Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Folgenreiche Impflücke In Bangladesch sterben viele Kinder wieder an Masern

Worum geht es? In Bangladesch breitet sich seit März die Infektionskrankheit Masern aus. Vor allem kleine Kinder sind betroffen. Mehr als 350 Menschen sind bereits gestorben. 55'000 Menschen gelten als infiziert. Ein trauriger Rekord wurde am Montag vermeldet: Innerhalb von 24 Stunden sind in Bangladesch 17 Kinder an Masern gestorben.

Wie konnte es zu einem derartigen Ausbruch der Krankheit kommen? «Wegen der Covid-Pandemie ist die spezielle Masernimpfung für Kinder im Alter von neun Monaten im Jahr 2020 erstmals ausgefallen», sagt Maren Peters, SRF-Südasien-Korrespondentin. «2024 ist die Impfung ebenfalls ausgefallen, diesmal aufgrund politischer Unruhen, die zum Rücktritt der Regierung führten.» Auch unter der Übergangsregierung von Muhammad Yunus sei die Impfung in der Masse nicht nachgeholt worden. Früher hat Bangladesch alle vier Jahre Impfkampagnen gegen Masern durchgeführt.

... und plötzlich fehlt das Geld für die Masernimpfung

Box aufklappen Box zuklappen

Bis anhin wurden die Impfkampagnen von Bangladeschs Regierung und internationalen Organisationen und Stiftungen bezahlt.

Mit dem Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump haben die USA 2025 ihre Gelder zur Entwicklungshilfe drastisch zusammengekürzt. Auch andere Länder haben bei diesen Ausgaben gespart. Dies hat zur Folge, dass auch das UNO‑Kinderhilfswerk Unicef und die WHO viel weniger Mittel zur Verfügung haben. Dabei geht es nicht nur um Impfkampagnen, sondern auch um Nahrungsmittelhilfe: Krankheiten wie die Masern verlaufen generell schwerer, wenn Kinder unterernährt sind oder Vitamin-A-Mangel haben.

Wie hoch ist die Masern-Impfquote in Bangladesch? Durch diese Umstände sei die Impfquote auf unter 60 Prozent gesunken, so die Korrespondentin. Um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen und die Ausbreitung von Masern zu verhindern, braucht es generell eine Durchimpfung von 97 Prozent.

Was wird gegen die Masernepidemie unternommen? Laut der WHO wurde am 30. März mit einem Notfall-Impfprogramm begonnen. Diese Notfall-Impfkampagne umfasst insgesamt mehr als 1.2 Millionen Kinder in Risikogebieten, wie die dicht besiedelten Slums in Dhaka. Zum Beispiel wurden sogenannte District Rapid Response Teams (RRTs) aktiviert und der Impfstoffeinkauf wurde vom Gesundheitsministerium beschleunigt. Auch eine Kampagne zur Abgabe von Vitamin A an Kinder wird seit Mitte März durchgeführt. Die Vitamin-A-Supplementierung aller Verdachts- und bestätigten Masernfälle ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung.

Das schreibt die WHO zur aktuellen Situation in Bangladesch: Der aktuelle Ausbruch stehe im Zusammenhang mit einer suboptimalen Bevölkerungsimmunität. Ein erheblicher Anteil der Fälle trat bei Kindern auf, die entweder nicht geimpft waren oder die nur eine Dosis des Masern-Impfstoffs erhalten hatten. Ein Drittel der Infizierten waren ungeimpfte Kinder unter neun Monaten. Die meisten Fälle – 91 Prozent – traten bei Kindern im Alter von 1 bis 14 Jahren auf, was auf erhebliche Immunitätslücken in dieser Altersgruppe hinweist.

SRF 4 News, 12.4.2026, 6:20 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel