Flugzeuge bringen Hilfsgüter für Flüchtlinge in der Türkei

In den letzten Tagen ist die Türkei von Flüchtlingen überrannt worden. Nun reagiert die UNO. Ein erstes Flugzeug mit Hilfsgütern ist bereits im Süden des Landes gelandet. Weitere sollen folgen.

Flüchtlingsfamilie bei ihrer Ankunft in der Türkei Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bald erhalten viele der Flüchtlinge das Nötigste: Schlafmatten, Decken, Kochgeschirr und anderes. Keystone

Angesichts des Flüchtlingsstroms aus Syrien hat die UNO mit Hilfsflügen in die Türkei begonnen. Ein erstes Flugzeug aus der jordanischen Hauptstadt Amman sei bereits in der südtürkischen Stadt Adana gelandet, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit.

Weitere sieben Flüge, unter anderem mit Schlafmatten, Decken und Kochgeschirr, sollen in den nächsten Tagen folgen. Immer noch flüchten Menschen aus der Region um die Stadt Ain Al-Arab (kurdisch: Kobane) vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in die Türkei.

SRF-Korrespondent Pascal Weber in Suruç

1:59 min, aus Tagesschau vom 25.9.2014

SRF-Korrespondent Pascal Weber, der sich an der Grenze zu Syrien in Suruç in der Türkei aufhält, berichtet von kurdischen Flüchtlingen, die Angst haben, die Grenzstadt Kobani könnte könnte komplett in die Hände des IS fallen: «Die Kurden beklagen sich, dass der IS mit immer schwereren Waffen angreift, während sie nur leichte Kalaschnikow-Sturmgewehre hätten.»

Die Türkei stecke im Dilemma, so Weber, denn zurzeit würden auch Friedensgespräche mit der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) geführt. Aber die aktuelle Situation mache die Beziehungen noch komplizierter.

Die Türkei fürchte sich vor allem vor Anschläge auf ihre Bürger im Ausland, vor allem im Irak. «Dort sind erst vor wenigen Tagen 49 türkische Geiseln aus den Händen des IS frei gekommen. Im Irak arbeiten Zehntausende Türken, was von grossem wirtschaftlichen Interesse für die Türkei ist. Ein weiteres Geiseldrama will die Türkei unbedingt vermeiden.»

«Die UNO hat versagt»

Zusatzinhalt überspringen

Türkisch-ägyptische Eiszeit

Der türkische Staatspräsident Erdogan hat mit harscher Kritik an der ägyptischen Regierung die Krise zwischen den beiden Ländern verschärft. Der ägyptische Aussenminister sagte heute ein Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen ab. Die Türkei war ein enger Verbündeter des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mursi.

Nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sind seit vergangenem Freitag mehr als 150'000 Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei gekommen. Das UNHCR sprach am Donnerstag von etwa 144'000 Flüchtlingen. Insgesamt sind nach offiziellen Angaben inzwischen über 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei.

An der UNO-Vollversammlung in New York kritisierte Erdogan gestern Mittwoch die Organisation angesichts der wachsenden Terrorbedrohung in den Krisenländern des Nahen Ostens. «In Syrien hat die UNO dabei versagt, Lösungen zu finden, während in den vergangenen vier Jahren mehr als 200'000 Menschen getötet und mehr als neun Millionen Menschen vertrieben wurden», sagte er. Die Türkei habe 1,5 Millionen von ihnen aufgenommen und dafür 3,5 Milliarden Dollar ausgegeben.

Erdogan verlangte bei der UNO-Vollversammlung mehr internationale Unterstützung zur Bewältigung der Flüchtlingskrise. Das UNHCR forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Flüchtlinge in der Türkei vor dem nahenden Winter zu unterstützen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • UNO-Resolution gegen den IS

    Aus Tagesschau vom 25.9.2014

    Der UNO-Sicherheitsrat hat in der Nacht auf heute einstimmig eine Resolution zum Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat angenommen. Diese verpflichtet alle 193 Mitgliedsstaaten, die Unterstützung und Finanzierung von Terrororganisationen zu unterbinden. Damit soll ein weiterer Zulauf zum IS verhindert werden.

  • Syrien: Flüchtlingsdrama spitzt sich zu

    Aus 10vor10 vom 22.9.2014

    Das Vorrücken der Terror-Miliz Islamischer Staat in Syrien hat die grösste Flüchtlingswelle in die Türkei seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs ausgelöst. Innerhalb von zwei Tagen suchten gemäss Schätzungen der UNO mehr als 100'000 Menschen aus den Kurdengebieten im Norden Syriens Schutz im Nachbarland.