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Proteste in Lesbos gegen neues Flüchtlingslager
Aus Echo der Zeit vom 25.02.2020.
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Flüchtlingslager in der Ägäis «Wir wollen keine Abstellkammer für diese Menschen werden»

Die Einwohner auf Lesbos und Chios haben genug: Der Widerstand gegen neue Registrierungszentren wird immer heftiger.

Die Menschen im Dorf Mantamados auf Lesbos sind aufgebracht. Unweit ihres Dorfes soll ein neues Lager eingerichtet werden. «Nein, danke», sagt Stratos Paspalas: «Das ist Weideland für die Tiere der Landwirte vor Ort. Wir leben hier von unseren Schafen, von den Kühen und Olivenbäumen, von der Landwirtschaft.»

Keiner will hier ein neues Lager, die Anwohner nicht, die Gemeinden nicht, der Gouverneur nicht. «Die Regierung aber will ihr Vorhaben durchboxen», klagt Paspalas.

Strassenschlacht auf Lesbos
Legende: Am Dienstag kam es auf den Inseln Lesbos und Chios zu Strassengefechten zwischen der Polizei und Demonstranten, die gegen die neuen Lager protestiert haben. Keystone

In der Tat ist die konservative griechische Regierung entschlossen, gegen den Willen der Inselbewohner ihre Pläne umzusetzen. Nachdem die Gespräche mit den Gemeindepräsidenten gescheitert sind, hat sie beschlossen, die Gebiete zu beschlagnahmen, in denen die neuen Registrierungs- und Aufnahmezentren errichtet werden sollen. Noch diese Woche sollen die Arbeiten beginnen.

Die geschlossenen Zentren sind sehr wichtig. Für die Sicherheit der Bürger, aber auch um eine abschreckende Wirkung zu haben.
Autor: Notis MitarakisMigrationsminister Griechenlands

Auf Lesbos hätte das neue Lager Platz für etwa 7000 Migranten, das berüchtigte Lager von Moria würde somit schliessen, sagte Migrationsminister Notis Mitarakis im Fernsehen: «Die geschlossenen Zentren sind sehr wichtig. Für die Sicherheit der Bürger, aber auch wegen der abschreckenden Wirkung.»

Denn damit sende man ein Signal an die Schlepper, dass sie in Griechenland nicht tun und lassen könnten, was sie wollen. «Wenn die neuen Lager fertig sind, werden wir die heutigen offenen Lager nicht mehr betreiben.»

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Unhaltbare Zustände im Lager auf Lesbos
Aus Tagesschau vom 12.09.2019.
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Damit das realisierbar ist, hat Athen das Asylverfahren beschleunigt und will mehr Migranten, deren Antrag abgelehnt wurde, in die Türkei abschieben. Zweimal pro Woche sollen Migranten nun zurückgeführt werden, sagt Mitarakis: «Wir wollen die Zahl auf 200 Personen pro Woche steigern. Und mit dem neuen Asylsystem bekommen Neuankömmlinge innerhalb von 24 Tagen ihren Bescheid. Innerhalb von wenigen Monaten können wir so diejenigen zurückschicken, die keinen Anspruch auf Asyl haben.»

Was der Minister nicht sagt: Das neue System greift nur für die neuen Asylanträge. Wer vor 2020 angekommen ist, muss sich weiterhin auf ein langes Asylverfahren einstellen. Und täglich kommen hunderte neue Migranten dazu.

Wenn wir gesehen hätten, dass Migranten aufs Festland gebracht werden, würden wir mehr Geduld zeigen. Das passiert aber nicht.
Autor: Tasos BalisMediensprecher der Hauptstadt Mytilini

Die Regierung müsse so schnell wie möglich Lesbos und die anderen Inseln in der Ägäis entlasten, denn allein im Lager von Moria leben mittlerweile mehr als 20'000 Menschen, sagt Tasos Balis, Mediensprecher von Mytilini, der Hauptstadt der Insel: «Wenn wir gesehen hätten, dass Migranten aufs Festland gebracht werden, würden wir mehr Geduld zeigen. Das passiert aber nicht. Die Menschen hier sind überzeugt, dass es langfristig zwei Lager geben wird. Wir wollen aber keine Abstellkammer für diese Menschen werden.»

Flüchtlingslager auf Lesbos
Legende: Die Flüchtlingslager in der Ägäis sind hoffnungslos überfüllt. Ein Beispiel ist Moria auf Lesbos: Rund 20'000 Menschen harren im und rund um das Lager aus, das ursprünglich für rund 3000 Menschen gedacht war. Keystone

Wie genau die geplanten «geschlossenen Lager» funktionieren werden, bleibt abzuwarten. UNHCR-Sprecher Boris Cheshirkov meint dazu: «Wenn die Migranten rein und raus könnten und es eine Nachtsperre geben würde, hätten wir nichts dagegen.» Solche Lager gibt es in vielen Ländern. Wenn es aber wirklich geschlossene Zentren sein sollten, dann wäre der UNHCR dagegen: «Asylanträger sollten nur in absoluten Ausnahmefällen festgehalten werden.»

Bis zum Sommer sollen laut der Regierung auf allen fünf betroffenen Ägäisinseln die neuen Registrierungszentren stehen. Die Inselbewohner aber lassen sich nicht einschüchtern. Auch nicht von den Spezialeinheiten der griechischen Polizei, die extra dafür auf die Inseln gekommen sind.

«Echo der Zeit», 25.02.2020; imhm; kurn

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Die Migranten wollen auch gar nicht in Griechenland bleiben, es waren mehrere Reporter dort und haben die Leute befragt. Fast unisono heisst es Deutschland sei das Ziel. Das Ganze verlagert sich dann auf die Balkan-Länder, auch dort gibt es riesige Probleme. SRF hatte berichtet das es immer wieder zu gewalttätigen Grenzanstürme kommt, wie z.B.: "Flüchtlingsansturm in Bosnien - Das erwartet uns: Gewalt". Unglaubliche Massenschlägereien untereinander sind die Tagesordnung.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Das ist nicht nur ein Flüchtlingskonflikt, das eben auch ein typischer Stadt Land Konflikt, der einmal mehr auch ein Umweltkonfilkt ist.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Kriegsindustrie, Agrochemie, direkter Abkömmling der WWII Giftindustrie und Kapitalismus als Wirtschaftsform, als Ideologie und politische Praxis um Profitmaximierung zu Gunsten der ewig gleichen Wenigen aufrecht zu erhalten .... Diese gehen vehement angegangen. Dass die Menschen vor Ort gegen die Folgen dieser Politik, die Flüchtenden vorgehen wollen ist verständlich, naheligend. Doch auch hier täuschen sich die Menschen im Gegner. Dieser hat es immer verstanden Blitzableiter zu generieren.
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