Frankreich gedenkt der Opfer von Nizza

Schock und Trauer in Frankreich: Nach dem Anschlag auf der Strandpromenade ist mit einer Schweigeminute der über 80 Todesopfer gedacht worden. Die Zahl der Schweizer Todesopfer ist derweil auf drei gestiegen.

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Tausende gedenken der Opfer in Nizza

0:58 min, aus Tagesschau vom 18.7.2016

Mit einer Schweigeminute hat Frankreich der Opfer des Anschlags von Nizza gedacht. Am Tatort auf dem berühmten Strandboulevard der Mittelmeer-Stadt versammelten sich Tausende Menschen. An der Gedenkzeremonie nahmen auch mehrere Vertreter der französischen Regierung teil, darunter Premierminister Manuel Valls und Gesundheitsministerin Marisol Touraine.

Buhrufe für Valls

Schweigeminute in Nizza und Paris (unkomm.)

0:57 min, vom 18.7.2016

Valls wurde beim Eintreffen sowie nach der Zeremonie ausgebuht, wie ein AFP-Reporter beobachtete. In Frankreich wird zurzeit heftig diskutiert, ob die Behörden genug für den Schutz der Bevölkerung vor Terrorangriffen getan haben. Präsident François Hollande hielt im Pariser Innenministerium an der Seite von Vertretern der Sicherheitskräfte inne.

Nach der Schweigeminute applaudierte die Menge den Rettungskräften, Feuerwehrleuten und Ärzten, die sich um die Opfer gekümmert hatten.

Ein 31-Jähriger hatte am Donnerstag – dem französischen Nationalfeiertag – einen Lastwagen durch eine Menschenmenge gesteuert und 84 Menschen getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Die französische Polizei sucht nach Hintermännern der Tat. Sieben Personen aus dem Umfeld des Tunesiers Mohamed Lahouaiej-Bouhlel sitzen in Polizeigewahrsam.

Noch keine Beweise zu extremistischen Gruppen

Mehr als 200 Ermittler werten den SMS-Verkehr des Mannes aus, der am Donnerstagabend in der südfranzösischen Stadt mit einem Kühllastwagen in eine Menschenmenge gerast ist.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Lieferwagenfahrer die Tat sorgfältig geplant. Den Miet-Truck, den er als Mordinstrument verwendete, habe er bereits am 4. Juli reserviert und am 11. Juli abgeholt. Am Dienstag und Mittwoch (12. und 13. Juli) habe er den Tatort erkundet.

Die französischen Ermittler haben noch keine Beweise für Kontakte des Täters zu extremistischen Gruppierungen. Die Tat trägt aber laut Behörden die Handschrift des IS. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein gewalttätiger Psychopath nach einer raschen Radikalisierung das Verbrechen begehe.

Mutter und Kind gestorben

Die Zahl der Schweizer Todesopfer ist derweil auf drei gestiegen. Nach dem Tod eines Mädchens aus Yverdon-les-Bains (VD) hat der Kanton Waadt auch den Tod der Mutter des Kindes bestätigt. Es handle sich um eine in der Schweiz wohnhafte Ausländerin, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.

Der Waadtländer Staatsrat habe – in Zusammenarbeit mit Vertretern des Schweizer Konsulats und der Bundespolizei vor Ort – Massnahmen ergriffen, um der Familie und ihren Angehörigen zu helfen.

Wohl keine weiteren Schweizer betroffen

Auch eine 54-jährige Frau aus dem Tessin war beim Anschlag gestorben. Derzeit gibt es laut EDA keine Hinweise, dass weitere Schweizer Staatsangehörige beim Attentat zu Schaden kamen. Alle Suchmeldungen auf der EDA-Helpline hätten geklärt werden können.

Insgesamt kamen 85 Menschen aus 21 Nationen ums Leben. Weitere liegen noch immer schwer verletzt in Spitälern.