Fracking: Wie gewonnen, so zerronnen?

Der tiefe Erdölpreis droht den Fracking-Boom in den USA zu beenden, denn die Ölgewinnung aus Schiefergestein ist teurer als die herkömmliche Erdölförderung. Viele Frackingförderstellen werden unrentabel.

Symbolbild: Eine Ölpumpe im Sonnenuntergang. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ist der Ölboom in den USA schon bald wieder vorbei? Keystone

Die Börse ist das Barometer der Zukunftserwartungen. Für die US-Erdölförderfirmen zeigt es im Moment auf düster. So sind die Aktienwerte der amerikanischen Frackingfirmen Whiting Petroleum Corp, Southwestern Energy und Continental Resources in den letzten zwei Wochen um mehr als die Hälfte eingebrochen. Der tiefe Erdölpreis droht ihr Geschäft zu zerstören.

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Ständig neu bohren

Mit der Fracking-Methode werden Ölvorkommen tief unter der Erde im Schiefergestein angezapft. Solche Quellen versiegen rasch: Im ersten Jahr fliesst die weitaus grösste Menge Öl, danach fällt die Kurve steil ab. Firmen müssen ständig neue Löcher bohren, um ihre Fördermenge aufrecht zu erhalten.

Fracking kaum mehr rentabel

«Wenn der Erdölpreis unter siebzig Dollar pro Fass sinkt, ist es an vielen Orten nicht mehr rentabel, nach Erdöl im Schiefergestein zu bohren», sagt Michael Webber, Professor für Energiewissenschaften an der University of Texas in Austin. Webber befindet sich im Zentrum des Erdölbooms. Nirgends wird derzeit so viel gebohrt wie in Texas. Doch Firmenverantwortliche stünden nun auf die Bremse, sagt der Energieexperte.

Eines der grösseren Unternehmen in diesem Geschäft, ConocoPhilipps, streicht die Investitionen fürs nächste Jahr um zwanzig Prozent zusammen. Die Firma stellt sich auf eine längere Durstphase ein. Viele kleinere Konkurrenten können dies nicht: Sie bohren auf Pump und sind damit akut gefährdet, falls ihre Geldgeber plötzlich aussteigen.

Vielen Firmen droht der Konkurs

Der Energiehändler Dan Dicker sieht bereits eine Konkurswelle auf Texas zu rollen: «Zwei oder drei Dutzend US-Firmen werden eingehen, wenn die Preise in den nächsten zwei bis drei Monaten so tief bleiben», sagte er gegenüber Bloomberg. Hält die Preisbaisse also länger an, droht der US-Erdölboom zu Ende zu gehen.

Auch für Energie-Professor Webber besteht dieses Risiko. Man habe dies bereits vor 15 Jahren erlebt. Auch damals waren die Preise tief und die Förderung nahm stetig ab. Dies habe Texas an den Rand des wirtschaftlichen Ruins getrieben.

Will Opec die US-Ölindustrie ausbluten lassen?

Stimmen in den USA beschuldigen nun die Opec, sie halte die Preise bewusst tief, um die US-Erdölindustrie zu zerstören und damit die neue Konkurrenz aus dem Weg zu schaffen. Das ist möglich: Denn die Kosten, um das Öl mit Fracking aus dem Boden zu holen, liegen mit schätzungsweise 62 Dollar pro Fass im Schnitt doppelt so hoch wie die herkömmliche Förderung im mittleren Osten. Noch teurer ist die Ölgewinnung aus dem kanadischen Ölsand oder aus dem Meeresboden in der Arktis.

Deshalb sei es durchaus im Interesse der Opec, abzuwarten, sagt Webber. «Ich denke, Saudi Arabien hat genügend Reserven, um den Preis eine gute Weile tief zu belassen.» So würden viele teurere Erdölförderer auf der Welt bankrott gehen. Und anschliessend würden die Preise für Erdöl wieder steigen und die Opec streiche die Profite ein.

Es ist also gut möglich, dass die Karten im Erdölgeschäft in den nächsten Monaten neu gemischt werden.