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Flüchtlingslager abgebrannt Brandstifter von Moria zu zehn Jahren Haft verurteilt

  • Vier junge Flüchtlinge sind in Griechenland zu zehn Jahren Haft verurteilt worden – wegen eines Feuers, das das Flüchtlingslager Moria letztes Jahr fast vollständig zerstört hat.
  • Die Männer sollen das Feuer in dem Lager gelegt haben, um damit zu erzwingen, dass sie aufs griechische Festland umgesiedelt werden.
  • Gegen ihre Verurteilung legten sie umgehend Berufung ein, was aber keine aufschiebende Wirkung hat.
  • Der umstrittene Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Video
Aus dem Archiv: Feuerinferno im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos
Aus Tagesschau vom 09.09.2020.
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 31 Sekunden.

Die Verteidiger der Angeklagten kritisierten, dass diese keinen fairen Prozess erhalten hätten. Drei der Männer seien zum Zeitpunkt des Brandes minderjährig gewesen, das Gericht habe dies trotz entsprechender Dokumente jedoch nicht anerkannt.

Die Anklage habe sich vor allem auf die Aussage eines anderen Afghanen gestützt, der insgesamt sechs Männer der Brandstiftung beschuldigt hatte. Weitere Zeugen vor Gericht waren Polizeibeamte und Feuerwehrleute, die im September 2020 zum Einsatzort gerufen worden waren, sowie Flüchtlingshelfer der EU und von Hilfsorganisationen, die im Lager arbeiteten.

12'000 Menschen über Nacht obdachlos

Bei dem Brand war im September 2020 das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos fast vollständig zerstört worden, rund 12'000 Menschen wurden über Nacht obdachlos. Die Polizei ermittelte sechs Jugendliche und Männer aus Afghanistan als Tatverdächtige – sie sollen das Feuer gelegt haben, um ihre Umsiedlung aufs griechische Festland zu erzwingen. Zwei von ihnen wurden im März nach Jugendstrafrecht bereits zu fünf Jahren Haft verurteilt. Auch sie sind in Berufung gegangen.

Weniger Flüchtlinge auf den Inseln

Die Zahl der Flüchtlinge, die auf den griechischen Inseln in der Ost-Ägäis leben, geht aktuell immer weiter zurück. In und um die Registrierlager auf Lesbos, Samos, Chios, Kos und Leros befinden sich nach Regierungsangaben nur noch rund 9600 Menschen – davon auf Lesbos derzeit rund 6500. Im April 2020 lag die Zahl insgesamt noch bei gut 40'000 Flüchtlingen und Migranten.

Grund für den Rückgang sind Massnahmen der griechischen Regierung, vor allem Ältere, Kranke und Familien von den Inseln aufs Festland zu holen, sowie weniger Neuankünfte aus der Türkei.

SRF 4 News; 13.06.2021; 07:00 Uhr ; 

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