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MSF: «Unglaublich unhygienische Verhältnisse und keine Unterkünfte»
Aus SRF 4 News aktuell vom 22.12.2020.
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Flüchtlingslager im Sudan Médecin sans Frontières: «Unwürdige Lebensbedingungen im Lager»

Nach Kämpfen in Äthiopiens Region Tigray sind Tausende geflüchtet. Doch die Lebensbedingungen sind auch im Sudan prekär.

In den Sudan geflüchtet: Gemäss Berichten von Nachrichtenagenturen sind rund 50'000 Äthiopierinnen und Äthiopier aus der Region Tigray über die Grenze nach Sudan geflüchtet. In zwei Flüchtlingslagern auf sudanesischem Gebiet betreibt die Organisation Médecin sans Frontieres (MsF) zwei Kliniken. «Den Flüchtlingen hier geht es sehr schlecht», sagt Irene Mazza, die als Pflegefachfrau in diesen Kliniken arbeitet. Es fehle an Obdach, an sauberem Wasser, ja, an Wasser überhaupt, Lebensmitteln und sanitären Anlagen.

Zum Konflikt in und um Tigray

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Truppen der äthiopischen Zentralregierung von Premierminister Abiy Ahmed griffen Anfang November die Tigray People’s Liberation Front (TPLF) an; diese habe einen Angriff auf eine Militärbasis ausgeführt. Die TPLF hatte im September regionale Wahlen durchgeführt und lehnt die Zentralregierung ab. Die Zentralregierung bezeichnet die TPLF als terroristische Gruppierung.

Nach schweren Kämpfen vermeldete Premierminister Ahmed Ende November den Sieg über die Rebellen im Hauptort der Region, Mekelle.

Die TPLF dominierte Äthiopien mehr als 25 Jahre lang, wurde aber seit 2018 von Ministerpräsident Abiy Ahmed zunehmend rausgedrängt.

Mangelende Hygiene: Die Krankheiten, die sie behandelten, stünden im Zusammenhang mit «den unwürdigen Lebensbedingungen», sagt Mazza, etwa Durchfall und Atemwegserkrankungen.

Kranke, Neugeborene und Schwangere müssen zusammen mit zwanzig anderen Menschen am Boden schlafen.
Autor: Irene MazzaMédecin sans Frontières

Dazu kämen auch Schlangenbisse. «In den Lagern leben zurzeit etwa 30'000 Flüchtlinge, und es kommen immer neue dazu», sagt die Fachfrau. «Das führt dazu, dass Kranke, Neugeborene und Schwangere zusammen mit zwanzig anderen Menschen am Boden schlafen müssen.» Es habe auch zu wenig Latrinen.

Selbst gebaute Unterkünfte schützen vor dem Staub und der Hitze.
Legende: Selbst gebaute Unterkünfte schützen vor dem Staub und der Hitze. SRF

Keine Kommunikationsmöglichkeit in die Region Tigray: Die äthiopische Regierung hat sämtlich Kommunikationsmöglichkeiten, sprich die Telefon- und Internetverbindungen, in die Region gekappt. Daher seien viele Menschen in den Lagern, die nicht wüssten, wie es dem Rest der Familie gehe. «Es kommen auch einzelne Kinder.» Ob deren Eltern noch am Leben sei, wisse niemand genau.

Keine Untersuchung: Eine unabhängige internationale Untersuchung der wochenlangen Kämpfe in der äthiopischen Konfliktregion Tigray wird von der Regierung in Addis Abeba abgelehnt. «Die Tage, in denen wir auf einige westliche Institutionen warteten und dann zustimmend abnickten, was wir getan haben oder nicht, sind vorbei», erklärte Äthiopiens Demokratisierungsminister Zadig Abraha am Donnerstag der Deutschen Welle. Die Äthiopier seien vereinter denn jeh.

Mitten in der Steppe im sudanesischen Grenzgebiet liegen zwei Flüchtlingslager.
Legende: Mitten in der Steppe im sudanesischen Grenzgebiet liegen zwei Flüchtlingslager. SRF

Eritreische Flüchtlinge in Tigray: Laut dem UNO-Flüchtlingshilfswerk lebten in der äthiopischen Region Tigray rund 96'000 Menschen, die vor zwanzig Jahren aus Eritrea geflüchtet waren. Laut unbestätigten Aussagen des Chefs der TPLF, Debretsion Gebremichael, seien nun auch eritreische Soldaten in Tigray. Er warf Eritreas Präsident Isaias Afwerki vor, Truppen über die Grenze geschickt zu haben, um Ahmed in seiner Offensive gegen die TPLF-Streitkräfte zu unterstützen. Die Zentralregierungen der beiden Staaten haben dies bestritten.

