypisch.

So war er zum Beispiel unbewaffnet, obwohl meist Waffen im Spiel sind. Deshalb konnte die Verteidigung auch nicht glaubhaft machen, dass von Floyd eine Gefahr ausgegangen wäre, die die gewalttätige Ruhestellung durch Chauvin gerechtfertigt hätte.

Ausserdem gab es eine Gruppe von Augenzeugen, die nicht nur versuchten, die Tat zu verhindern, sondern sie auch filmten. Der Mord geschah also am helllichten Tag und vor laufenden Kameras.

Schuldspruch war fast unumgänglich

Die Sachlage der unverhältnismässigen Polizeigewalt war so klar, dass ein Schuldspruch von Chauvin fast unumgänglich war. Deshalb konnte die Staatsanwaltschaft wohl auch gänzlich darauf verzichten, Mutmassungen über das Motiv des Täters anzustellen. Das Thema Rassismus fand während des Prozesses kein einziges Mal Erwähnung.

Ebenso atypisch war, dass mehrere Polizeibeamte und Vorgesetzte aus Minneapolis ihren ehemaligen Kollegen schwer belasteten. Normalerweise schliessen sich die Reihen der Uniformierten vor Gericht.

Ein Ausnahmefall in vielen Aspekten

Der Impuls der «Black Lives Matter»-Bewegung, das Urteil als wegweisend zu feiern, mag verständlich sein. Doch in vielen Aspekten ist der Mord an George Floyd ein Ausnahmefall, wenn auch einer, der in die Geschichte der US-Bürgerrechtsbewegung eingehen wird.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

HeuteMorgen, 21.04.2021, 06:00 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Walchli  (Baenzi)
    Immer wieder dasselbe. Da wird um den Brei geredet um die eigene Politische Agenda zu unterstreichen, statt dem Problem auf den Grund zu gehen: Familien funktionieren nicht mehr, und dies überproportional unter schwarzen Gruppierungen. Wer es nicht glaubt, schaut Euch Statistiken von z.B. Chicago an!
    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Walchli:Sie schreiben so, als ob schwarze Familien letztlich selber schuld seien, wenn diese auf die schiefe Bahn geraten,aber wenn de facto Schwarze oft als nicht gleichwertig im Vergleich mit Weissen behandelt werden, dann arbeitet man damit vor,dass sie in die Kriminalität zu treiben, natürlich nicht gut,aber wahr. Ungleiche Voraussetzungen zur Lebensentfaltung.Wie schon Mobbing,kann Rassismus selten bewiesen werden, z.B.rass.Freisprüche von Polizisten, die Schwarze umgebracht haben.
  • Kommentar von Peter Madörin  (Peter Madörin)
    Derek Chauvin ist das Bauernopfer im Zeichen der "political correctness". Als nicht vorbestrafter, senkrechter US-Bürger, der das gemacht hat, was Polizisten in den USA auf der Polizeischule lernen, wandert er nun 20-40 Jahre in den Knast. Gewiss traurig, wie George Floyd gestorben ist. Aber Dutzende von Chauvins Kollegen haben es ihm vorher gleichgetan, ohne dass sie dafür bestraft wurden. Selbst der Präsident stimmt in die Gerechtigkeitshymne ein. Wie verlogen ist doch diese Gesellschaft!
    1. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Nur weil vorher Leute weggekommen sind, welche jemanden umgebracht haben, heisst das nicht, dass das rechtens war. Das wäre ja eine sehr komische Argumentation.
  • Kommentar von Marti Müller  (Co2=Leben)
    Dieser Mob wird nie zufrieden sein.
    1. Antwort von Martin Haber  (Martinowitsch)
      In der Tat Herr Müller. So ist es!