Video
Aus dem Archiv: Widersprüchliche Meldungen aus Tigray
Aus Tagesschau vom 30.11.2020.
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SRF 4 News, 22.12.2020; 06:10 Uhr;

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Joseph de Mol  (Molensepp)
    Damit wird genau das Gegenteil erreicht. Die sich verfeindeten Ethnien, Stämme und Clans, die nun diesen militärischen Konflikt austragen (Eritreische Diaspora in der CH mind. 40'000 Pers.), würden sich in Europa weiterhin auf Teufel komm raus und aus den alten Gründen aus der Heimat bekämpfen und wären sich Spinnefeind. Die Denkweise, dass mit einer Aufnahme in Europa sämtlichen Probleme und deren Ursachen wie von Geisterhand verschwinden ist leider ein weit verbreiteter Irrtum und fatal!
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    1. Antwort von John Livers  (John Livers)
      Wir haben selbst in der Schweiz gegen 40'000 Eritreer!
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    2. Antwort von John Livers  (John Livers)
      @SRF die Antwort kann ich ihnen gerne geben: Seit dem Jahr 2000 hatten wir 53' 460 Asylgesuche von Eritreern. Die letzten zehn Jahre also 2010 bis Okt. 2020 waren es 38'082 Gesuche. Da keine Eritreer ausgeschafft,
      sondern vorläufig aufgenommen werden liege ich mit gegen 40'000 keinesfalls daneben!
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    3. Antwort von John Livers  (John Livers)
      Bliebe noch anzufügen, dass laut BFM 85% der in der Schweiz lebenden Eritreer auf Sozialhilfe angewiesen sind.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Ausbeutung von Natur und Menschen und damit Zerstörung deren Lebensgrundlage! Umso wichtiger ist es, dass "verantwortungsbewusste" Länder/Regierungen entsprechende: "Weltwirtschafts-Politik machen - also unbedingte "Konzern-Verantwortungs-Gesetze" einführen!! KEINE wirtschaftlichen Geschäfte mit skrupellosen Gewalt-Regierungen/Herrschern!
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Es scheint an ihnen vorbeigegangen zu sein, dass diese Flüchtlinge Kriegsflüchtlinge sind. Sie fliehen also nicht davor, dass ihre Umwelt oder so von irgendeinem bösen Konzern zerstört wird, was so oder so nur im naiven westlichen Denken so stattfindet, sondern weil sie vertrieben werden, durch Kampfhandlungen aufgrund innenpolitischer Auseinandersetzungen, die rein gar nichts mit Konzernen zu tun haben, sondern mit machtpolitischen Auseinandersetzungen vor Ort, zwischen verschiedenen Ethnien!
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  • Kommentar von Arthur Meili  (Arthur Meili)
    Fuer gewisse ONGs, Politiker, Medien ist die Loesung meistens einfach. Z.B. Loest die Fluechtlingslager auf und bringt alle Leute nach Europa. Eine Win-Win-Situation. So koennen wir den Fluechtlingen helfen und ihnen kann geholfen werden.
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    1. Antwort von ely berger  (bernina)
      Meinen Sie das ironisch oder ernst? Glauben Sie, dass person Gewohnheiten, Denkmuster, Traditionen auch nur in 20 Jahren einfach so über den Haufen werfen kann? Sind Sie sich bewusst, dass es hier nicht um tausende Flüchtlinge, sondern um x-Millionen geht, die nach Europa wollen? Wollen Sie wirklich, dass wir auf demselben Niveau sind wie in den Fluchtländern? Damit China die Welt beHERRschen kann, weil auch noch Europa am Boden zerstört ist?
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    2. Antwort von Arthur Meili  (Arthur Meili)
      ely berger. Ist natuerlich ironisch gemeint. Vor nicht langer Zeit wollten CH- Politiker tausende von Lagerinsassen aus Griechenland zu uns bringen und viele Leserkommentare waren dafuer. "Die Schweiz ist ja reich" oder "wir sind ein christliches Land".
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